"Die Ukraine und unsere Kinder erwartet eine grosse Zukunft!"

Ein Caux Refuge-Interview von Anastasia Slyvinska

04/05/2022
Featured Story
Off
Ein Caux Refuge-Interview von Anastasia Slyvinska

 

Dieser Artikel ist das dritte Interview in einer Reihe von Gesprächen mit Menschen, die vom Krieg in der Ukraine betroffen sind und im Caux Konferenz- und Seminarzentrum in der Schweiz eine vorübergehende Unterkunft gefunden haben.

 

Bevor der Krieg in der Ukraine ausbrach, arbeitete Nadia Donos in ihrem Traumberuf als Lehrerin für ukrainische Sprache und Literatur und hat im Laufe ihrer Karriere schon zahlreiche Projekte im Bildungsbereich erfolgreich umgesetzt.

Auch nach fast zwei Jahrzehnten Lehrtätigkeit bildet sie sich weiter und engagiert sich für den lebenslangen Lernprozess jedes Menschens. Als Absolventin der Kyiv-Mohyla Business School und des Programms School of Educational Managers ist sie Mitinitiatorin eines Kurses für Kinder und Jugendliche, hat Lehrerhandbücher für das Programm Leader in Me herausgegeben sowie Schulungen und Workshops in ihrer Heimatstadt Poltava in der Zentralukraine durchgeführt.

Als Kind konnte sich Nadia nicht vorstellen, etwas anderes als Lehrerin zu werden. Dieser Traum und ihr friedliches Familienleben in Poltawa wurden durch die russische Invasion jäh unterbrochen, als sie mit ihrer 17-jährigen Tochter aus der Ukraine fliehen musste, während ihr Mann zurückblieb.

Nadia, die jetzt im Caux Refuge lebt, unterrichtet weiterhin vollzeitlich Kinder in der Ukraine online und beginnt demnächst als ehrenamtliche Lehrerin für ukrainische Flüchtlingskinder in Genf.

 

Nadia Donos (credit: Sophia Donos)
 
Nadia während einer Online-Unterrichtsstunde in der Villa Maria in Caux (Foto: Sophia Donos)

 

Nadia, unter welchen Umständen haben Sie und Ihre Tochter beschlossen, Ihre Heimatstadt zu verlassen?

Nadia: Meine Tochter und ich verliessen Poltawa Anfang März. Uns war klargeworden, dass es zu gefährlich geworden war, dort zu bleiben. Es gab ständig Luftalarm und fast keine Möglichkeit, normal zu unterrichten und zu studieren. Wir verbrachten jede Nacht im Keller der Schule, weil es zu beklemmend war, in dem Hochhaus zu bleiben, in dem wir wohnten. Also beschlossen wir schliesslich, die Schule zu verlassen... Zuerst gingen wir nach Polen und dann nach Caux in der Schweiz.

 

Wie sind Sie nach Caux gekommen? Kannten Sie hier schon jemanden?

Nadia: Mein Mann Leonid engagiert sich aktiv bei Initiativen der Veränderung. Er war schon mehrmals an Konferenzen in Caux (2017 - 2019) und kennt viele Leute hier. Es ist Initiativen der Veränderung und diesen Freunden zu verdanken, dass meine Tochter Sophia und ich jetzt hier sind. Natürlich sind wir sehr dankbar für all die Hilfe und Koordination, die Initiativen der Veränderung geleistet hat. Ohne dies wäre es sehr schwer für uns.

 

Arbeiten Sie weiterhin online?

Nadia: Ja, ich arbeite immer noch Vollzeit und gebe Online-Kurse für Kinder in der Ukraine.

 

Was ist die grösste Motivation für Sie als Lehrerin in Zeiten des Krieges?

Nadia: Es ist eine Herausforderung. Die Kinder machen sehr schwierige Momente durch. Aber diese Kinder, ihre Träume und Perspektiven sind meine grösste Motivation. Jetzt stehen jeder Ukrainer und jede Ukrainerin an der eigenen persönlichen Frontlinie und muss herausfinden, was er oder sie am besten kann. Während sie lernen, führen unsere Kinder und Lehrkräfte einen wichtigen Kampf um die Zukunft des Landes. Und diese Zukunft wird uns niemand nehmen können, auch nicht die russische Armee. Ich bin überzeugt, dass die Ukraine und unsere Kinder eine grosse Zukunft erwartet und die ganze Welt wird davon erfahren! Wir werden also nicht aufhören!

 

View from Villa Maria, 2022 (photo: Anastasia Slyvinska)
Blick von der Villa Maria in Caux, in der das Caux Refuge-Projekt untergebracht ist (Foto: Anastasia Slyvinska)

 

Setzt Ihre Tochter Sophia ihr Studium online fort? Oder ist sie auf der Suche nach einem Studienplatz hier in der Schweiz?

Nadia: Sophia studiert derzeit online mit ukrainischen Lehrkräften, wird aber in etwa einer Woche in Lausanne die Schule beginnen. Caux und seine malerische Umgebung gefallen ihr sehr gut. Ich wünschte nur, sie hätte nicht unter so schrecklichen Bedingungen die Chance gehabt, an diesen schönen Ort zu kommen...

 

Nadia Donos (credit: Sophia Donos)
 
Nadia beim Online-Unterricht (Foto: Sophia Donos)

Sprechen Sie mit Ihren Schülerinnen und Schülerin und Ihrer eigenen Tochter über den Krieg?

Nadia: Ich vermeide es überhaupt nicht, mit den Kindern über den Krieg zu sprechen. Wir sprechen über die aktuelle Situation und ihre Erfahrungen. Meiner Meinung nach haben wir als Lehrende die Möglichkeit, Spannungen und Angstgefühle abzubauen, Vertrauen zu unseren Schülerinnen und Schülerin aufzubauen und sie zu stärken. Das ist in solch schwierigen Zeiten sehr wichtig.

 

Es scheint, dass das Unterrichten Ihre Berufung ist. Wollten Sie schon immer Lehrerin werden?

Nadia: Lehrerin... Dieses Wort war schon immer mit meinem Kindheitstraum verbunden. Ich konnte mir nie vorstellen, einen anderen Weg im Leben einzuschlagen. Als ich klein war, habe ich immer so getan, als wäre ich Lehrerin, habe die hochhackigen Schuhe meiner Mutter angezogen, einen Schal um die Schultern gelegt, trug Hefte und die Lehrbücher meines Vaters mit mir herum, die ich aus unserem alten Dachboden geholt hatte. All das war ein Teil meines Kindheitstraums. Meine "Schüler" waren meine Grossmutter und ihre älteren Freundinnen, die häufig bei uns zu Hause zu Gast waren. Ich zog es vor, sie zu unterrichten, während meine Altersgenossinnen mit Puppen spielten. Ich erinnere mich, dass meine Mutter einmal fragte, was sie mir aus der Stadt mitbringen sollte. Ich antwortete: "Einen roten Stift! Und es muss ein schöner Stift sein! Ich will schön in die Hefte meiner Schüler schreiben, denn ich bin Lehrerin!'

 

Ihr Traum ist also in Erfüllung gegangen!

Nadia: Auf jeden Fall! Es war von Anfang an klar, dass ich mich dafür entscheide. Und mein Traum ist wahr geworden: Ich bin Lehrerin! Trotz der Umstände bin ich stolz darauf, dass ich unterrichten und mich weiterbilden kann. Und jetzt bin ich motivierter denn je!

 

Wie motivieren Sie Kinder unter solch schwierigen Umständen zum Lernen?

