Gedenktag für Atomwaffenopfer 2026: Wenn Atomwaffenopfer die Welt warnen, muss die Welt zuhören

Ein Blog von Ignacio Packer, Geschäftsführer von Caux Initiativen der Veränderung

06/03/2026
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Ein Blog von Ignacio Packer, Geschäftsführer von Caux Initiativen der Veränderung

 

Jedes Jahr am 1. März begehen die Marshallinseln den Gedenktag für Atomwaffenopfer, um jener Menschen zu gedenken, die zwischen 1946 und 1958 von Atomtests betroffen waren. In diesem Jahr veranstaltete die Ständige Vertretung der Republik Marshallinseln zusammen mit der Stiftung Caux und dem Ökumenischen Rat der Kirchen am 6. März 2026 im Maison de la Paix in Genf eine Gedenkfeier.

Anlässlich des 72. Jahrestags des Castle Bravo-Atomtests – der stärksten jemals von den Vereinigten Staaten gezündeten Atomwaffe – wurden bei der Veranstaltung in Genf die anhaltenden Folgen der 67 Atomtests auf den Marshallinseln für Mensch, Umwelt und nachfolgende Generationen hervorgehoben. Unter dem Motto „Añin Jitbon Mar” (Spiritueller Ruf unserer Inseln) rief die Gedenkfeier zu globaler Solidarität bei der Bewältigung der Folgen der Atomtests und der Verfolgung nuklearer Gerechtigkeit auf.

Im Anschluss an die Veranstaltung schrieb Ignacio Packer, Geschäftsführer der Stiftung Caux Initiativen der Veränderung, über seine Gedanken über die eindringliche Warnung der Überlebenden der Atomtests und deren Bedeutung für die heutige Welt:

 

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Heute habe ich mehr zugehört als gesprochen.

Es war der Gedenktag für die Opfer von Atomwaffen, bei der Gedenkfeier in Genf am 6. März. Der Raum war nicht mit politischer Rhetorik gefüllt, sondern mit Stimmen, die Erinnerungen transportierten – Erinnerungen an die Atomtests auf den Marshallinseln und an die Generationen, die noch immer mit deren Folgen leben.

Es gibt Momente im internationalen Genf, in denen man erkennt, dass Diplomatie und Menschlichkeit auf sehr persönliche Weise miteinander verflochten sind. Für mich war dies einer dieser Momente.

Zwischen 1946 und 1958 wurden auf den Marshallinseln 67 Atomwaffen gezündet. Für viele von uns gehören diese Zahlen in die Geschichtsbücher. Für die Marshalles.inn.en gehören sie zu ihren Familiengeschichten – zu Krankheiten, zu Ländern, in die sie nie zurückkehren konnten, und zu einer Beziehung zum Meer und zum Land, die tiefgreifend gestört wurde.

Heute haben wir diesen Stimmen zugehört. Und sie sprachen nicht nur über die Vergangenheit.

Sie warnten die Welt.

Es gibt Momente (...), in denen man erkennt, dass Diplomatie und Menschlichkeit auf sehr persönliche Weise zusammenkommen.

Nuclear Victims Remembrance Day 2026
Ignacio Packer bei der Veranstaltung in Genf (Foto: E. Brenot)

 

Ich wurde 1962 geboren, auf dem Höhepunkt der Spannungen um die Berliner Mauer und die Kubakrise, als der Kalte Krieg die Menschheit erschreckend nahe an eine nukleare Katastrophe brachte. Für meine Generation war die nukleare Bedrohung Teil des Hintergrundrauschens unserer Kindheit – etwas, von dem wir hofften, dass es mit dem Ende des Kalten Krieges allmählich verblassen würde.

Eine Zeit lang schien es so, als wäre dies der Fall.

Jüngste Einschätzungen der Vereinten Nationen und führender Forschungsinstitute warnen jedoch davor, dass die Welt möglicherweise in die gefährlichste nukleare Phase seit Jahrzehnten eintritt. Konflikte verschärfen sich, Rüstungskontrollvereinbarungen werden geschwächt und Atomwaffenarsenale weiter ausgebaut.

Allein in der vergangenen Woche haben sich Kriege dramatisch verschärft. Die globalen Spannungen nehmen weiter zu. Die Sprache der Atomwaffen ist in den internationalen Diskurs zurückgekehrt.

Als ich heute den Überlebenden zuhörte, musste ich unweigerlich an die Welt denken, die jüngere und zukünftige Generationen erben werden. Ich bin Vater von drei wunderbaren jungen Erwachsenen, die heute zwischen 27 und 32 Jahre alt sind. Wie viele Eltern hoffe ich, dass sie in einer Welt leben werden, in der die Lehren der Vergangenheit gelernt und nicht vergessen wurden.

Aber Hoffnung allein reicht nicht aus.

Was mich bei der heutigen Gedenkfeier am meisten beeindruckt hat, war die Würde, mit der die Überlebenden gesprochen haben. In ihren Worten lag keine Wut. Stattdessen war Entschlossenheit zu spüren – eine stille Mahnung, dass Atomwaffen keine abstrakten geopolitischen Instrumente sind. Sie sind Instrumente, die Menschen und ganze Ökosysteme unermessliches Leid zufügen können.

