Den Wunschtraum Europa leben

Damit Europa kein unvollendeter Traum bleibt 2017

25/08/2017
AEUB 2018

 

Auch dort in Europa, wo Populisten Wahlen verlieren, dominieren ihre Narrative einer Schuldzuweisung an Immigranten und Minoritäten die politischen Diskussionen. Viele Bürgerinnen und Bürger verlieren ihren Glauben an eine Integration als wirksamstes Mittel für dauerhaften Frieden, Sicherheit und Wohlstand. Es besteht die Tendenz der Isolierung, eines Rückzugs in Gruppen, die von ethnischer Zugehörigkeit, religiösen Überzeugungen oder Klasse bestimmt sind. Eine solche Popularisierung wirkt sich schwerwiegend auf die Zusammenarbeit von Europäerinnen und Europäern aus, denen das Wohl aller am Herzen liegt.

Vom 17. -21. Juli kamen rund 150 Teilnehmende aus allen Teilen Europas und anderen Kontinenten zu Damit Europa kein unvollendeter Traum bleibt (AEUB). Die Teilnehmenden waren unterschiedlichester ethnischer und religiöser Herkunft und Alters und befassten sich mit effektiven Wegen im Umgang mit den Problemen Europas. Zum dritten Mal in Folge war das Young Ambassadors-Programm (YAP) für junge Menschen zwischen 18 - 25 Jahren fester Bestandteil des Events. 51 Young Ambassadors, unterstützt von acht ehemaligen Absolventen, unterzogen sich zwei Tage vor Konferenzbeginn einem intensiven Trainings- und Selbstfindungsprozess. Sie nahmen anschliessend an der Konferenz teil und repräsentierten die jüngere Generation Europas.

Hauptziel von AEUB in diesem Jahr war es, durch konkrete Beispiele von Initiativen, die Vertrauen aufbauen, Hoffnung und Inspiration weiterzugeben. Dabei sollten verschiedene Dialogmethoden für Konfliktsituationen untersucht, den Teilnehmenden die Möglichkeit zum Austausch gegeben und Menschen mit Initiativen gleicher Ausrichtung und potenziellen neuen Partnerschaften vernetzt werden.

Jo Berry und Patrick Magee hielten am ersten Morgen eine beeindruckende gemeinsame Ansprache. 1984 versteckte Magee in einem Hotel in Brighton/Grossbritannien eine IRA-Bombe, durch die Berrys Vater, der konservative Abgeordnete Sir Anthony Berry, getötet wurde. "Ich wollte nicht, dass er sich entschuldigt", sagte Berry. "Ich musste ihn als Menschen entdecken." Sie sprach sich für Empathie als stärkster Waffe aus, um von "meiner Geschichte" den Schritt zu einer neuen, gemeinsamen Geschichte zu gehen und den Konflikt zu beenden. Während Magee nach wie vor die Last mit sich trägt, Jo unendlich verletzt zu haben, gehen sie doch menschliche gemeinsame Schritte. Sie sind sich einig, dass Krieg die kämpfenden Seiten der wichtigen Kapazität der Empathie beraube und es nicht ermögliche, die Welt durch die Augen anderer zu sehen. Insgesamt standen sie nun schon über 150 Mal gemeinsam auf der Bühne.

Im Laufe des gesamten Events gaben Lana Biba und Txema Perez von der Londoner Physical Theatre School kurze, stille und unkonventionelle Auftritte zum Thema Mindfulness durch Spiel. Sie waren Teil der acht Teams, die Trainingsschnupperkurse über Programme von IofC-Temas und Partnerorganisationen in verschiedenen Teilen Europas im Einsatz gegen Polarisierung und zum Aufbau von Vertrauen durchführen.

Jeder Tag begann mit einer Zeit der Stille in kleinen Community-Gruppen, die sich später am Tag noch einmal trafen, um persönliche Erfahrungen und Geschichten auszutauschen. Ein Teilnehmer sagte: "Ich fand das Storytelling in kleinen Gruppen toll, weil es Vertrauen und Respekt wachsen liess. Ich habe wieder einmal erkannt, dass wir alle in unserem Leben Probleme haben und dass Mitgefühl der Schlüssel zu einem bessern Miteinander mit den Menschen um mich herum ist."

Das Abendprogramm gab den Teilnehmenden die Möglichkeit, mehr über die Programme und Initiativen anderer herauszufinden und Europas kulturelle Vielfalt zu feiern. An einem Abend wurde der neue Dokumentarfilm "Der Mann, der Frieden schuf" über Frank Buchman, den Gründer von Initiativen der Veränderung, zum ersten Mal in Europa gezeigt.

"Ich habe durch die Konferenz erkannt, dass wir, egal wie unterschiedlich wir sind, immer eines gemeinsam haben: unsere Menschlichkeit", sagte ein Teilnehmer. "Es ist egal, wie gross diese Unterschiede sind - es gibt immer einen roten Faden, den wir alle gemeinsam haben und den wir als Basis für Dialogarbeit, zum Aufbau von Vertrauen und zur Friedensförderung nutzen können, damit wir unseren Traum von Europa umsetzen können." Ein anderer kommentierte: "Es ist selten, einen Ort zu finden, an dem sowohl Geist und Seele Ruhe finden, wo man nicht verurteilt, sondern akzeptiert und vorbehaltlos geliebt wird. So ein Ort war Caux für mich."

 

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