Nadia: Während alle noch darüber diskutierten, welches Umfeld Kinder zum Lernen motivieren könnte, haben wir es mit einer Online-Schule namens DONOschool bereits geschafft. Auf die Idee, einen solchen Raum zu schaffen, kam ich nach meinem Studium an der Kyiv-Mohyla Business School. Vor dem Krieg war DONOschool ein Bildungszentrum in Poltawa und seit dem Ausbruch des Krieges arbeiten wir vollständig online. Wir sind ein Team, das neue Ansätze für eine moderne Bildung entwickelt und umsetzt. Wir unterstützen die europäische Integration der Ukraine und tun alles, um Bildung menschlich zu gestalten.

 

Was sind die wichtigsten Ziele und Aufgaben Ihrer Schule?

Nadia: Wir bereiten Kinder auf die Schule und Gymnasiastinnen und Gymnasiasten auf unabhängige externe Prüfungen vor, um ihnen die Zulassung zur Universität zu ermöglichen. Wir unterrichten die ukrainische Sprache, Geschichte und Mathematik in Gruppen von bis zu 6 Schülerinnen und Schülern. Darüber hinaus geben wir Meisterkurse zur Entwicklung von Führungspotenzials bei Kindern und organisieren Beratungen mit qualifizierten Psychologinnen und Psychologen. Mehr denn je helfen solche Online-Kurse, Meisterklassen und Beratungen den Kindern, ihr Selbstvertrauen zu stärken und ihr Potenzial zu entwickeln, um ihre Träume zu verwirklichen.

 

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Nadia: Wie ich bereits gesagt habe, stehen wir alle an vorderster Front, sei es als Lehrende oder medizinisches Personal, als Koch oder Köchin oder Unternehmende. Neben dem Online-Unterricht werde ich ab nächster Woche als ehrenamtliche Lehrerin in Genf arbeiten. Ich werde Kinder in ukrainischer Sprache und Literatur unterrichten und kann es kaum erwarten, meine neuen Schülerinnen und Schüler kennenzulernen!

 

 

Über die Autorin

Anastasia Slyvinska

Anastasia Slyvinska ist Journalistin aus Kiew, Ukraine. Sie hat als TV-Moderatorin, Auslandsreporterin und Managerin für Medienunternehmen in der Ukraine und im Ausland gearbeitet. Da sie sowohl im ukrainischen als auch im kanadischen Parlament gearbeitet hat, kombiniert sie ihre Medienerfahrung mit ihrem politikwissenschaftlichen Hintergrund. Anastasia ist seit 2014 Teil der IofC-Gemeinschaft, als sie zum ersten Mal an der Konferenz Just Governance for Human Security teilnahm. Derzeit hält sie sich in Caux auf.

 

 

 

__________________________________________________________________________________________________________

 

 

Initiativen der Veränderung Schweiz hat sich immer zum Ziel gesetzt, einen sicheren Ort für Menschen in Not zu schaffen. Das Caux Refuge-Projekt wird schätzungsweise 27'000 CHF/Monat kosten. In den letzten Tagen wurden bereits 18 Menschen, die vom Krieg in der Ukraine betroffen sind, in Caux aufgenommen, weitere werden bald folgen. Sie können das Caux Refuge-Projekt hier unterstützen:

 

JETZT SPENDEN

 

 

Bitte beachten Sie, dass die in diesen Artikeln geäusserten Meinungen die Ansichten der Befragten widergeben und nicht unbedingt die Meinung des Interviewers, der Interviewerin oder von Initiativen der Veränderung Schweiz widerspiegeln.

 

Foto oben: Véronique Sikora

Event Categories
Caux Refuge Project
Job Offer
Off

zum gleichen Thema

Anatolii and Tetiana Ukraine interview 2

"Wir hatten unglaubliches Glück!"

Über eine Woche lang lebten Anatolii, Tetiana und ihre drei Söhne ohne Strom, Heizung und Wasser bei eisigen Temperaturen in dem Dorf Horenka in der Nähe von Kiew. Nach einer langen Reise durch die Uk...

Alena and Olena interview Caux Refuge

"Das Licht wird die Dunkelheit besiegen"

Entdecken Sie den ersten Artikel einer Interview-Reihe der ukrainischen Journalistin Anastasia Slyvinska mit Menschen, die vom Krieg betroffen sind und in unserem Konferenzzentrum in Caux eine vorüber...

Caux Refuge project square DE

Flüchtlinge und Asylbewerbende in Caux

Als Reaktion auf den Krieg in Osteuropa hat Initiativen der Veränderung Schweiz beschlossen, in der Villa Maria (neben dem Caux Palace) Platz für bis zu 30 Personen zu schaffen, die in den letzten Tag...

Ukraine map (credit: Canva)

Wir sind solidarisch

Wir verurteilen aufs Schärfste die gegenwärtigen einseitigen militärischen Angriffe in der Ukraine, die Leben kosten und zerstören und das aktuelle Völkerrecht verletzen. Wir sind solidarisch mit alle...


Stellenangebot: Vielseitige/r Techniker/in (100% in Caux, Schweiz)

03/05/2022
Featured Story
Off

 

Initiativen der Veränderung Schweiz sucht eine/n vielseitig ausgebildete/n Techniker/in (100% in Caux, Schweiz), der/die für den täglichen Unterhalt des gesamten Caux Palace verantwortlich sein wird. Diese Festanstellung erfordert ein hohes Mass an Teamarbeit in einem kleinen Team von 6 Personen in einer idyllischen und historischen Umgebung.

 

Für weitere Informationen können Sie hier das PDF herunterladen

 

Topics
job offer
Job Offer
Off

"Wir hatten unglaubliches Glück!"

Ein Caux Refuge-Interview von Anastasia Slyvinska

27/04/2022
Featured Story
Off
Ein Caux Refuge-Interview von Anastasia Slyvinska

 

Dieser Artikel ist das zweite Interview in einer Reihe von Gesprächen mit Menschen, die vom Krieg in der Ukraine betroffen sind und im Caux Konferenz- und Seminarzentrum in der Schweiz eine vorübergehende Unterkunft gefunden haben.

Über eine Woche lang lebten Anatolii, Tetiana und ihre drei Söhne ohne Strom, Heizung und Wasser bei eisigen Temperaturen in dem Dorf Horenka in der Nähe von Kiew. Nach einer langen Reise durch die Ukraine und die EU kamen sie nun in Caux zur Ruhe.

Mittlerweile gehen die Jungen auf eine lokale Schule, sie spielen und lachen wieder und Anatolii und Tetiana sagen, dass sie sich nicht mehr wünschen könnten.

 

__________________________________________________________________________________________________________

 

 

Wie hat der Krieg in der Ukraine für Ihre Familie begonnen?

Anatoli: Alles begann in den ersten Minuten des ersten Tages, am 24. Februar um 4 Uhr morgens. Es kamen Hubschrauber. Manche Leute sagen, es seien etwa 30 gewesen. Um 9 Uhr standen drei von ihnen in Flammen, ganz in der Nähe unseres Hauses. Das war der Beginn des Krieges.

 

Waren Sie mit Ihren Kindern zu Hause, als die russische Armee angriff?

Anatolii: Ja, wir haben von zu Hause aus gearbeitet, also waren wir mit den Kindern dort. Es war beeindruckend zu sehen, wie die Hubschrauber abgeschossen wurden. Dann kamen ukrainische Hubschrauber und begannen, über unseren Wald zu fliegen, um Hostomel, die Stadt und den Flughafen nordwestlich von Kiew zu schützen. Das alles war sehr laut. Wir sahen feindliche Kampfhubschrauber vom Typ MI-24 und K-52.

 

Sie kannten also schon den Unterschied?

Anatolii: Ja, aus den Erfahrungen der letzten acht Jahre. Ihre Hubschrauber sind auch viel lauter. Am ersten Tag waren es nur Kampfhubschrauber. Aber am nächsten Tag schlug der Artilleriebeschuss 200 oder 300 Meter entfernt von unserem Haus ein. Ich glaube, es war eine Haubitze, aber ich weiss es nicht genau. Einige Leute waren neugierig – und es endete schlecht für sie.