Die Überlebenden verstehen diese Realität besser als jeder andere. Und wenn Überlebende sprechen, wird die Menschheit nicht nur dazu aufgefordert, sich zu erinnern, sondern auch daraus zu lernen.

Wenn Überlebende sprechen, wird die Menschheit nicht nur dazu aufgefordert, sich zu erinnern, sondern auch daraus zu lernen.

Nuclear Victims Remembrance Day 2026
Von links nach rechts: Selina Leem, Aktivistin, Nukleare Gerechtigkeit und Klimagerechtigkeit I John Taukave, Pazifische Kulturwissenschaften, Doktorand, Universität Amsterdam I Botschafterin Doreen de Brum, Vertreterin der Marshallinseln in Genf (Fotos: E. Brenot)

 

Ich bin mir zudem bewusst, dass ich diese Worte aus einem privilegierten Teil der Welt schreibe, in dem Frieden und Stabilität oft als selbstverständlich angesehen werden. Doch im Laufe der Jahre hatte ich als humanitärer Helfer das Privileg, Menschen aus vielen Teilen der Welt zu treffen – Gemeinschaften, die Konflikte, Vertreibung, Ungerechtigkeit und aussergewöhnliche Widerstandsfähigkeit erleben.

Diese Begegnungen verändern die Sicht auf die Welt. Sie erinnern daran, dass unser Planet in hohem Masse voneinander abhängig ist. Das Leid einer Region ist niemals wirklich isoliert vom Rest der Menschheit.

Heute, da sich im Nahen Osten ein verheerender Krieg abspielt und an anderen Orten geopolitische Spannungen zunehmen, ist die Warnung der Überlebenden des Atomkriegs schmerzlich aktuell. Ihre Botschaft ist nicht ideologisch. Sie ist zutiefst menschlich.

Erinnert euch daran, was geschehen ist. Versteht die Konsequenzen. Wählt einen anderen Weg.

Bei der Stiftung Caux Initiativen der Veränderung glauben wir, dass Frieden mit dem Mut zum Zuhören beginnt – insbesondere wenn die Geschichten, die wir hören, unsere Komfortzone herausfordern.

Letzten Sommer haben wir in Caux oberhalb von Montreux, im historischen Caux Palace, eine Ausstellung mit Zeichnungen von Kindern aus dem Pazifik gezeigt, die von Atomtests betroffen sind. Mehr als 800 Besucher.innen kamen, um die Ausstellung zu sehen. Viele erfuhren zum ersten Mal von der Geschichte der Marshallinseln.

Kinder drücken die Wahrheit oft mit bemerkenswerter Klarheit aus. Ihre Zeichnungen sprachen von Verlust, aber auch von Hoffnung. Sie erinnerten uns daran, dass Erinnerung zu einer Kraft für Verantwortung werden kann.

Wir glauben, dass Frieden mit dem Mut zum Zuhören beginnt – insbesondere wenn die Geschichten, die wir hören, unsere Komfortzone herausfordern.

Nuclear Victims Remembrance Day 2026 expo Caux 2025
Auszüge aus Bildern von marshallischen Kindern bei der Ausstellung in Caux im Jahr 2025

 

In diesem Jahr feiert die Stiftung Caux ihr das 80-jährige Bestehen und Caux als Ort, der sich der Vertrauensbildung und Versöhnung widmet. In diesen acht Jahrzehnten haben sich Menschen aus aller Welt dort versammelt, um sich mit schwierigen Erlebnissen auseinanderzusetzen und Vertrauen über Grenzen hinweg wiederaufzubauen.

Die Stimmen, die wir heute gehört haben, gehören zu derselben Reise. Es sind keine Stimmen der Anklage. Es sind Stimmen der Warnung – und der Hoffnung.

In einer Welt, in der immer wieder Kriege ausbrechen und das Misstrauen zwischen den Nationen wächst, erinnern uns die Zeugnisse der Überlebenden von Atomwaffen an etwas Wesentliches: Frieden ist nicht einfach die Abwesenheit von Krieg. Er ist das Ergebnis von Entscheidungen, die wir individuell und gemeinsam treffen.

Die Entscheidung, zuzuhören. Die Entscheidung, sich zu erinnern. Die Entscheidung, verantwortungsbewusst gegenüber zukünftigen Generationen zu handeln.

Frieden ist nicht einfach die Abwesenheit von Krieg. Er ist das Ergebnis von Entscheidungen, die wir individuell und gemeinsam treffen.

Nuclear Victims Remembrance Day 2026
Jennifer Philpot Nissen, Menschenrechte und Abrüstung, vom Ökumenischen Rat der Kirchen (Foto: E. Brenot)

 

Als Vater, als Humanist und einfach als Bürger dieses fragilen Planeten kann ich diese Stimmen nicht hören, ohne mir eine einfache Frage zu stellen: In einer Welt, in der Kriege um sich greifen, nukleare Risiken steigen und das Misstrauen zwischen den Nationen wächst - was muss jede.r von uns ijetzt tun, um die Zukunft unserer Kinder zu schützen?

Die Überlebenden der Marshallinseln fordern uns auf, ehrlich über diese Frage nachzudenken. Ihr Appell richtet sich nicht nur an Regierungen.

Er richtet sich an uns alle.

