Christian Picciolini: Ein Leben nach dem Hass

Gerechte Regierungsführung für menschliche Sicherheit 2017

17/08/2017
Christian Picciolini

 

Als Christian Picciolini im Alter von 14 Jahren der rechtsradikalen weissen Skinhead-Bewegung beitrat, hätte er sich nie träumen lassen, sich als Erwachsener dafür einzusetzen, das rückgängig zu machen, was er in den 1980er und 1990er Jahren mitaufgebaut hatte. Heute arbeitet er aktiv gegen Rassismus und Extremismus.

In einem Interview bei "Gerechte Regierungsführung für menschliche Sicherheit 2017" sprach Picciolini über seine Anfänge bei Amerikas ersten Neonazis, die davon überzeugt sind, aus ihrem eigenen Land gedrängt zu werden. Dieses Gefühl ging soweit, dass er glaubte, es könne zu einem "weissen Völkermord kommen."

"Mit 14 Jahren fügten sich für mich alle Puzzleteile zusammen. Dieser Mann gab mir das Gefühl, wichtig zu sein, als ich mich unwichtig fühlte.", sagte Picciolini. Mit 16 wurde er Anführer einer bekannten weissen rechtsextremen Hassgruppe und erklärte, diese Macht sei für ihn zur Droge geworden.

Dennoch änderten sich die Dinge, als Picciolini mit 19 Jahren Vater wurde. Seine Ansichten veränderten sich und er entdecke eine neuen Sinn im Leben.

"Ich war nicht mehr nur eine Anführer der Skinheads. Ich war Vater und Teil einer anderen Gemeinschaft, die ich geschaffen hatte - meiner Familie.", sagte Picciolini. "Ich musste meine Beweggründe hinterfragen und fand wahre Kraft in der Tatsache, Vater zu sein."

Er gründete eine Plattenfirma und traf seine "Feinde", um Verträge abzuschliessen, doch als die Unterhaltungen persönlicher wurden, konnte Picciolini ein Leben voller Hass auf Menschen anderer Hautfarbe nicht mehr mit dem Leben, das er inzwischen führte, unter einen Hut bringen. 

"Ich konnte den Hass, den ich verspürte, nicht mehr rechtfertigen, weil ich diese ehemaligen 'Feinde' jetzt als Menschen kennengelernt hatte.", so Picciolini. "Sie kamen und zeigten mir Mitgefühl, als ich es am wenigsten verdiente." 

Als er die gewalttätige, rechtsextreme Bewegung verliess, gründete Picciolini 2009 "Leben nach dem Hass", eine gemeinnützige Organisation, die Menschen hilft, sich von Hass und gewaltbereitem Extremismus zu befreien und Alternativen zu finden.

Er ist davon überzeugt, "Mitgefühl ist das einzige Mittel, Hass aufzubrechen". Durch "Leben nach dem Hass" ist Picciolini in der Lage, auf Jugendliche zuzugehen, die ähnlich denken und reagieren wie er selbst es als junger Mensch getan hat. Er fordert ihr Klischeedenken heraus und organisiert Treffen mit Menschen, die sie zu hassen glauben.

"Ich weiss, wie ich mit Menschen in dieser extremistischen Bewegungen umgehen muss, weil ich verstehe, dass die Idee dahinter verführerisch ist. Aber ich verstehe auch, was es braucht, um Menschen wieder aus dieser Gruppe herauszuholen.", erklärt er.

Picciolini war Teil der Podiumsdiskussion über Ursachen und Konsequenzen von Extremismus und Gewalt im Rahmen von "Gerechte Regierungsführung 2017". Er nahm die Teilnehmenden mit auf eine Reise durch die Köpfe von Extremisten und erklärte die Gründe für deren Verhalten. Er konnte seine Botschaft gegen Hass und für Liebe weitergeben und mahnte: "Der einzige Weg, Menschen zu zeigen, dass Hass sinnlos ist, liegt darin, ihnen zu zeigen, dass es sich lohnt, zu lieben."

 

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