Tetiana: Ja, also sind wir nicht hingegangen, um nachzusehen. Der Strom und die Heizung wurden am selben Tag abgestellt. Es gab auch kein Wasser mehr. Es war eiskalt.

 

Anatolii and Tetiana Ukraine interview 2
Anatolii und Tetiana (links) mit ihren drei Söhnen in Caux (Foto: Anastasia Slyvinska)

 

Wann haben Sie gemerkt, dass die Situation eskaliert war? Wann haben Sie daran gedacht, zu fliehen?

Anatolii: Tetiana wollte überhaupt nicht gehen.

Tetiana: Ich hatte gehofft, dass die russischen Truppen, selbst wenn sie angreifen sollten, der Hostomel-Autobahn folgen würden. Aber dann sprengte die ukrainische Armee die Hauptbrücke von Irpin, sodass die Russen nicht mehr darüber angreifen konnten. Sie versuchten fünf Mal, eine kleine Brücke über Moschun, ein Dorf in der Nähe von Kiew, zu sprengen, aber sie wurde nicht zerstört, sodass die Russen sie benutzen konnten. Sie zerstörten Moschun und machten in unserem Dorf weiter. Die Strassen im Dorfzentrum brannten alle.

 

Die Gegend, in der Sie lebten, war also von Anfang an unter Beschuss?

Tetiana: Sie begannen in der ersten Woche allmählich mit Artilleriebeschuss. Zuerst waren es drei Häuser, dann mehr.... Am 3. März, glaube ich, brannte unser Industriegebiet bereits. Der ganze Horizont war rot vor Flammen.

 

Hatten Sie den Krieg vorausgesehen und irgendwelche Vorbereitungen getroffen?

Anatolii: In den ersten Tagen organisierten wir eine lokale Selbstverteidigungsgruppe. Sogar die Kinder unserer Gemeinde unterstützten uns beim Aufbau des Kontrollpunkts. Unsere drei Jungen halfen, Reifen von unserem Hof zu holen, um ihn zu bauen. Es waren etwa 15 Männer, die sich selbst organisierten. Wir bauten tschechische Igel (eine statische Panzerabwehr aus Metall-Winkelträgern) und stellten einen Dienstplan auf. Aber wir hatten nur ein Jagdgewehr und eine Luftdruckwaffe zur Verfügung.

Tetiana: Wir hatten also keine Waffen, um uns zu verteidigen. Unsere Gemeinde traf der Krieg völlig unvorbereitet. Nichts war vorbereitet, absolut nichts. Wir hatten keinen Evakuierungsplan.

 

Villa Maria photo: Ulrike Ott Chanu
Die Villa Maria im Konferenz- und Seminarzentrum von Caux, wo die Familie aufgenommen wurde (Foto: Ulrike Ott Chanu)

 

Wie und wann haben Sie sich für die Flucht entschieden?

Anatolii: Es hat eine Weile gedauert, bis uns klar war, dass wir fliehen müssen.

Tetiana: In den ersten acht Tagen gab es Beschuss, aber nicht ständig. Aber als wir die ganze Zeit den Beschuss hörten – buh-buh-buh-buh – haben wir verstanden, dass... (Tetianas Stimme bricht).

Anatolii: Ich ging zum Krankenhaus, um zu helfen. Das zentrale Militärkrankenhaus war bereits voll und konnte den Zustrom von Verletzten nicht mehr bewältigen. Und in der privaten Entbindungsklinik Leleka wurden die Verletzten behandelt. Bei dem ersten Kampf wurden acht Männer verletzt und zwei getötet. Ich habe das alles mit eigenen Augen gesehen und geholfen, so gut ich konnte.

Tetiana: Schon damals hofften wir, dass die Ukrainer sie aus der Kiewer Region vertreiben würden. Ich hatte das Gefühl, dass unserem Haus nichts passieren würde, solange ich blieb. Aber dann, nach einer Woche, begriff ich, dass das keine gute Idee war. Ich wusste, dass wir zuerst unsere Kinder retten und das Haus vergessen mussten.

 

Was geschah dann? Sind Sie mit dem Auto weggefahren?

Anatolii: Zuerst nur Tetiana mit den Kindern, nicht ich. Ich bin bei unseren Kaninchen geblieben. (Tetiana und Anatolii lachen.) Ich hatte Dienst an unserem örtlichen Kontrollpunkt. Ich habe gesehen, wie sie Pion-Haubitzen eingesetzt haben. Ein unvergesslicher Anblick – es sah aus wie eine kleine Atomexplosion. Es gab danach keine Leichen, weil die Temperaturen so hoch waren. Alles war zu Asche verbrannt.

Tetiana: Ich habe eine Nacht mit den Kindern in unserer kleinen Wohnung in Kiew verbracht und wir sind am nächsten Morgen um 7 Uhr aufgebrochen. Ich hatte keinen Plan, ausser dass ich nach Westen fahren wollte. Ich hatte kein bestimmtes Ziel im Kopf: Wohin auch immer ich fuhr, es war in Ordnung. Ich war in meinem ganzen Leben noch nie länger als eine Stunde gefahren. Ich weiss nicht, woher ich die Energie nahm, von 7 Uhr morgens so lange zu fahren, bis es zu dunkel wurde, um weiterzufahren. Da waren wir schon in Winnyzja.

 

Anatolii, haben Sie nach der Abreise Ihrer Familie weiter Freiwilligenarbeit geleistet?

Anatolii: Es gab noch viele Menschen, die beschlossen hatten, in Horenka zu bleiben. Selbst als viele Häuser in Schutt und Asche gelegt waren, dachten die Menschen, dass die Russen nur den Weg entlang der Warschauer Strasse freimachten, über die sie einen Angriff planten.

In dieser Zeit evakuierte ich die Nachbarn, die in unserem Dorf geblieben waren. Das Problem war nicht die Evakuierung selbst, das Problem war, wohin? Eine Familie habe ich in unsere Wohnung in Kiew gebracht, wo sie immer noch lebt. Ich hoffe, dass sie dort in Sicherheit sind. Zwei andere Familien habe ich zu ihren Familien gebracht. Aber dann begannen die Russen, alle sich bewegenden Objekte zu beschiessen, und es war nicht mehr sicher, weiterzufahren. Ich habe viele Autowracks in den Dörfern gesehen und es gibt auch eine Menge Fotobeweise aus Horenka. Rückblickend hatte ich einfach unglaubliches Glück.

 

Wissen Sie, ob Ihr Haus heute noch steht?

Anatolii: Es hat keine Fenster mehr, aber es ist noch da. Wir haben grosses Glück, denn die Bombe hat einen Teil des Nachbarhauses zerstört. Die Schule unserer Kinder wurde niedergebrannt.

 

In welches EU-Land wollten Sie ursprünglich gehen?

Anatolii: Auch hier gab es keinen Plan. Tetiana war auf dem Weg nach Rumänien. Bevor wir wieder zusammenkamen, hatte ich 36 Stunden am Stück nicht geschlafen.

 

Anatolii and Tetiana Ukraine interview 2
Zwei der drei Jungen spielen in Caux (Foto: Anastasia Slyvinska)

 

Wie haben die Kinder das alles erlebt? Konnten Sie ihnen erklären, was passiert ist? Wie haben Sie sich mit ihnen beschäftigt?

Tetiana: Vielleicht werden wir in der Zukunft die Folgen sehen. Wir haben ihnen überhaupt nichts erklärt.