Lesen Sie Ignacios Rede vom 6. März 2026

 

Die Stimmen der Überlebenden fordern uns nicht nur auf, über die Zukunft nachzudenken, die wir gestalten. Sie erinnern uns auch daran, dass Demokratie, Frieden und menschliche Sicherheit Mut, Dialog und Verantwortung erfordern. In diesem Sommer wird das Caux Forum für Demokratie (22. bis 26. Juni) Menschen aus der ganzen Welt in Caux zusammenbringen, um sich mit der Frage von Hoffnung, Heilung und menschlicher Sicherheit auseinanderzusetzen.

Machen Sie mit und seien Sie mit dabei – erfahren Sie mehr und melden Sie sich jetzt an.

 

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Ignacio Packer ist Geschäftsführer der Stiftung Caux Initiativen der Veränderung, einer Schweizer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung von Vertrauen, ethischem Leadership, nachhaltigem Leben und menschlicher Sicherheit einsetzt. Mit über 30 Jahren Erfahrung in der humanitären und Entwicklungsarbeit war er bei der Europäischen Bank für Lateinamerika und anschliessend bei KPMG tätig, bevor er über 25 Jahre lang eine anerkannte Führungsrolle in NGOs und internationalen Allianzen übernahm. Als Experte für Menschenrechte und soziale Fragen setzt er sich insbesondere für den Schutz von Migrant.inn.en und Flüchtlingen, vor allem von Kindern und Jugendlichen, ein.

 

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Gedenktag für Atomwaffenopfer 2025: Aufruf zu Gerechtigkeit und Zusammenarbeit

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Stellenangebot: Geschäftsführer.in für die Stiftung Caux

Caux Palace, Schweiz

26/02/2026
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Caux Palace, Schweiz

 

Was wäre, wenn Sie Ihre Führungsqualitäten in den Dienst einer Vision stellen würden, die auf Vertrauensbildung und Versöhnung basiert und im Mittelpunkt eines symbolträchtigen Zentrums für internationalen Dialog steht? In Erwartung der Pensionierung des derzeitigen Geschäftsführers suchen wir unsere zukünftige Geschäftsleitung.

 

Über die Stiftung Caux

Die Stiftung Caux ist eine private Schweizer Stiftung, die sich für eine friedlichere, gerechtere und nachhaltigere Welt einsetzt, indem sie Vertrauen über Grenzen hinweg fördert. Seit 1946 empfängt sie Menschen unterschiedlicher Kulturen, Hintergründe und Glaubensrichtungen im Caux Palace, einem historischen Veranstaltungsort mit Blick auf Montreux und den Genfer See.

Geleitet von der Überzeugung, dass persönliche Veränderung der Ausgangspunkt für einen umfassenderen gesellschaftlichen Wandel ist, bietet die Stiftung einen einzigartigen Raum für Dialog, Reflexion und Zusammenarbeit – ein Ansatz, den sie als „Hospitality for Change” (Gastfreundschaft für den Wandel) bezeichnet. Als Teil der internationalen Bewegung „Initiativen der Veränderung” spielt die Stiftung Caux eine aktive Rolle im internationalen Genf und fördert Vertrauen, ethisches Leadership und kreative Zusammenarbeit.

 

Ihre Rolle

Der bzw. die Geschäftsführer.in (ED) übernimmt die strategische und operative Leitung auf höchster Ebene und sorgt dafür, dass die Stiftung sowie ihre Vermögenswerte, darunter denCaux Palace und dessen Liegenschaften, ihre Relevanz, Wirkung und langfristige finanzielle Stabilität behalten.

In enger Zusammenarbeit mit dem Vorstand und der Präsidentin leitet der bzw. die ED die Umsetzung einer robusten und nachhaltigen Strategie, die exzellente Leistungen mit finanzieller Disziplin verbindet.

Der bzw. die ED ist eine inspirierende Führungspersönlichkeit, die in der Lage ist, die Stiftung durch ihre nächste Phase des Wachstums, der Diversifizierung und der Erneuerung zu führen, insbesondere durch das Projekt Heritage 2040.

Wenn Sie mehr über diese Stellenausschreibung erfahren möchten, lesen Sie bitte die vollständige Stellenbeschreibung hier.

 

Laden Sie die Stellenbeschreibung auf Französisch herunter

 

Caux Palace Adrien Giovannelli
Foto: Adrien Giovannelli

 

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Gerecht führen: Wo soziale Gerechtigkeit beginnt

Ein Blog von Ignacio Packer, Geschäftsführer Caux Initiativen der Veränderung

19/02/2026
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Ein Blog von Ignacio Packer, Geschäftsführer Caux Initiativen der Veränderung

 

In der heutigen Welt bedeutet führen, sich in einer Welt der Unsicherheit, des raschen Wandels und steigender menschlicher Erwartungen zurechtzufinden. Zwischen wirtschaftlicher Leistung und sozialer Verantwortung spüren viele Führungskräfte eine neue, oft stille, aber sehr reale Spannung. Anlässlich des Internationalen Tages der sozialen Gerechtigkeit und im Anschluss an jüngste Gespräche mit Unternehmensleiter.inne.n in Caux reflektiert Ignacio Packer, Geschäftsführer der Stiftung Caux, darüber, was es in unserer Zeit bedeutet, gerecht zu führen. Eine Einladung, die Rolle von Leadership in einer sich wandelnden Welt aus einer gewissen Distanz zu betrachten.

