1962: Häuptling Walking Buffalo – Mutter Erde respektieren und schützen

Von Andrew Stallybrass

14/05/2021
Walking Buffalo portrait

 

1962 wurde in Caux erstmals ein Dokumentarfilm über eine bemerkenswerte, fast 100.000 Kilometer lange Reise gezeigt. Zwei Jahre zuvor hatten Häuptling Walking Buffalo von der Nakoda (Stoney) Nation und Häuptling David Crowchild von den Tsuu T'ina (Sarcee) eine achtköpfige Delegation der First Nations aus Kanada auf eine Reise geführt, die sie nach Europa, Asien, Afrika und in den Pazifik führte. Eine Etappe der Reise war auch das Konferenzzentrum in Caux. Schätzungen zufolge verfolgten 100 Millionen Menschen die Reise in der Presse, im Radio und im Fernsehen.

Die Verbindung von Walking Buffalo mit der Moralischen Aufrüstung (später Initiativen der Veränderung) reichte fast 30 Jahre zurück. Im Juni 1934 hatten er und andere Anführer der Nakoda Nation in einer Zeremonie im kanadischen Banff den Begründer der Moralischen Aufrüstung, Frank Buchman, zum Blutsbruder gemacht und ihn A-Wo-Zan-Zan-Tonga (Grosses Licht aus der Dunkelheit) genannt. Es war der Beginn einer anhaltenden Freundschaft, die dazu führte, dass indigene Menschen aus der ganzen Welt an der Arbeit und den Konferenzen in Caux teilnahmen.

 

Walking Buffalo blood brother Frank Buchman 1934
Umgeben von Angehörigen der Stoney Nakoda Nation macht Häuptling Walking Buffalo Frank Buchman
im Rahmen einer internationalen Konferenz 1934 zum Blutsbruder

 

Im Laufe der Jahre blieben die Blutsbrüder in Kontakt und trafen sich 1958 bei einer MRA-Weltkonferenz wieder. Dort lernte Walking Buffalo Menschen aus der ganzen Welt kennen, die einen neuen Sinn in ihrem Leben gefunden hatten. Nach drei Wochen beschloss er, auf Bitterkeit, Stolz und Angst zu verzichten, um Buchman in seiner Arbeit zu unterstützen. „Ich hatte gute Gründe für den Hass, aber jetzt weiss ich, dass ich sogar denen vergeben kann, die mir Unrecht getan haben“, sagte er. „Ich fühle mich wie ein neuer Mensch.“

Jetzt weiss ich, dass ich sogar denen vergeben kann, die mir Unrecht getan haben. Ich fühle mich wie ein neuer Mensch.

Walking Buffalo sah seine Rolle darin, den Menschen und Regierenden – indigen oder nicht – dabei zu helfen, zum Wohle zukünftiger Generationen Mutter Erde zu respektieren und zu schützen. Mit Leidenschaft, Humor und durch seine Geschichten gab er sein Wissen und Verständnis für die traditionellen Werte seines Volkes weiter.

 

Walking Buffalo in Caux with Frank Buchman
Walking Buffalo und Frank Buchman in Caux

 

Die Reise in den Jahren 1959–60 führte die Delegation in 18 Länder. In Europa bereiste Häuptling Walking Buffalo innerhalb11 Wochen 13 verschiedenene Länder, traf Bundeskanzler Adenauer in Deutschland und die Führenden der griechischen und türkischen Volksgruppen auf Zypern. In Skandinavien wurde er vom Volk der Sami 160 Kilometer nördlich des Polarkreises empfangen.

In Neuseeland war die kanadische Gruppe Ehrengast bei der Konföderation der Maori-Häuptlinge. In Australien wurden sie vom amtierenden Premierminister und dem Gouverneur von Westaustralien begrüsst. Ihre Gespräche und Feiern mit der Gemeinschaft der Aborigines dauerten drei Tage. „Sie zeigten uns die Sinnlosigkeit von Bitterkeit und Hass und wie man mit den Weissen für ein von Gott geführtes Land arbeiten kann“, sagte ein Aborigine-Teilnehmer. Sie besuchten ausserdem Südafrika, Simbabwe (damals Südrhodesien), die Zentralafrikanische Föderation, Uganda und Kenia.

Sie zeigten uns die Sinnlosigkeit von Bitterkeit und Hass.

 

Walking Buffalo and friends with PQ Vundla and family
Walking Buffalo mit Freunden bei Philip Qipa Vundla und dessen Familie in Südafrika

 

Im Laufe des Jahres 1961 –  seinem 90. Lebensjahr –  nahm Walking Buffalo auch an Kampagnen in Brasilien, Japan und den USA teil. Zurück zu Hause in Kanada sprach er mit seinen Enkelkindern über seine Erkenntnisse. „Viele Menschen spüren kaum noch echte Erde unter ihren Füssen, sehen keine Pflanzen ausserhalb von Blumentöpfen wachsen und entfernen sich nie weit genug von den Straßenlaternen weg, um den Zauber eines mit Sternen übersäten Nachthimmels zu erleben“, erzählte er ihnen. „Wenn die Menschen weit weg von den Schauplätzen leben, die der Grosse Geist geschaffen hat, können sie seine Gesetze leicht vergessen.“

Walking Buffalo starb im Jahr 1967. Im Jahr 1976 begleitete sein Sohn, Bill McLean, die Besetzung der Show Song of Asia in verschiedene Regionen von Quebec und kam 2001 zusammen mit drei Nakoda-Häuptlingen nach Caux. Walking Buffalos Urenkelin, Alana, war 2004 Caux-Intern und hat seitdem Trustbuilding-Workshops im Reservat durchgeführt – die Geschichte geht also weiter.

 

Walking Buffalo's son Bill McLean delegation in Berne 2001
Walking Buffalos Sohn Bill McLean (rechts) und Nakoda-Häuptlinge in der kanadischen Botschaft in Bern, 2001

 

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Sehen Sie sich den 1962 gedrehten Farbfilm über Häuptling Walking Buffalos Reise um die Welt (Fotograf: Robert Fleming, Erzähler: Edward Devlin)

 

 

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Diese Geschichte ist Teil unserer Serie "75 Jahre der Geschichten" über Menschen, die durch Caux eine neue Richtung und Inspiration für ihr Leben gefunden haben - eine Geschichte für jedes Jahr von 1946 bis 2021. Wenn Sie eine Geschichte kennen, die sich für diese Serie eignet, leiten Sie Ihre Ideen bitte per E-Mail an John Bond oder Yara Zhgeib. weiter. Wenn Sie mehr über die Anfangsjahre von Initiativen der Veränderung und das Konferenzzentrum in Caux erfahren möchten, klicken Sie bitte hier und besuchen Sie die Plattform For A New World.

 

 

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