Anatolii: Als wir noch zu Hause waren, gab es zwei Hauptaufgaben: Brennholz hacken, um das Haus zu heizen, und Mahlzeiten kochen. Ich war die meiste Zeit am Kontrollpunkt, es gab ständigen Artilleriebeschuss. Wir konnten uns nicht im Keller verstecken, weil unser Haus in einem sumpfigen Gebiet liegt. Die Kinder beschäftigten sich selbst. Die meiste Zeit versuchten sie nur, sich warm zu halten. Der Älteste half beim Hacken von Brennholz. Als wir in der EU ankamen, waren wir die ganze Zeit in Bewegung. Sie schliefen die meiste Zeit im Auto, weil sie so erschöpft waren. Sie haben nicht einmal gefragt, wohin wir fahren.

Tetiana: Wahrscheinlich wussten sie nur, dass es in der Ukraine Bomben und Schiessereien gab und hier nicht. Das hat ihnen gereicht. Sie zeigten keine Anzeichen von grosser Angst oder Stress, und das war eine Hilfe. Ich weiss nicht, wie wir überhaupt irgendwohin gekommen wären, wenn sie geweint hätten. Auf dem Weg in die Schweiz haben wir uns viele Male verfahren. Aber im Vergleich zu dem, was wir in der Ukraine durchgemacht haben, war das nichts.

Anatolii: Wir hatten sehr viel Glück.

 

Anatolii and Tetiana Ukraine interview 2
Die Jungs sind bereits Mitglieder eines lokalen Badmintonvereins (Foto: Anatolii)

 

Ist es Ihnen gelungen, Ihre Kinder in einer Schule in der Nähe von Caux unterzubringen?

Anatolii: Ja, die Schule hier ist fantastisch. Sie haben eine spezielle Klasse mit fünf Jungen, einem Lehrer und einem Übersetzer organisiert.

Tetiana: Die Jungs lieben Badminton und es gibt ein wunderbares Zentrum in Lausanne.

 

Wie war Ihr Empfang in Caux?

Tetiana: Wir sind sehr froh, dass wir hier in Caux so freundlich aufgenommen wurden. Wir hatten sehr begrenzte Mittel und keine Ahnung, was wir tun würden. Nach diesen acht Tagen in der Ukraine ohne Licht und Strom, mit nichts, ist es hier wie im Paradies.

Anatolii: Mit so einem Empfang haben wir überhaupt nicht gerechnet. Wir möchten uns bei allen von IofC Schweiz bedanken, die bei unserer Ankunft die Organisation übernommen und uns geholfen haben, unsere Kinder in die Schule zu bringen. Sie haben unseren Kindern wirklich eine Chance gegeben!

 

Über die Autorin

Anastasia Slyvinska

Anastasia Slyvinska ist Journalistin aus Kiew, Ukraine. Sie hat als TV-Moderatorin, Auslandsreporterin und Managerin für Medienunternehmen in der Ukraine und im Ausland gearbeitet. Da sie sowohl im ukrainischen als auch im kanadischen Parlament gearbeitet hat, kombiniert sie ihre Medienerfahrung mit ihrem politikwissenschaftlichen Hintergrund. Anastasia ist seit 2014 Teil der IofC-Gemeinschaft, als sie zum ersten Mal an der Konferenz Just Governance for Human Security teilnahm. Derzeit hält sie sich in Caux auf.

 

 

 

__________________________________________________________________________________________________________

 

 

Initiativen der Veränderung Schweiz hat sich immer zum Ziel gesetzt, einen sicheren Ort für Menschen in Not zu schaffen. Das Caux Refuge-Projekt wird schätzungsweise 27'000 CHF/Monat kosten. In den letzten Tagen wurden bereits 18 Menschen, die vom Krieg in der Ukraine betroffen sind, in Caux aufgenommen, weitere werden bald folgen. Sie können das Caux Refuge-Projekt hier unterstützen:

 

JETZT SPENDEN

 

 

Bitte beachten Sie, dass die in diesen Artikeln geäusserten Meinungen die Ansichten der Befragten widergeben und nicht unbedingt die Meinung des Interviewers, der Interviewerin oder von Initiativen der Veränderung Schweiz widerspiegeln.

 

Event Categories
Caux Refuge Project
Job Offer
Off

zum gleichen Thema

Nadia Donos (credit: Sophia Donos)

"Die Ukraine und unsere Kinder erwartet eine grosse Zukunft!"

Bevor der Krieg in der Ukraine ausbrach, arbeitete Nadia Donos in ihrem Traumberuf als Lehrerin für ukrainische Sprache und Literatur. Heute lebt sie in der Caux Refuge und arbeitet weiterhin online....

Alena and Olena interview Caux Refuge

"Das Licht wird die Dunkelheit besiegen"

Entdecken Sie den ersten Artikel einer Interview-Reihe der ukrainischen Journalistin Anastasia Slyvinska mit Menschen, die vom Krieg betroffen sind und in unserem Konferenzzentrum in Caux eine vorüber...

Caux Refuge project square DE

Flüchtlinge und Asylbewerbende in Caux

Als Reaktion auf den Krieg in Osteuropa hat Initiativen der Veränderung Schweiz beschlossen, in der Villa Maria (neben dem Caux Palace) Platz für bis zu 30 Personen zu schaffen, die in den letzten Tag...

Ukraine map (credit: Canva)

Wir sind solidarisch

Wir verurteilen aufs Schärfste die gegenwärtigen einseitigen militärischen Angriffe in der Ukraine, die Leben kosten und zerstören und das aktuelle Völkerrecht verletzen. Wir sind solidarisch mit alle...


Young Ambassadors Programme 2021: Zuhören lernen

30/03/2022
Featured Story
Off

 

Als die indonesische Jurastudentin Agustina Zahrotul Jannah bei Google auf das Young Abassadors Programme (YAP) stiess, war sie aufgeregt und enttäuscht zugleich: aufgeregt, weil sie hoffte, dass es ihr die Fähigkeiten vermitteln würde, sich mit so schwierigen Themen wie sexuellem Missbrauch, Geschlechterungleichheit und Kinderheirat auseinanderzusetzen; enttäuscht, weil es an junge Menschen in Europa adressiert war.

Zu ihrer grossen Freude stellte sie jedoch fest, dass das Programm aufgrund der Pandemie ins Netz gestellt worden war und es für Bewerbungen aus aller Welt offen stand. Sie meldete sich als eine von über 60 Teilnehmenden für YAP 2021 an, das zum siebten Mal stattfand und erstmals online durchgeführt wurde.

 

Agustina Zahrotul Jannah

Junge Menschen als Schlüsselfiguren für positiven Wandel

„Das Programm hat mir dabei geholfen, mich selbst besser zu verstehen und meine Unsicherheiten zu überwinden“, sagt Agustina. Sie ist überzeugt, dass junge Menschen eine Schlüsselrolle spielen, um positiven Wandel zu ermöglichen.

Agustina bezeichnet sich selbst im Programm als „Neuling“ und war etwas eingeschüchtert von der Teilnahme promovierter Personen wie Besa Kadriu, einer Professorin an der South East European University in Mazedonien. „Später wurde mir klar, dass wir alle unterschiedliche Perspektiven einbringen.“

 

Besa Kadriu

Ideenaustausch und Begegnungen mit anderen

Wie Agustina fühlte sich auch Besa zu YAP hingezogen, weil sie in ihrem Land, in dem sie zur albanischen Gemeinschaft gehört, etwas verändern wollte. „In unserer Gesellschaft gibt es grosse Konflikte zwischen den verschiedenen Ethnien“, sagt sie. „Ich habe das Gefühl, dass die höheren staatlichen Institutionen nicht immer ihr Bestes für die verschiedenen Gruppen tun.“

Für Besa war die Teilnahme an YAP eine Chance, „meine Ideen mit anderen auszutauschen und Menschen zu treffen, die wissen, was es bedeutet, die Werte, Kultur, Sprache und Symbole anderer zu respektieren“. Sie war beeindruckt von der Vielfalt der Teilnehmenden und der Möglichkeit, voneinander zu lernen. Letztlich ging sie mit der Idee nach Hause, an ihrer Universität ein Wahlfachprogramm zu multiethnischen Themen zu entwickeln.