Am 13. Februar sprachen wir im Caux Palace mit Führungskräften von Unternehmen über ein Paradoxon, das fast schon alltäglich geworden ist: Ihre Unternehmen halten noch durch... aber ihre Teams sind erschöpft.

Am Anfang sprach niemand über KI.

Wir sprachen über schwierige Vorstandssitzungen. Über kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zwar nicht kündigen, aber auch keine Vorschläge mehr machen. Über wirtschaftlich richtige Entscheidungen, die ein diffuses Unbehagen hinterlassen.

Und irgendwann fasste ein Geschäftsführer zusammen, was viele dachten: „Ich muss mein Unternehmen umgestalten, aber ich möchte nicht derjenige sein, der Menschen verletzt. »

Dieser Satz steht für mich im Mittelpunkt des Welttags der sozialen Gerechtigkeit, den wir am 20. Februar begehen. Heute spielt sich soziale Gerechtigkeit nicht mehr nur in Gesetzen oder Umverteilung ab. Sie spielt sich in den täglichen Entscheidungen Tausender Führungskräfte ab. Sie spielt sich in ganz konkreten Entscheidungen ab: umstrukturieren, automatisieren, Stellen abbauen, zusätzliche Anstrengungen verlangen ... oder abwarten.

Heute spielt sich soziale Gerechtigkeit in den täglichen Entscheidungen der Führungskräfte ab.

Blog Ignacio social justice 13 fév 2026
Ignacio Packer (rechts) am 13. Februar mit Führungskräften von KMU im Caux Palace

 

Eine neue stille Verantwortung

Heute erleben viele Führungskräfte dieselbe Spannung. Auf der einen Seite: Kosten, Fachkräftemangel, Marktinstabilität, KI. Auf der anderen Seite: menschliche Erschöpfung, Sinnverlust, brüchiges Engagement. Schweizer Versicherungen bestätigen dies: Erschöpfung ist zu einer der Hauptursachen für Langzeitabwesenheiten geworden.

Aber Führungskräfte haben nicht den Luxus, abzuwarten. Und genau hier vollzieht sich ein tiefgreifender Wandel.

Unternehmen sindnicht mehr nur mit einer Wirtschaftskrise konfrontiert, sondern befinden sich am Scheideweg technologischer, sozialer, ökologischer und menschlicher Veränderungen. In diesem Zusammenhang bedeutet Leadership nicht mehr nur, eine Organisation zu optimieren. Es geht darum, in Zeiten der Unsicherheit Kurs zu halten, ohne dabei Menschen auf der Strecke zu lassen.

 

KI verändert weniger die Arbeit ... als die Rolle der Führungskräfte

Es wird viel darüber gesprochen, was KI ersetzen wird. Aber die eigentliche Frage lautet: Wer trägt die menschliche Verantwortung für die von Maschinen optimierten Entscheidungen? KI wird besser analysieren. Sie wird oft schneller und wirtschaftlich gerechter entscheiden. Aber eine Frage bleibt menschlich:

Ist diese Entscheidung für die betroffenen Personen gerecht?

Die Rolle von Führungskräften wandelt sich damit vom Leistungsmanager bzw. der -managerin zum Architekten oder der Architektin menschlicher Lebenswege.

Führen bedeutet nicht mehr nur, eine Organisation zu optimieren. Es geht darum, in Zeiten der Unsicherheit Kurs zu halten, ohne dabei Menschen auf der Strecke zu lassen.

Blog Ignacio social justice 13 fév 2026
Ignacio Packer (rechts) im Gespräch mit Teilnehmenden der KMU-Veranstaltung

 

Was wir in Caux verstanden haben

Nach mehreren Gesprächen mit Führungskräften wurde eines deutlich: Das Problem ist nicht in erster Linie technischer Natur. Es ist innerlich.

Viele wissen, was zu tun ist, zögern aber, wie sie es tun sollen, ohne Vertrauen zu zerstören. Was fehlt, ist kein Werkzeug. Es ist ein Raum, um klar zu denken. Ein Raum, in dem man aus dem Notfallmodus herauskommen und wieder voll verantwortlich werden kann.

 

Eine Erfahrung, keine Schulung

Aus diesem Grund haben wir mit Chemin 28 ein Immersionsprogramm in Caux vom 28. bis 30. Oktober 2026 konzipiert, um uns mit der Frage zu befassen, wie man im Zeitalter der künstlichen Intelligenz mit Menschlichkeit führen kann.

Diese Entscheidung steht in einer langen Tradition: Seit 1946 ist der Caux Palace ein internationaler Ort des Dialogs und der Reflexion über Ethik, Verantwortung und die Rolle von Entscheidungstragenden. Von den Grundsätzen für Unternehmen, die 1994 vom Runden Tisch von Caux ins Leben gerufen wurden, bis hin zu den aktuellen Programmen zu ethischem Leadership und menschenzentrierter Wirtschaft begleitet dieser Ansatz seit Jahrzehnten diejenigen, die den Menschen als Schlüssel zu nachhaltiger Leistung sehen.

Es geht nicht darum, sich KI anzueignen, sondern zu lernen, wie man Entscheidungen trifft in einem Kontext ständiger Veränderung. Eine Zeit, um wieder zu seinem inneren Kompass zu finden, zu verstehen, was sich weiterentwickeln muss und was geschützt werden muss, Leistung und Würde in Einklang zu bringen und zu transformieren, ohne zu verraten.

