Auf dem Weg zu einem inklusiven Frieden 2019

Lokale und ganzheitliche Ansätze für Prävention schaffen

04/08/2019
TIP 2019

Die Bedeutung einer Zusammenarbeit mit lokalen Gruppen und der Schaffung eines kreativen und inklusiven Frieden stand im Mittelpunkt der dritten und letzten Konferenz der Reihe „Auf dem Weg zu einem inklusiven Frieden“, die als Teil des Caux Forums vom 8. bis 12. Juli 2019 stattfand. Während sich die Konferenz 2017 und 2018 auf Opfer und Ursachen eines gewaltsamen Extremismus konzentriert hatte, standen dieses Jahr drei Themen auf der Tagesordnung: Prävention, Resilienz der Gemeinschaft und der Schutz von Friedensschaffenden. Die vorgestellten Ansätze basieren auf den Konzepten der Inklusivität, Nachhaltigkeit und Kontextspezifik.

 

Fakten auf den Grund gehen: Die Folgen eines gewaltsamen Extremismus

„Gewaltsamer Extremismus spaltet Gemeinschaften, verschärft Konflikte und destabilisiert Regionen“, stellte Barbara Hintermann, Generalsekretärin von Initiativen der Veränderung Schweiz, während der Eröffnungszeremonie der Konferenz fest.

„In den Ländern, in denen wir tätig sind, hat gewaltsamer Extremismus Millionen von Menschen getötet, verletzt und vertrieben“, fügte Dr. Khalid Koser, Gründer und Generaldirektor vom Global Community Engagement and Resilience Fund (GCERF), hinzu. Die Auseinandersetzung mit einem gewaltsamen Extremismus sei nicht nur für die Menschen vor Ort sondern auch für Staaten und die Privatwirtschaft wichtig. Wenn sich bisherige Ansätze zur Stärkung von Sicherheit als ineffizient herausstellten, sei es am besten, darüber hinaus lokale Akteurinnen und Akteure mit einzubeziehen. Entsprechend versuche GCERF drei entscheidende Bereiche für die Resilienz von Gemeinschaften zu stärken: den Aufbau von Kapazitäten, sozialer Zusammenhalt und Chancengleichheit.

 

TIP 2019 audience

 

Resilienz von Gemeinden als Treiber von Veränderungen

„Wir sollten eine positive Version dessen entwerfen, was wir wollen“, so Melinda Holmes, Leiterin der Women’s Alliance for Security Leadership (WASL) des International Civil Society Action Network (ICAN). Tatsächlich liesse sich Frieden nicht nur durch die Abwesenheit von Krieg und Gewalt definieren. Es sei vielmehr ein Zustand, in dem Gerechtigkeit, Demokratie und Menschenrechte respektiert würden. Ansätze zur Prävention müssten sich sowohl auf den Kontext als auch auf die Stärkung der Gemeinschaft beziehen.

Daniel Hyslop, Leiter von Policy and Learning bei Interpeace, rief in Erinnerung, dass „99 % des Terrors im Kontext bewaffneter Konflikte oder eines politischen Terrors entsteht“. Demnach müsse man zunächst den Zusammenhang verstehen, indem man mit der lokalen Bevölkerung arbeite. Darüber hinaus müsse es sich um eine integrative und positive Herangehensweise handeln. Sie müsse den Dialog zwischen allen Akteurinnen und Akteuren ermöglichen und den Schwerpunkt auf eine Resilienz der Bevölkerung legen.

Das Mercy Corps, das von Emilie Tankora, Programmspezialistin für sozialen Zusammenhalt, Frieden und Konflikte in Niger, vertreten wurde, verfolgt einen Ansatz, der diese Prinzipien berücksichtigt. Das Ziel des Mercy Corps sei es, mit lokalen Gemeinden zusammenzuarbeiten, um die verschiedenen Sichtweisen zu verstehen und nachhaltige Projekte zu entwickeln. Der Ansatz basiere auf zwei Säulen: einem kurzfristigen Teil, um auf unmittelbare Bedürfnisse zu reagieren, und einem langfristigen Teil, um soziale Netzwerke mittels Dialog zu schaffen.

Das Programm zur Vermeidung eines gewaltbereiten Extremismus, das von Lisa-Raine Hunt, Community-Koordinatorin vom britischen Innenministerium, vorgestellt wurde, widmet sich zusätzlich den Ressourcen von Gemeinschaften und ihrer Resilienz.