 

Shereen Siwpersad

Die Bedeutung des Zuhörens

Shereen Siwpersad arbeitet seit April 2021 für IofC Niederlande und lehrt an der Technischen Universität Delft. „Als Kommunikationsbeauftragte und Lehrerin liegt der Schwerpunkt immer auf dem Reden, dem Niederschreiben und Versenden von Informationen“, sagt sie. „Aber im YAP-Programm wurde viel Wert auf einfühlsames und engagiertes Zuhören gelegt. Die Zuhörübungen haben mir geholfen, eine bessere Lehrerin zu werden. Ich glaube, ich bin jetzt besser in der Lage, Einfühlungsvermögen zu zeigen und die Dinge aufzugreifen, die meine Studierenden nicht sagen.

Wenn ich YAP in wenigen Worten beschreiben sollte, würde ich sagen: es regt zum Nachdenken an, ist inspirierend und tut einfach gut. Es gab eine wirklich gute Gruppendynamik, eine sehr angenehme Atmosphäre und gute Ideen.“

 

Kairi Kuusemaa

Aktive Rolle bei der Umgestaltung der Gesellschaft spielen

„YAP hat mir geholfen, selbstbewusst über ernste globale Themen zu sprechen, ohne Angst vor Verurteilung“, sagt Kairi Kuusemaa, die Relationship Managerin auf dem Biohof ihrer Familie in Estland ist und ihr Land bei Ubuntu United Nations vertritt, einer Dialogplattform, die junge Menschen aus 193 Ländern zusammenbringt.

„Ich habe an YAP 2021 teilgenommen, weil ich eine aktive Rolle bei der Umgestaltung der Gesellschaft spielen und die dynamische Beziehung zwischen persönlichem und globalem Wandel erkunden wollte“, sagt sie. „Ich hatte Angst, dass ich in meinem Umfeld nichts bewirken könnte, aber ich bin jetzt zuversichtlich, dass alles auf dieser Welt möglich ist.“

Trotz des Online-Formats knüpften viele der Teilnehmenden starke Verbindungen zueinander. „Wir helfen uns auch heute noch gegenseitig“, sagt Agustina.

Wenn ich YAP in wenigen Worten beschreiben sollte, würde ich sagen: es regt zum Nachdenken an, ist inspirierend und tut einfach gut.

 

 

Geschrieben von Mary Lean, basierend auf Interviews von Hajar Bichri

 

Job Offer
Off

zum gleichen Thema

Zero waste square for social media

Ein achtsamer Lebensstil ohne Müll

Wie wurde Sofia Syodorenko Teil der Zero-Waste-Bewegung und was bedeutet sie ihr? Sie ist Vorsitzende von Foundations for Freedom und Vertreterin der Zero Waste Alliance Ukraine. Während des Caux-Dial...

YAP goes online

Das Young Ambassadors Programme geht online

Das Young Ambassadors Programme (YAP) ging diesen Sommer zum ersten Mal online, nachdem es sechs Jahre lang kontinuierlich gewachsen und weiterentwickelt worden war und 2020 eine Denkpause eingelegt h...

Patrick Magee 600x600

‘Wo Trauer beginnt – Brücken schlagen nach der Bombe von Brighton’: Ein Live-Interview mit Patrick Magee

Am 25. August 2021 fand die zweite Veranstaltung der Reihe „Stories for Changemakers“ statt, ein Interview mit Patrick Magee, der 1984 eine Bombe im Grand Hotel in Brighton platzierte, die fünf Mensch...

Summer Academy 2021 screenshot square

Ein Netzwerk zur Schaffung einer sicheren und nachhaltigen Zukunft

Die Sommerakademie über Klima, Land und Sicherheit 2021 brachte 29 Teilnehmende aus 20 Ländern zusammen. Von Ägypten und dem Senegal bis zu den Vereinigten Staaten und Thailand öffneten sich in der le...

Salima Mahamoudou 21 July 2021 FDFA workshop CDES 2021

Eine Welt in Gefahr neu gestalten

Der Caux Dialog über Umwelt und Sicherheit (CDES) 2021 fand vom 20. bis 30. Juli zum zweiten Mal in Folge online statt und umfasste drei offene Plenarsitzungen und sieben Workshops. Die diesjährigen D...

CL 2021 Hope square

Eine Reise von der Unsicherheit zur Chance

Die Konferenz Kreatives Leadership 2021 nahm die Teilnehmenden mit auf eine sechstägige Reise zum Thema „Von der Unsicherheit zur Chance“. Zwischen dem 25. und 31. Juli 2021 führten rund 150 Online-Te...

FDFA Baobabcowherd-1 Noah Elhardt through WikiCommons square with logos

Ein Weg zu Frieden und Wohlstand in West- und Zentralafrika

Im Rahmen ihrer Partnerschaft organisierten Initiativen der Veränderung Schweiz (IofC) und die Abteilung Frieden und Menschenrechte des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA...

LPM report 2021 square

Friedensschaffende auf dem Weg

„Ich bin sehr froh, dass ich an dem Kurs ‚Learning to be a Peacemaker’ teilgenommen habe – wir haben die wahren Farben des Islam kennengelernt", schreibt die 18-jährige Abiturientin Nma Dahir aus Erbi...

Choir Musical Stories

Musical Stories aus Caux

"Was für eine wunderbare Präsentation aus Geschichten und Musik", kommentierte ein Teilnehmer der Präsenz-Veranstaltung des diesjährigen Caux Forum Online, die auf Einladung am 1. August 2021 in der H...

Books for changemakers

Books for Changemakers

Ein zweimonatlich stattfindender Buchklub in englischer Sprache, der Sie und andere Changemaker unterstützen soll. Tauchen Sie ein in wichtige und inspirierende Ressourcen und Ideen, tauschen Sie sich...

ICBE 2021 square white background

Zielsetzung nachhaltiger Unternehmen jenseits des Profits

„Unternehmen brauchen eine Zielsetzung, die über Profit hinausgeht", so Sunil Mathur, Geschäftsführer und Chief Executive von Siemens Indien und Südasien. „Die Ziele der Unternehmen sind entscheidend“...

Stephanie Buri and Nick Foster Opening Ceremony Caux Forum 2021

Eröffnung des Caux Forum Online 2021: Schweizer Friedensperspektiven

Das Caux Forum Online 2021 wurde am 5. Juli mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Schweizer Friedensperspektiven – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ eröffnet, um das 75-jährige Bestehen des Konfe...

Dhanasree Jayaram CDES 2020

Zusammenhänge zwischen Umwelt und Sicherheit aufdecken

Ernährungssicherheit sei ein Schlüssel zum Verständnis des komplexen Zusammenhangs zwischen Klima und Sicherheit, erklärt Dhanasree Jayaram, Assistenzprofessorin für Geopolitik und Internationale Bezi...

Shrouk Gamal

"Ein besserer Mensch"

"Die Konferenz hat mir gezeigt, wie sehr ich es liebe, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Die Mitglieder unserer Dialoggruppe haben mir Fragen gestellt, die mir vorher noch nie gestellt wurden. Das ha...


Bernard Groves

Bernard Groves ist derzeit als vielseitiger Techniker für die Stiftung tätig, für die er nach mehr als 30 Jahren Arbeit als Landschaftsgärtner/Gartenbauer für Schweizer Gemeinden und Privatkunden und Privatkundinnen seit April 2019 arbeitet.

Stellenangebot: Tischler/in - Schreiner/in (2 Monate)

28/03/2022
Featured Story
Off

 

Initiativen der Veränderung Schweiz sucht eine/n Tischler/in - Schreiner/in für die Instandhaltung der Stiftungsgebäude in Caux. Es handelt sich um eine befristete Anstellung für zwei Monate in einer idyllischen und historischen Umgebung.