Führungskräfte bei diesem Event kommen nicht, um Rezepte zu suchen. Sie kommen, um wieder sich auf Wesentliches zu konzentrieren. Denn im Grunde beruht nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit heute auf einer seltenen Eigenschaft: der Fähigkeit, eine Organisation weiterzuentwickeln, ohne Ungerechtigkeit zu schaffen.

 

Blog Ignacio social justice 13 fév 2026
Die reiche Geschichte des Caux Palace als Ort der Begegnung weitergeben: Ignacio Packer (links) mit Sarah Noble, Olivier Chambovay und einer Teilnehmerin der KMU-Veranstaltung

 

Soziale Gerechtigkeit in der Praxis

Soziale Gerechtigkeit ist kein abstraktes Konzept mehr. Sie kommt zum Tragen, wenn eine Führungskraft Veränderungen ankündigt, ohne zu demütigen, zu automatisieren, ohne aufzugeben, zu reduzieren, zu zersören und ohne zu manipulieren.

In einer Welt, die von vielfältigen Krisen und KI geprägt ist, sollte das Unternehmen ein Ort sozialer Stabilität sein. Und jede Managemententscheidung wird zu einer gesellschaftlichen Entscheidung.

In Caux möchten wir Führungskräften die Möglichkeit geben, Folgendes zu erleben:

  • die Sicherheit eines vertrauensvollen Raums,
  • die Klarheit tiefgründiger Überlegungen,
  • die Hoffnung, die ein klarer Kurs mit sich bringt
  • und die Fähigkeit, konkret zu handeln.

Dann kann Veränderung geschehen.

Es geht nicht darum, netter zu sein, sondern gerechter. Denn es ist dieser innere Anspruch, der es ermöglicht, Unternehmen zu verändern, ohne ihre Leistung oder die Menschen zu opfern.

Eine Überzeugung

Wir treten in eine Zeit ein, in der Maschinen Entscheidungen optimieren werden. Aber der soziale Zusammenhalt wird von jenen abhängen, die ihnen einen Sinn geben. Leadership wird in Zukunft nicht in erster Linie eine technische Kompetenz sein, sondern eine menschliche Verantwortung.

Und vielleicht letztendlich eine zutiefst soziale Verantwortung.

Unsere Veranstaltung „Mit Menschlichkeit führen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz” interessiert Sie? Tauchen Sie ein in die grandiose Naturkulisse des Caux Palace und erkunden Sie mit uns, wie technologische Übergänge bewusst, demokratisch und respektvoll begleitet werden können.

KONTAKTIEREN SIE UNS

 

 

Es geht nicht darum, netter zu sein, sondern gerechter. Denn es ist dieser innere Anspruch, der es ermöglicht, Unternehmen zu verändern, ohne ihre Leistung oder die Menschen zu opfern.

Ignacio Packer

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Ignacio Packer ist Geschäftsführer der Stiftung Caux Initiativen der Veränderung, einer Schweizer Wohltätigkeitsstiftung, die sich für die Förderung von Vertrauen, ethischem Leadership, nachhaltiger Lebensweise und menschlicher Sicherheit einsetzt. Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung im humanitären Bereich und in der Entwicklungszusammenarbeit arbeitete er zunächst bei der Europäischen Bank für Lateinamerika und anschliessend bei KPMG, bevor er seit mehr als 25 Jahren als anerkannter Leiter von NGOs und internationalen Allianzen tätig ist. Als Experte für Menschenrechte und soziale Fragen engagiert er sich insbesondere für den Schutz von Migrant.inn.en und Flüchtlingen, insbesondere von Kindern und Jugendlichen.

 

Fotos: Olivia Chollet & Christophe Koninckx

 

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Geschlechtergleichstellung und Inklusion: Engagement in die Praxis umsetzen

10/02/2026
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„Inklusion geschieht nicht zufällig. Unsere Gender Accountability Champions sorgen dafür, dass sie bewusst umgesetzt wird.“

Mit diesen Worten bekräftigt Ignacio Packer, Geschäftsführer von Caux Initiativen der Veränderung, sein persönliches und organisatorisches Engagement für die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter. Als International Gender Champion engagiert sich Ignacio nicht nur persönlich, sondern auch im Namen der Stiftung Caux und sorgt zudem dafür, dass die Geschlechtergleichstellung in die Planung, Umsetzung und Bewertung der Arbeit der Stiftung einfliesst.

 

Von der Absicht zur breiteren Umsetzung

Im Jahr 2026 wird dieses Engagement entscheidend von ersten Schritten zu einer tieferen, organisationsweiten Praxis übergehen.

Durch geschulte Gender Accountability Champions und einen geschlechtergerechten Moderations - und Facilitationsrahmen werden die Caux Forum-EVents und alle von der Caux Foundation organisierten Veranstaltungen konkrete Gender-Ziele, inklusive Moderationsstandards sowie strukturierte Reflexion und Berichterstattung integrieren.

Die Gleichstellung der Geschlechter sollte kein Zusatz sein, sondern ein Kernelement der Organisationskultur und der gemeinsamen Verantwortung.

