Junge europäische Musliminne und Muslime als Friedensschaffende

Learning to be a Peace-maker 2018

31/07/2018

Junge Menschen muslimischer und nichtmuslimischer Abstammung aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Spanien, Schweden, der Schweiz, der Türkei und Grossbritannien nahmen im Juli am Kurs Learning to be a Peacemaker im Caux Palace teil.

Als Kursleiter war der in London lebende Imam Ajmal Masroor eingeladen worden. Zu Beginn des Kurses stellte dieser den Teilnehmenden drei Fragen: „Akzeptiert ihr, dass Europa euer Zuhause ist? Nehmt ihr Europäerinnen und Europäer als euer Volk wahr? Seid ihr bereit, alles für das Wohlergehen Europas und seiner Bevölkerung zu tun?“

Und er fuhr fort: „Wenn eure Antwort kein empathisches „Ja“ auf alle drei Fragen ist, ist das ein Problem. Wenn ihr Zweifel daran habt, wohin ihr gehört, ist das ein Problem. Wenn ihr unsicher seid, welche Rolle und Verantwortung ihr gegenüber euren Mitbürgerinnen, Mitbürgern, Nachbarinnen und Nachbarn habt, ist das ein Problem. Musliminne und Muslime sind ein Teil von Europa und Europas Schicksal ist direkt mit europäischen Musliminnen und Muslimen verknüpft.  Sowohl Europäerin oder Europäer als auch Muslimin oder Muslim zu sein ist kein Konflikt an sich. In Europa lebende Musliminne und Muslime haben die Pflicht, einen Beitrag zu Europas Wohlergehen zu leisten. Schwerpunkt dieses Kurses ist es, jungen Musliminnen und Muslimen dabei zu helfen, sich diese Realität zu Eigen zu machen und Denkmuster zu ändern.“

Viele Musliminne und Muslime der zweiten Generation fühlen sich in Europa zwei Spannungsfeldern ausgesetzt. Das eine besteht zwischen der Kultur, in der sie erzogen wurden und den Erwartungen ihrer Eltern, die in anderen Kulturen aufwuchsen. Das andere ist das Gefühl, ihre Religion werde von der Kultur, in der sie zu Hause sind, nicht vorbehaltlos akzeptiert - und damit auch sie selbst nicht.

Der Lösungsansatz von Masroor liegt darin, ihnen Sicherheit sowohl in ihre europäische als auch ihre muslimische Identität durch ein Konzept zu vermitteln, das davon ausgeht, dass Muslimmine und Muslime automatisch auch Friedensschaffende seien, also Menschen, die sich aktiv in die Gesellschaft einbringen und zwischen Menschen vermitteln.

Der fünftägige Kurs konzentrierte sich auf die islamischen Prinzipien der Friedensstiftung sowie die Erarbeitung islamischer Texte und deren Anwendung. Hauptthemen waren der Ansatz des Propheten Mohammeds zur Schaffung von Frieden, islamisches Recht und seine Ziele, die Ethik der Meinungsverschiedenheit, die Charakteristika eines Friedensschaffenden, Krieg und Frieden, Gewalt und Extremismus sowie innerer Friede.

Zusätzliche Abendveranstaltungen, die allen im Caux Palace offen standen, beschäftigten sich mit der Handhabung von Beziehungen, der Entwicklung emotionaler Intelligenz und dem Umgang mit Wut.

Ein Teilnehmer sagte über den Kurs: „Ich habe gelernt, wie ich meine Religion und meine Identität in Einklang bringen kann, ohne mich zwischen ihnen entscheiden zu müssen.“ Ein anderer schrieb: „Es war unglaublich bereichernd, etwas über den friedlichen und liebevollen Kern meiner Religion zu lernen und zu verstehen, was inklusives Unterrichten tatsächlich bedeutet, ganz im Gegensatz zu dem, was ich sonst darüber gehört habe.“ Und ein weiterer erklärte: „Beim Servieren des Abendessens zu helfen war eine tolle Idee, weil es für junge Musliminnen und Muslime wichtig ist, mit den respektvollen und offenen Menschen in Caux zu interagieren und von ihnen gewürdigt zu werden.“ Die grösste Herausforderung wurde von einem Teilnehmer so zusammengefasst: „Wenn man mit sich selbst nicht im Frieden lebt, kann man kein Friedensstifter sein!“

Im Anschluss an den Kurs nahm die komplette Gruppe an der Konferenz Damit Europa kein unvollendeter Traum bleibt teil.

Imam Masroor wurde eingeladen, im nächsten Sommer im Zusammenhang mit der Konferenz "Tools for Changemakers" erneut einen Kurs durchzuführen. Der Kurs ist Teil eines langfristigen Programms mit dem Ziel, viele junge muslimische Friedensschaffende zu Trainerinnen und Trainern auszubilden, um anschliessend den Kurs in verschiedenen europäischen Ländern anzubieten zu können.

Bericht von Peter Riddel

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