PDF für mehr Informationen herunterladen

 

Topics
job offer
Job Offer
Off

Helfen Sie den Water Warriors, in Kenia Wasser zu sparen

Eine CDES-Impact Story

28/03/2022
Featured Story
Off
Eine CDES-Impact Story

 

Im Oktober 2020 berichteten wir über Water Warriors, einer bahnbrechenden Zusammenarbeit zwischen Fachleuten, Aktivistinnen und Aktivisten in Kenia, Indien und Schweden, die von Initiatives for Land, Lives, and Peace (ILLP), dem Organisationsteam des Caux-Dialogs über Umwelt und Sicherheit, ins Leben gerufen wurde. Ziel ist es, die Wasserknappheit in Habeswein, einer somalischsprachigen Gemeinde im Bezirk Wajir in Kenia, zu bekämpfen.

 

Water Warriors 2022

 

Aufgrund der Pandemie wurde die Schulung, die eigentlich vor Ort hätte stattfinden sollen, ins Internet verlegt und von Schweden aus gestreamt. Erst im Jahr 2021, kurz vor dem Auftreten der Omicron-Variante, konnten die schwedischen und indischen Ausbilderinnen und Ausbilder Habeswein persönlich besuchen und mit der örtlichen Gemeinde an der Umsetzung ihrer Schulung in die Praxis arbeiten.

 

Water Warriors 2022

 

ILLP sammelt nun Geld, um den ersten einer Reihe von Flussdämmen zu bauen, bevor im April die Regenfälle einsetzen. Dieses Bauwerk wird 500.000 Kubikmeter Wasser fassen und das Leben von 20.000 Menschen verändern.

Folgen Sie diesem Link, um mehr zu erfahren und unterstützen Sie das Projekt mit einer Spende.

 

Water Warriors 2022

 

Initiativen für Land, Leben und Frieden organisiert den Caux Dialogue on Environment and Security (CDES) und veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik die jährliche Sommerakademie über Land, Sicherheit und Klima.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Rishabh Khanna.

 

 

Fotos: Rishabh Khanna und Mohammed Ogle

Job Offer
Off

zum gleichen Thema

Zero waste square for social media

Ein achtsamer Lebensstil ohne Müll

Wie wurde Sofia Syodorenko Teil der Zero-Waste-Bewegung und was bedeutet sie ihr? Sie ist Vorsitzende von Foundations for Freedom und Vertreterin der Zero Waste Alliance Ukraine. Während des Caux-Dial...

Summer Academy 2021 screenshot square

Ein Netzwerk zur Schaffung einer sicheren und nachhaltigen Zukunft

Die Sommerakademie über Klima, Land und Sicherheit 2021 brachte 29 Teilnehmende aus 20 Ländern zusammen. Von Ägypten und dem Senegal bis zu den Vereinigten Staaten und Thailand öffneten sich in der le...

Salima Mahamoudou 21 July 2021 FDFA workshop CDES 2021

Eine Welt in Gefahr neu gestalten

Der Caux Dialog über Umwelt und Sicherheit (CDES) 2021 fand vom 20. bis 30. Juli zum zweiten Mal in Folge online statt und umfasste drei offene Plenarsitzungen und sieben Workshops. Die diesjährigen D...

FDFA Baobabcowherd-1 Noah Elhardt through WikiCommons square with logos

Ein Weg zu Frieden und Wohlstand in West- und Zentralafrika

Im Rahmen ihrer Partnerschaft organisierten Initiativen der Veränderung Schweiz (IofC) und die Abteilung Frieden und Menschenrechte des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA...

CDES CDLS 2018 credit: Leela Channer

10 Jahre Caux-Dialog: Auswirkungen und Empfehlungen

Dieser Bericht, verfasst von Alan Channer und ermöglicht durch die Unterstützung des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten, blickt auf ein Jahrzehnt der Caux-Dialoge über Umwelt ...

Dhanasree Jayaram CDES 2020

Zusammenhänge zwischen Umwelt und Sicherheit aufdecken

Ernährungssicherheit sei ein Schlüssel zum Verständnis des komplexen Zusammenhangs zwischen Klima und Sicherheit, erklärt Dhanasree Jayaram, Assistenzprofessorin für Geopolitik und Internationale Bezi...

CDES 2020 IofC Bards meditation bowl square

Die Kunst, etwas gegen die Klimakrise zu tun

"Künstlerinnen und Künstler befinden sich in der einzigartigen Position, sich sowohl dem zu stellen, was mit dem Klima geschieht als auch die Welt neu erfinden und eine neue Narrative zu schaffen", s...

Darfuri refugee camp in eastern Chad – photo with kind permission on CORD UK

Bodenverwaltung in der Sahelzone

Wie können Sicherheit und Klimaresilienz durch Landrestaurierung katalysiert werden? Im Rahmen ihrer Partnerschaft organisierten Initiativen der Veränderung Schweiz und das Eidgenössische Departement ...

Summer Academy 2020 Geneva fountain lake, credit: Leela Channer

Ökologische Friedensförderung als Definition unseres Zeitalters

Das Thema der Genfer Friedenswoche 2020 lautete: "Vertrauen nach einem Vertrauensbruch neu aufbauen: Wege zu einer Neuausrichtung der internationalen Zusammenarbeit". Am 6. November veranstalteten Ini...

Water Warriors, vegetable gardens

Sprache des Wassers, Sprache des Herzens

Das IofC-Programm "Initiativen für Land, Leben und Frieden" (ILLP) befasst sich mit den Verbindungen zwischen Umweltsanierung und nachhaltigem Frieden und Sicherheit. Im Jahr 2020 trug es zur Gründung...

Irina Fedorenko CDES 2020 screenshot

Caux-Dialog über Umwelt und Sicherheit

Der Caux-Dialog über Umwelt und Sicherheit hat bei seiner ersten Online-Ausgabe mit über 15 Veranstaltungen und 450 Teilnehmenden ganze Arbeit geleistet. Fachleute diskutierten den Zusammenhang von Si...

Summer Academy 2020 screenshot participants cropped credit: Alan Channer

Sommerakademie 2020: Weitreichende Möglichkeiten für die Zukunft

Das überschwängliche Feedback der Teilnehmenden der fünftägigen Sommerakademie 2020 zu Land, Klima und Sicherheit war eine Bestätigung der schwierigen Entscheidung, den Kurs online zu durchzuführen. V...

CDLS 2019 Chau Duncan

Das Rad für regenerative Investitionen zum Laufen bringen

Chau Tang-Duncan, Mitbegründerin und leitende Geschäftsführerin von Earthbanc, kommt seit 2010 regelmässig nach Caux. Dort lernte sie zum ersten Mal jene Rolle kennen, die sie selbst bei der Verbindun...

Karina Cheah

Über die Herausforderung von Online-Dialoggruppen

Ich war noch nie in Caux. Ich hatte auch noch nie eine Dialoggruppe moderiert, weder innerhalb noch ausserhalb des Caux Forums. Als ich kurz davor stand, im Rahmen des Caux-Dialogs über Umwelt und Sic...


"Das Licht wird die Dunkelheit besiegen"

Ein Caux Refuge-Interview von Anastasia Slyvinska

24/03/2022
Featured Story
Off
Ein Caux Refuge-Interview von Anastasia Slyvinska

 

Dieser Artikel ist der erste in einer Reihe von Interviews mit Menschen, die vom Krieg in der Ukraine betroffen sind und im Caux Konferenz- und Seminarzentrum in der Schweiz eine vorübergehende Unterkunft gefunden haben.

 

Am Morgen des 24. Februar wachten Alina Shymanska und ihre Mutter Liudmyla mit der Nachricht auf, dass die russische Armee einen Militärflughafen in ihrer Heimatstadt Zhytomyr/Ukraine nur 10 Kilometer von ihrem Haus entfernt bombardiert hatte.