Ignacio Packer, Geschäftsführer von Caux Initiativen der Veränderung

Allen eine Stimme geben – Teilnehmerinnen einer Veranstaltung im Caux Palace

 

Auf starken Fundamenten aufbauen

Diese Verpflichtungen für 2026 bauen auf den wichtigen Fortschritten des Jahres 2025 zwei zentralen organisatorischen Engagements auf:

 

Verpflichtung 1: Gender Accountability Champions in jedem Forum und bei allen Events

Im Jahr 2026 werden die Gender Accountability Champions innerhalb unserer Organisationsteams eine zentrale Rolle bei der Verankerung der Gleichstellung der Geschlechter in der Programmgestaltung und -durchführung spielen.

Diese Champions werden:

  • eine gezielte Schulung in geschlechtersensibler Programmgestaltung, Moderation und Berichterstattung erhalten
  • sicherstellen, dass jede Veranstaltung mindestens ein konkretes Ziel zur Gleichstellung der Geschlechter enthält
  • nach jedem Caux Forum oder jedem Event einen kurzen Reflexionsbericht zur Geschlechterinklusion vorlegen, der direkt in die Wirkungsanalysen der Organisation einfliesst

Dieses Führungsmodell verlagert die Verantwortung von einem oder einer einzigen Ansprechpartner.in auf eine gemeinsame Teamverantwortung und unterstützt so eine tiefgreifendere und nachhaltigere organisatorische Transformation.

 

Verpflichtung 2: Ein geschlechtergerechter Moderations - und Facilitationsrahmen

Parallel dazu wird Caux Initiatives of Change weiterhin einen geschlechtergerechten Moderationsrahmen bei allen grösseren Veranstaltungen umsetzen, die im Caux Palace und anderswo in der Schweiz (mit)organisiert oder organisiert werden.

Im Jahr 2026 wird dieser Rahmen Folgendes gewährleisten:

  • Mindestens 50 % geschlechtergerechte Vertretung unter den Moderator.inn.en und Facilitator.inn.en
  • Klare Richtlinien für eine inklusive Sprache
  • Eine strukturierte Feedbackschleife zu den Erfahrungen der Teilnehmenden in Bezug auf geschlechtsspezifische Sicherheit, Teilhabe und Repräsentation

Dieser Rahmen stellt sicher, dass Inklusion sichtbar, messbar und konsequent angewendet wird, was sowohl die Erfahrung der Teilnehmenden als auch die Rechenschaftspflicht der Organisation stärkt.

 

Gender Pledge Geneva 2024
Zusammenarbeit als Netzwerk für mehr Geschlechtergleichstellung: Genfer Erklärung für geschlechtergerechte Klimaschutzmassnahmen 2024

 

Eine gemeinsame Verantwortung für Inklusion

Bei der Stiftung Caux betrachten wir Geschlechtergleichstellung nicht als Nebeninitiative, sondern als Kernbestandteil unserer Arbeitsweise und als praktischen Motor für sinnvolle Veränderungen.

Jeder Schritt zählt. Durch die Führungsrolle unserer Geschäftsleitung, geschulte Gender Accountability Champions und organisationsweite Standards setzen wir uns dafür ein, die Gleichstellung der Geschlechter zu einem gemeinsamen Wert und Standard zu machen, der die Art und Weise prägt, wie wir - gemeinsam - zusammenkommen, führen und mehr Inklusion fördern!

 

Erfahren Sie mehr über unsere Aktivitäten und Events 2026

 

 

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Sayali Powale

Sayali Powale ist eine Marketing- und Kreativfachfrau mit über neun Jahren internationaler Erfahrung in den Bereichen Werbung, Branding und digitale Projekte. Sie hat mit globalen Agenturen und Marken zusammengearbeitet, multidisziplinäre Teams geleitet und Kampagnen auf digitalen, Print- und Erlebnisplattformen gemanagt.

Der lange Weg zurück zum Vertrauen: Lehren aus Davos

Ein Blog von Ignacio Packer, Geschäftsführer von Caux Initiativen der Veränderung

26/01/2026
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Ein Blog von Ignacio Packer, Geschäftsführer von Caux Initiativen der Veränderung

 

Ignacio Packer in Davos January 2026
Ignacio Packer in Davos

Nach seiner Teilnahme an der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos am 22. Januar 2026 reflektiert Ignacio Packer, Geschäftsführer der Stiftung Caux Initiativen der Veränderung, über eine Frage, die ihn am meisten beschäftigt hat: „Kann Vertrauen in der heutigen fragmentierten Welt noch Bestand haben?“ In seinem Blogbeitrag untersucht er, was der Verlust von Vertrauen für Demokratie, Zusammenarbeit und Leadership bedeutet – und wo eine Erneuerung beginnen könnte.

"Ich schreibe dies im Zug auf dem Rückweg vom Weltwirtschaftsforum in Davos, und vor allem ein Wort hallt in meinem Kopf wider: Vertrauen.

Ich bin dieses Jahr aus drei Gründen nach Davos gereist. Erstens ziehe ich Energie aus der schieren Dichte der Gespräche – dem Aufeinandertreffen von Ideen, Erfahrungen und Disziplinen, das anderswo kaum zu finden ist. Ein besonderes Highlight war eine vom Geneva Graduate Institute organisierte Mittagsdiskussion zum Thema Vertrauen, die einem allzu oft leichtfertig verwendeten Begriff eine seltene Tiefe und Ehrlichkeit verlieh.