In interaktiven Workshops beschäftigten sich die Teilnehmenden mit Themen der Prävention, Resilienz von Gemeinschaften und dem Schutz von Friedensschaffenden. An Hand von Berichten aus dem Leben lokaler Akteurinnen und Akteure wurden die Zusammenhänge in sechs Ländern verglichen und gründlich analysiert: Nigeria, Ukraine, Indien, Nepal, Grossbritannien und Indonesien.

 

TIP 2019 discussion

 

Kreativität und Kunst im Verarbeitungsprozess

Dr. Ram Baghat, Mitgründer der Drums No Guns Foundation und des Massive Resilience Project, erläuterte seine Herangehensweise zur Förderung von Resilienz. Er demonstrierte, wie Musik und Dialog erneut ein Gleichgewicht schaffen können, indem sie Würde und Respekt fördern.

„Die eigene Verwundbarkeit erkennen, anschliessend in der Lage zu sein, sich mit anderen auszutauschen sowie die Auseinandersetzung mit den eigenen Werten, um sich dann in der Gemeinschaft zu engagieren“ sind die beiden Massnahmen der Fighters for Peace Association aus dem Libanon, die von Christina Foerch Saab mitbegründet wurde. Der Verband nutzt Theater für Diskussionen über individuelle und gemeinsame Erinnerungen.

Der Austausch von Geschichten ermöglicht es Menschen die Schaffung von Heilungsprozessen nach einem Trauma zu verstehen. Hasan Davis, Leiter der Jugendjustizreform in den USA, sprach über seine eigenen Erfahrungen und erklärte, „jeder verdient es, Held seiner eigenen Geschichte zu werden“. Die Rolle von Hoffnung und Vertrauen und die Bedeutung einer langfristigen Vision wurden am nächsten Tag während des Plenums noch weiter thematisiert.

Die verschiedenen Perspektiven und Ansichten, Formate und Diskussionen machen aus dem Caux Forum nicht nur einen einzigartigen Ort der persönlichen Inspiration und des Lernens, sondern ermöglichen ausserdem einen Austausch mit anderem und persönliche Erkenntnisse. Dies entspricht genau den Zielen von Iofc.

 

TIP 2019 board

 

Sicherheit durch Handeln schaffen

Vor dem Hintergrund einer Krise der weltweiten Demokratie betonte Guissou Jahangiri, Vize-Präsidentin der Internationalen Föderation für Menschenrechte (FIDH), die Bedeutung von Netzwerken und Verbindungen, um Friedensschaffende zu schützen.

Nachdem das Scheitern der internationalen Gemeinschaft beim Schutz von Friedensschaffenden illustriert wurde, sprach Stacey Schamber, Programmleiter bei ICAN, über die Bedeutung von Netzwerken bei der Friedensförderung. Sie führte das Beispiel einer Kollegin an, die über 17 Stunden an einem Flughafen festgehalten wurde. Über das ICAN-Netzwerk konnte sie von anderen Frauen unterstützt werden und letztlich eine Lösung für ihre Situation finden. „Solidarität ermöglicht es, einander zu unterstützen und Sicherheit zu schaffen“, schlussfolgerte sie.

Rodolfo Dominguez Marquéz setzte diese Diskussion mit seiner Präsentation über seine Arbeit als Koordinator des Vereins für Justiz, Menschenrechte und Gender in Mexiko fort. Er sprach über verschiedene Aktionspläne zur Bekämpfung von Gewalt: Identifizierung von Risiken mit speziellen Methoden, die Umsetzung von Protokollen sowie die Stärkung von Netzwerken von Friedensschaffenden und die Förderung einer opferorientierten Justiz.

 

TIP 2019 speaker

 

Die Ziele der Konferenz wurden erreicht und Kooperationen durch die Inspiration der Teilnehmenden ins Leben gerufen.

Die graphischen Zusammenfassungen von Anna Lena Schiller kombinierte Konferenzblitzlichter mit Zeichnungen und Worten der Teilnehmenden.

Solidarität, menschliche Würde, Gleichheit... Frieden und Dialog können durch einen Ansatz gestärkt werden, bei dem Menschen und Gemeinschaften im Mittelpunkt stehen.

 

 

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