Junge Aktivistin aus Afghanistan kämpft für die Stärkung von Frauen und Mädchen

Caux Scholars-Programm 2017

31/07/2017
Caux Scholars Program 2017

 

Vor vier Jahren war sie das erste Mädchen, das in ihrem Stadtviertel in Kabul Fahrrad fuhr. Heute ist sie 21 und setzt sich für die Stärkung junger Mädchen in Afghanistan ein. Sahar Fetrat war eine der 20 Teilnehmenden des diesjährigen Caux Scholars-Programms (CSP), das vier Wochen lang im Rahmen des Caux Forums stattfand.

Sahar ist nicht nur Studentin. Sie ist auch Journalistin und Gründerin einer Filmgesellschaft für Dokumentarfilme. Sie definiert sich selbst als Aktivistin für Frauenrechte und glaubt an die Macht des Storytelling. Sie engagiert sich hauptsächlich für soziale Fragen, die Frauen betreffen und möchte das Bewusstsein fur diese Problematik steigern, indem sie Videofilme einsetzt, die Menschen in ihrem Land aufklären.  

Wie viele afghanische Mädchen hat sie Sexismus, Diskriminierung und Belästigungen schon jung am eigenen Leib erfahren. "Meiner Familie lagen die Rechte von Frauen immer am Herzen. Meine Schwester sagte mir immer, Frauen sollten ihre Existenz einfordern und an Orte gehen, deren Zugang ihnen verwehrt bleibt.", erklärt Sahar.

Ihre Mutter war für sie eine grosse Inspirationsquelle. "Sie war Feministin, ohne es zu wissen. Sie lehrte uns Gleichberechtigung und bevorzugte nie unseren Bruder. Sie unterstützte mich mit den wenigen Mitteln, die ihr zur Verfügung standen.", sagt Sahar.

Sie war 14, als sie mit den Ideen des Feminismus in Berührung kam. Sie empfand es als ungerecht, dass nur Jungen vor der Klasse reden durften und wehrte sich. "Der Lehrer nannte mich eine zornige Feministin. Ich machte mich auf die Suche nach der Bedeutung dieser Bezeichnung und fand die Idee, Feministin zu sein, toll.", so Sahar.

Jedes Mal, wenn sie eine Kamera in der Hand hielt, fühlte sie sich stark genug, um Männern, die sie belästigten, zu begegnen, indem sie ihnen sagte: "Ihr werdet euch im Fernsehen wiedersehen." Sie regte in den Medien eine Diskussion über die Belästigung von Frauen auf der Strasse in ihrem Alltag in Afghanistan an.

Dies inspirierte sie dazu, ihre eigene Produktionsfirma zu gründen. Ziel ist es, Frauen eine sichere Plattform zu bieten, um über ihre Probleme zu sprechen und sie durch das Erlernen neuer technischer Kenntnisse zur Herstellung von Filmen, die normalerweise Männern vorbehalten sind, zu stärken.

Sie bemüht sich, Stereotypen, die die Menschen ausserhalb der westlichen Welt nicht über den Feminismus kennen, aufzubrechen. "Ich fühle mich verantwortlich, Menschen zu erklären, was Feminismus für mich bedeutet, aber ich habe auch das Gefühl, es ist Zeit für die Menschen, sich selbst darüber weiterzubilden.", sagt sie.

"Die Leute sagen imlmer, unser grösstes Problem sei die Unterdrückung durch die Burka. Aber das Problem afghanischer Frauen ist nicht die Burka. Unsere Freiheit wird nicht durch die Länge unserer Röcke definiert. Die Herausforderung für uns liegt lediglich darin, unsere Existenz einzufordern.", fügt sie hinzu.

Sahar hofft, ihre Botschaft weiterzugeben und andere Teilnehmende des Caux Scholars-Programms dazu zu inspirieren, ein "weltweites Netzwerk von Schwestern" aufzubauen, wo Mädchen einander unterstützen können. "Als ich anfangs in Kabul Fahrrad fahren lernte, mobbten mich die Leute. Aber heute fahren Mädchen selbstbewusst Fahrrad. Darin steckt viel Hoffnung.", sagt sie. "Ich fühle darin eine Stärke. Ich glaube an die Macht der Frau. Die Zukunft wird für junge Frauen besser werden.", erklärt sie zum Schluss.

 

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