Zweitens bringt mich Davos mit Menschen zusammen, die ein ganz anderes Leben führen und von anderen Annahmen und Prioritäten geprägt sind. Das erweitert meine Fähigkeit, aufmerksam zuzuhören und Perspektiven zu verstehen, die ich von Natur aus nicht teile.

Drittens wollte ich bei wichtigen Gesprächen über Ernährungssysteme dabei sein, zumal ich gerade dem Global Advisory Committee für den Global Conscious Food Systems Summit beigetreten bin, der später in diesem Jahr in Bhutan unter der Leitung von UNDP-COFSA stattfindet. In einer Zeit zunehmender ökologischer und sozialer Belastungen sind Ernährungssysteme der Bereich, in dem Vertrauen, Macht und menschliche Sicherheit am deutlichsten aufeinandertreffen.

In all diesen Gesprächen gab es ein Thema, das überall präsent war – und nirgendwo als selbstverständlich angesehen wurde: Vertrauen.

Menschen in Führungspositionen äusserten sich in deutlich unterschiedlichen Tonlagen. Einige verwendeten eine unverblümte, sogar respektlose Rhetorik, andere wählten eine ausgewogene Zurückhaltung, um eine Welt zu beschreiben, die von Fragmentierung, geopolitischen Spannungen, technologischen Umbrüchen und demokratischen Belastungen geprägt ist. Was mich am meisten beeindruckte, war nicht nur, was über Vertrauen gesagt wurde, sondern auch, wie sich Führungskräfte verhalten, wenn es fehlt.

Vertrauen wird zunehmend nicht mehr als selbstverständlich angesehen. Es wird gemanagt.

Mächtige Akteure und Akteurinnen setzen auf Einfluss, Druck und transaktionale Rahmenbedingungen, um Zusammenarbeit zu erhalten. Allianzen werden eher durch Sicherheitsvorkehrungen und Redundanz als durch Vertrauen aufrechterhalten. Europa spricht von Einheit, strebt aber stillschweigend nach grösserer Autonomie. Die Wirtschaft wird aufgefordert, als Stabilisator zu fungieren, obwohl das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Institutionen weiter schwindet.

Diese Arrangements mögen kurzfristig das Funktionieren der Systeme aufrechterhalten, aber sie erneuern nicht ihre Legitimität.

Systeme, die in erster Linie durch Druck, Regeln und Transaktionsvereinbarungen zusammengehalten werden, können kein Vertrauen wiederherstellen. Ohne Legitimität wird der Frieden fragil und die Demokratie wird zu einer reinen Formalität. Die Menschen mögen sich fügen, aber sie glauben nicht mehr daran. Mit der Zeit führt dieser Verlust an Vertrauen zu einer Polarisierung, schwächt die Institutionen und erhöht das Konfliktpotenzial.

Aus diesem Grund kann die Frage des Vertrauens nicht als Kommunikationsproblem oder als kleine Anpassung der Regierungsführung behandelt werden. Es ist im Grunde genommen eine menschliche Frage.

Systeme, die in erster Linie durch Druck, Regeln und Transaktionsvereinbarungen zusammengehalten werden, können kein Vertrauen wiederherstellen.

Davos

 

Ein Aufruf zum Handeln – und ein Aufruf zur inneren Entwicklung

Dies ist ein Aufruf an alle, die Einfluss ausüben – einschliesslich der aktuellen US-Regierung und anderer globaler Machtzentren –, mit Integrität zu führen, die Wahrheit auszusprechen, um das zu reparieren, was beschädigt wurde, und den Dialog der Dominanz vorzuziehen. In einer Welt unter Druck ist das strategisch wichtigste Kapital nicht Macht. Es ist Vertrauen.

Der Wiederaufbau von Vertrauen erfordert mehr als institutionelle Reformen. Er erfordert innere Entwicklung – die Fähigkeit zur Selbstreflexion, Verantwortung und moralischem Mut. Ohne diese innere Arbeit greifen externe Systeme unweigerlich auf Kontrolle, Zwang und Leistung zurück.

Hier kommt die Arbeit der Stiftung Caux Initiativen der Veränderung heute besonders zum Tragen.

 

Vertrauen als menschlicher und relationaler Prozess

Seit Jahrzehnten betrachten wir in Caux Vertrauen nicht als Slogan oder Reputationsgut, sondern als einen menschlichen und relationalen Prozess. Wir bieten einen neutralen Boden, auf dem politische, wirtschaftliche und kulturelle Differenzen ehrlich angegangen werden können und wo Zusammenarbeit mit persönlicher Verantwortung und Integrität beginnt (Mehr dazu hier).

In einer Welt, die sich in Richtung einer von manchen als „gesteuerte Interdependenz” bezeichneten Entwicklung bewegt, gewinnen solche Räume immer mehr an Bedeutung. Orte wie derCaux Palace, unser Zentrum für Dialog und Friedensförderung, ermöglichen es den Menschen, sich von Einstellungen und Druck zu lösen, sich über Grenzen hinweg zu begegnen und Beziehungen wieder aufzubauen, die eine echte Zusammenarbeit ermöglichen.

Demokratie scheitert schliesslich nicht nur, wenn Institutionen schwächer werden. Sie scheitert, wenn das Vertrauen zwischen Bürger.inne.n, Führungskräften und Systemen verloren geht.