Dieser Morgen spaltete das Leben vieler Ukrainerinnen und Ukrainer in ein "Vorher" und ein "Nachher". Das schreckliche Geräusch der Luftschutzsirenen wurde zum Vorzeichen für all den Schmerz und das Leid, das folgen sollte und über Nacht wurde Alinas jährliche Bucket List, auf der ihre Träume, Hoffnungen und Ziele standen, völlig nebensächlich.

 

Alena and Olena interview Caux Refuge
Alina (links) und ihre Mutter Liudmyla im Garten des Caux Konferenz- und Seminarzentrums (Foto: Anastasia Slyvinska)

 

Alina ist das perfekte Beispiel für eine neue Generation junger Ukrainerinnen und Ukraine, die die Ukraine nur als unabhängigen souveränen Staat kennen. Bevor der Krieg ausbrach, hatte Alina grosse Pläne für ihr Leben in der Ukraine. Als Mitglied der Professional Government Association of Ukraine und als Jugenddelegierte beim United Network of Young Peacebuilders, beim World Forum for Democracy, beim Yalta European Strategy Forum und bei der UNESCO engagierte sie sich in vielen Bereichen, träumte von einer besseren Zukunft für ihr Land und arbeitete unermüdlich daran, diesen Traum wahr werden zu lassen.

Alinas Engagement in der Ukraine reichte von der Hilfe für Kinder, die unter Mobbing litten, bis hin zur regelmässigen Altkleiderspenden an Bedürftige.

Ihre Überzeugung als junge Führungspersönlichkeit führte dazu, dass sie 2018 als Young Ambassador an den Konferenzen in Caux teilnahm und 2019 beim Caux Scholars Program und der Asia Plateau Initiative mit dabei war. Ihre Teilnahme an verschiedenen IofC-Veranstaltungen prägte ihre zukünftige Arbeit und motivierte sie, sich noch mehr für jene Themen einzusetzen, die ihr am Herzen liegen.

Jetzt haben Alina und ihre Mutter Liudmyla in Caux einen sicheren Ort gefunden, um durchzuatmen und über die nächsten Schritte nachzudenken.

 

______________________________________________________________________________________

 

Erzählen Sie uns ein wenig über sich selbst. Welche Anliegen lagen Ihnen in der Ukraine am Herzen?

Alina - Bevor ich die Ukraine verliess, arbeitete ich als Projektmanagerin an der IT-Akademie in Zhytomyr, die eine hochwertige Ausbildung in einem sich schnell entwickelnden IT-Bereich anbietet. Ich fühlte mich dort sehr wohl.

Eine weitere Sache, die mir sehr am Herzen liegt, ist die Organisation einer Gruppe von Freiwilligen, die eine Nichtregierungsorganisation namens "Open Up Initiative" gegründet haben, die talentierten und kreativen Kindern hilft, mit Mobbing, Ungerechtigkeit und Hassreden in der Schule umzugehen. Als Schülerin wurde ich selbst gemobbt, und das half mir, den Schmerz und das Leid zu verstehen, das diese Kinder durchmachen. So wurde diese Initiative geboren. Wir hörten ihnen zu, unterstützten ihre Ideen und Bestrebungen, halfen ihnen, sich zu öffnen, und nahmen sie zu Konferenzen, Foren und Bildungscamps in der ganzen Ukraine mit. Es war für sie eine positive Abwechslung zu ihren negativen Erfahrungen in der Schule und zeigte ihnen neue Wege und Möglichkeiten auf.

 

Sie blieben nach Kriegsausbruch noch einige Tage in Zhytomyr. Was war der ausschlaggebende Punkt, an dem Ihnen klar wurde, dass Sie und Ihre Mutter die Stadt verlassen und sich einen sicheren Ort suchen mussten?

Alina - Am 27. Februar waren wir noch in Zhytomyr. Es war der dritte Tag des Krieges, und die russische Armee warf sechs Bomben auf den Militärflughafen 10 Kilometer von meinem Wohnort entfernt. Meine Mutter weigerte sich zunächst, das Haus zu verlassen. Ich weinte und bat sie, mit mir zum Bahnhof zu gehen. Ich wusste, dass ich sie nicht in einer solchen Gefahr zurücklassen konnte.

 

Image
Die Villa Maria, wo das Caux Refuge-Projekt untergebracht ist

 

Liudmyla, Sie hatten also ursprünglich vor, zu Hause zu bleiben und weiter zu arbeiten?

Liudmyla - Ursprünglich wollte ich nicht gehen. Ich sagte meiner Tochter, dass ich mich einfach am Bahnhof verabschieden und zurückbleiben würde. In den ersten beiden Kriegstagen habe ich weiterhin in einem Geschäft in unserer Stadt gearbeitet, und ich hatte vor, das so lange wie möglich zu tun. Viele Geschäfte waren bereits geschlossen, so dass ich das Gefühl hatte, nicht einfach so gehen zu können.

Alina - Ich glaube, viele Menschen glaubten damals nicht, dass der Krieg so lange dauern würde. Meine Mutter dachte an ihr Haus und ihren Garten und wollte nicht weggehen, weil sie dort eine gewisse Stabilität, Arbeit und Eigentum hatte. Sie fragte sich, wer sich um uns kümmern würde, sobald wir die Grenze überschritten hatten. Damals wusste niemand, ob wir Hilfe erhalten würden, schon gar nicht mit so viel Grosszügigkeit und Mitgefühl, wie wir es jetzt in Caux sehen und spüren.

 

Wie haben Sie Ihre Mutter davon überzeugt, mit Ihnen zu gehen?

Alina - Als ich beschloss zu gehen, bestand ich darauf, dass meine Mutter ihren Ausweis mitnehmen sollte, weil wir mehrere Sperren passieren mussten, bevor wir den Bahnhof erreichen konnten. Ursprünglich wollte ich nach Lviv in der Westukraine fahren. Mein Zug wurde wegen der Bombardierung gestrichen, aber es gab die Möglichkeit, einen anderen Zug zu nehmen, der aus Kramatorsk im Osten kam. Später erfuhren wir, dass es sich um einen speziellen Evakuierungszug für Menschen aus Kramatorsk handelte. Wir rannten zum Zug und ich flehte sie an, uns einsteigen zu lassen. Zu diesem Zeitpunkt hatte meine Mutter beschlossen, mit mir bis zur Grenze zu fahren und dann nach Hause zurückzukehren. Bis zum Schluss dachte sie also nicht daran, wirklich zu gehen.

Liudmyla - Eigentlich möchte ich immer noch so schnell wie möglich in mein Haus und mein normales Leben zurückkehren.

 

Wie lange hat es gedauert, bis Sie in der Schweiz angekommen sind?

Alina - Wir haben vier Tage gebraucht. Wir sind über die Grenze in die Slowakische Republik gefahren. Die Menschen dort haben uns sehr geholfen und uns mit Grosszügigkeit und Freundlichkeit behandelt. Sie gaben uns zu essen und einen Platz zum Schlafen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir fast gar nicht geschlafen. Ich war so dankbar, dass ich schlafen konnte. Am 2. März überquerten wir schliesslich die Schweizer Grenze.

 

Was geschah bei Ihrer Ankunft in der Schweiz?