In einer Welt unter Druck ist das strategisch wichtigste Kapital nicht Macht. Es ist Vertrauen.

Caux Palace Adrien Giovannelli
Der Caux Palace oberhalb von Montreux (Foto: Adrien Giovannelli)

 

Caux als Treffpunkt, um Vertrauen wiederaufzubauen

Aus diesem Grund veranstaltet die Stiftung Caux vom 22. bis 26. Juni 2026 ihr jährliches Caux Forum für Demokratie, das mit einer feierlichen Zeremonie im Maison de la Paix in Genf eröffnet wird. Das Forum schafft einen Raum, um Demokratie wiederzubeleben, Hoffnung zu erneuern, Heilung zu fördern und menschliche Sicherheit über Sektoren und Generationen hinweg zu stärken.

Da Vertrauen ein zutiefst menschliches Gut ist, wird Caux vom 13. bis 17. Juli 2026 zudem auch das Caux Forum für innere Entwicklungsziele unter dem Motto „Die Alchemie der Vergebung” veranstalten. Dieses Forum stellt bewusst Vergebung und innere Entwicklung in den Mittelpunkt von Leadership und Systemwandel, um die persönlichen Grundlagen für Frieden, Resilienz und demokratische Kultur zu stärken. Es unterstützt den schwierigen, aber notwendigen Übergang von Konformität zu Gewissenhaftigkeit, von Polarisierung zu Wiedergutmachung und von performativer Zusammenarbeit zu dauerhafter Legitimität.

Die Frage, die ich Davos hinterlasse, lautet also nicht nur: Kann Vertrauen noch Bestand haben? Sie lautet: Was sind wir bereit zu tun, um es wieder aufzubauen?

Vertrauen kehrt nicht allein durch Erklärungen oder Foren zurück. Es kehrt zurück, wenn Führungskräfte, Institutionen, Unternehmen und Bürger.innen bereit sind, Zeit, Mut und Offenheit zu investieren, um Beziehungen wiederaufzubauen, über Gräben hinweg einander zuzuhören und Macht mit Verantwortung in Einklang zu bringen.

 

Zusammengehörigkeit bedeutet Arbeit

Dies ist eine Einladung, aus einer kontrollierten Koexistenz herauszutreten und in eine bewusste Zusammengehörigkeit einzutreten. Caux bietet einen Ort, an dem genau das möglich ist – nicht als Zuschauer.in, sondern als Teilnehmer.in. Nicht um den Niedergang zu bewältigen, sondern um Legitimität zu erneuern.

Die Arbeit des Wiederaufbaus von Vertrauen kann nicht aufgeschoben werden, und sie kann nicht alleine geleistet werden. Sie beginnt überall dort, wo wir uns entschliessen, präsent zu sein, uns ehrlich zu engagieren und Verantwortung für eine Zukunft zu übernehmen, die wir gemeinsam gestalten.

Sie alle sind in Caux herzlich willkommen.

Vertrauen kehrt nicht allein durch Erklärungen oder Foren zurück. Es kehrt zurück, wenn wir bereit sind, Zeit, Mut und Offenheit zu investieren, um Beziehungen wiederaufzubauen, über Gräben hinweg einander zuzuhören und Macht mit Verantwortung in Einklang zu bringen.

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Entdecken Sie alle Veranstaltungen des Caux Forums 2026 und machen Sie mit!

 

 

 

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Olivier Chambovay

Als erfahrener Schweizer Manager verfügt Olivier Chambovay über mehr als 25 Jahre Erfahrung in den Bereichen Governance, Strategie und bewusste Führung. Als ehemaliger Verwaltungs- und Finanzdirektor des Institut Central des Hôpitaux du Valais (ca. 600 Mitarbeiter) steuerte er die institutionelle Leistung, leitete wichtige bereichsübergreifende Projekte und führte ein Konzept der bewussten Unternehmensführung ein (geteilte Unternehmensführung, Team-Charta, Schulungen zu Feedback, positiver Fehlerkultur und Nachhaltigkeit).

Aline Zingaro

Aline Zingaro wuchs unweit von Lausanne auf und lebt seit zwölf Jahren an der Waadtländer Riviera, einer Region, die sie besonders liebt. Sie hat es schon immer genossen, administrative Arbeit mit sozialem Engagement zu verbinden, und ist daher mit Freude dem Team der Stiftung Caux beigetreten, die Werte vertritt, die ihr am Herzen liegen. Menschliche Beziehungen und die Qualität der Arbeit stehen für sie im Mittelpunkt.

Olivia Chollet

Olivia Chollet hat einen Bachelor-Abschluss in Internationalen Beziehungen der Universität Genf, einen Master-Abschluss in Asien-Pazifik-Studien der Universität London (SOAS) und ein Zertifikat für höhere Studien in Politikwissenschaft der Australian National University. Derzeit absolviert sie nebenberuflich einen Master in Grundlagen und Praktiken der Nachhaltigkeit an der Universität Lausanne.

Stellenangebot: Praktikant.in als Kommunikationskoordinator.in

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Dieses Praktikum (100 %, Standort Genf) ist Teil unserer globalen Engagementstrategie, wobei der Schwerpunkt auf unseren wichtigsten Veranstaltungen im Sommer liegt: dem Caux Forum (Juni/Juli) und den Begegnungen von Caux zu Kunst und Frieden (Mai).

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