Alina - Bei der Ankunft am Genfer Flughafen wurden wir von einem Polizisten begrüsst, den wir um Hilfe baten, weil wir keine Unterkunft hatten. Wir wurden in ein Flüchtlingslager geschickt und blieben dort, zusammen mit vielen anderen Flüchtlingen aus der ganzen Welt. Flüchtlinge aus der Ukraine waren neu in der Schweiz, so dass sowohl die Beamtinnen und Beamten als auch die Freiwilligen angesichts der vielen Menschen, die in die Schweiz kamen, ein wenig verwirrt und überfordert waren. Es war eine schwierige Erfahrung. Wir sassen stundenlang auf einer Bank und warteten darauf, dass jemand mit unseren Dokumenten zurückkam. Dann wies man uns Betten in einem Zimmer zu, das wir mit zehn anderen Menschen aus Afghanistan, Bosnien und Herzegowina und Somalia teilten, die ebenfalls auf Asyl hofften. Von dort schickte man uns bald in ein anderes Lager nahe der Grenze zu Österreich und Liechtenstein, wo wir weitere fünf oder sechs Tage verbrachten. Es war eine lange Reise, bis wir nach Caux kamen.

 

Alena and Olena interview Caux Refuge
Alina und ihre Mutter in der Villa Maria (Foto: Anastasia Slyvinska)

 

Jetzt, wo Sie schon einige Tage in Caux sind, was sind Ihre ersten Eindrücke? Haben Sie schon Leute von IofC und dem Dorf Caux getroffen?

Alina - Ja, während meiner ersten Tage hier habe ich die meisten Leute aus dem Dorf kennengelernt, als sie uns besuchten, um uns zu begrüssen. Ich bin allen Mitgliedern der wunderbaren IofC- und Caux-Gemeinschaft so dankbar, dass sie alles Notwendige mitgebracht haben - Hygieneartikel, Medikamente, Kleidung und Lebensmittel. Sie waren sehr grosszügig.

Liudmyla - Als wir unsere Heimatstadt verliessen, konnten wir kein Geld abheben. Es gab kein Bargeld in den Geldautomaten, und die Leute bekamen ihr Gehalt nicht. Wir mussten mit fast nichts gehen. Ich hatte nur eine Tasche dabei, während Alina nur ein kleines Gepäckstück dabei hatte. Es war sehr bewegend, all diese grosszügigen Spenden zu sehen.

 

Wie fühlen Sie sich jetzt, da Sie einen sicheren Ort gefunden haben, an dem Sie bleiben können?

Alina - Ich fühle mich endlich sicherer, aber ich bin sehr unsicher, was die Zukunft angeht. Deshalb fühle ich mich immer noch nicht zu 100 % sicher. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich mit meiner Familie und meinem Freundeskreis, die noch in der Ukraine sind, in Kontakt stehe. Durch diesen engen Kontakt habe ich das Gefühl, bei ihnen zu sein, auch wenn wir diese schreckliche Erfahrung jetzt von einem sicheren Ort aus durchleben. Zurück in der Ukraine fehlt es den Menschen oft an Lebensmitteln und lebensnotwendigen Dingen, so dass ich mich auch schuldig fühle. Ich höre oft, wie wichtig es ist, für sich selbst zu sorgen, aber es ist schwer, für sich selbst zu sorgen, wenn man weiss, dass Menschen sterben, dass Kinder sterben.

 

Ist der Rest Ihrer Familie in Sicherheit? Wie geht es ihnen?

Alina - Mein Vater, mein Bruder und viele aus meinem Freundeskreis sind noch in der Ukraine. Leider sind viele Mitglieder meiner Familie jetzt über ganz Europa verstreut, mit Ausnahme meines Vaters und meines Bruders, die unser Land beim Militär beschützen. Meiner Meinung nach erhält unser Militär nicht genug Unterstützung. Ich frage mich, wie die humanitären Konvois die Bedürftigen erreichen werden, nachdem die Brücke von Tschernihiw nach Kiew zerstört wurde.

 

Woher nehmen Sie die Kraft und Hoffnung, um in solch schwierigen Zeiten weiterzumachen?

Alina - Aus dem Gebet. Es hilft mir sehr, wenn ich bete, es gibt mir Hoffnung und Trost. Es ist sehr wichtig, für das Geschenk des Lebens dankbar zu sein und die kleinen Dinge zu sehen, die wichtig sind, wie das Atmen, das Sehen, das Gehen, das Berühren der Erde mit den Füssen, den Vögeln am Morgen zuzuhören. All diese kleinen Dinge sind sehr wichtig. In solchen Momenten des Gebets und durch die Wertschätzung der kleinen Dinge des Lebens glaube ich, dass das Licht die Dunkelheit besiegen wird!

 

Über die Autorin

Anastasia Slyvinska

Anastasia Slyvinska ist Journalistin aus Kiew, Ukraine. Sie hat als TV-Moderatorin, Auslandsreporterin und Managerin für Medienunternehmen in der Ukraine und im Ausland gearbeitet. Da sie sowohl im ukrainischen als auch im kanadischen Parlament gearbeitet hat, kombiniert sie ihre Medienerfahrung mit ihrem politikwissenschaftlichen Hintergrund. Anastasia ist seit 2014 Teil der IofC-Gemeinschaft, als sie zum ersten Mal an der Konferenz Just Governance for Human Security teilnahm. Derzeit hält sie sich in Caux auf.

 

 

 

______________________________________________________________________________________

 

 

Initiativen der Veränderung Schweiz hat sich immer zum Ziel gesetzt, einen sicheren Ort für Menschen in Not zu schaffen. Das Caux Refuge-Projekt wird schätzungsweise 27'000 CHF/Monat kosten. In den letzten Tagen wurden bereits 18 Menschen, die vom Krieg in der Ukraine betroffen sind, in Caux aufgenommen, weitere werden bald folgen. Sie können das Caux Refuge-Projekt hier unterstützen:

 

JETZT SPENDEN

 

 

 

 

Bitte beachten Sie, dass die in diesen Artikeln geäusserten Meinungen die Ansichten der Befragten widergeben und nicht unbedingt die Meinung des Interviewers, der Interviewerin oder von Initiativen der Veränderung Schweiz widerspiegeln.

 

 

Event Categories
Caux Refuge Project
Job Offer
Off

zum gleichen Thema

Nadia Donos (credit: Sophia Donos)

"Die Ukraine und unsere Kinder erwartet eine grosse Zukunft!"

Bevor der Krieg in der Ukraine ausbrach, arbeitete Nadia Donos in ihrem Traumberuf als Lehrerin für ukrainische Sprache und Literatur. Heute lebt sie in der Caux Refuge und arbeitet weiterhin online....

Anatolii and Tetiana Ukraine interview 2

"Wir hatten unglaubliches Glück!"

Über eine Woche lang lebten Anatolii, Tetiana und ihre drei Söhne ohne Strom, Heizung und Wasser bei eisigen Temperaturen in dem Dorf Horenka in der Nähe von Kiew. Nach einer langen Reise durch die Uk...

Caux Refuge project square DE

Flüchtlinge und Asylbewerbende in Caux

Als Reaktion auf den Krieg in Osteuropa hat Initiativen der Veränderung Schweiz beschlossen, in der Villa Maria (neben dem Caux Palace) Platz für bis zu 30 Personen zu schaffen, die in den letzten Tag...

Ukraine map (credit: Canva)

Wir sind solidarisch

Wir verurteilen aufs Schärfste die gegenwärtigen einseitigen militärischen Angriffe in der Ukraine, die Leben kosten und zerstören und das aktuelle Völkerrecht verletzen. Wir sind solidarisch mit alle...


Julien Raemy

Julien Raemy ist für das Wohlbefinden der Gäste des Caux Konferenz- und Seminarzentrums verantwortlich. Als Koch und Absolvent einer Hotelfachschule verfügt er über langjährige Erfahrung in der Gastronomie, angefangen von Fünf-Sterne-Restaurants bis hin zu grossvolumigen Betriebsrestaurants. Als Epikuräer und Liebhaber guter Küche liegt es ihm am Herzen, den Gästen ein einzigartiges und hochwertiges Erlebnis zu bieten, damit sie sich wie zu Hause fühlen.

Subscribe to