Yousef Khanfar: Die Kunst des Sehens

A 75th Anniversary Arts Event

11/10/2021
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A 75th Anniversary Arts Event

Von Elisabeth Tooms

 

Wie sehen wir die Realität um uns herum? Und wie können Fotos einen Beitrag dazu leisten, Menschlichkeit darzustellen, selbst wenn die betroffene Person am Rande der Gesellschaft steht?

Teilnehmende aus so unterschiedlichen Orten wie Kuala Lumpur und Finnland hatten das Privileg, eineinhalb Stunden mit dem weltberühmten Fotografen Yousef Khanfer zu verbringen. 

Yousef Khanfar stammt aus Palästina und lebt in den USA. Mit dem Fotografieren begann er als kleiner Junge, da ihm richtiges Sprechen fiel und sein Vater ihm daher eine Kamera schenkte. Für Yousef begann damit ein Leben, in dem er die Welt und die Menschen auf besondere Weise wahrzunehmen begann.

Yousef stellte zunächst klar, dass es bei seiner Kunst um das „Sehen“ gehe. Für ihn bedeutet Fotografie nicht, einfach nur Landschaften abzubilden oder Porträts zu machen. „Als Fotografinnen bzw. Fotografen sagen wir den Leuten, was sie sich ansehen sollen. Aber wir sagen ihnen nicht, was sie sehen sollen“, erklärt er.

Als Fotografen bzw. Fotografinnen sagen wir den Leuten, was sie sich ansehen sollen. Aber wir sagen ihnen nicht, was sie sehen sollen.

Hands Yousef Khanfar

Er ist davon überzeugt, dass Menschen, die sich für eine Sache begeistern, keine Kunst schaffen, sondern sie freisetzen. Deshalb setzt er Fotografie ein, um die Kunst in den Menschen zu entfesseln – so wie man auch Energie freisetzt. Für Yousef geht es bei der Fotografie darum, eine Stimmung einzufangen und die Menschen mitzureissen. Er nimmt sich Zeit, um zu sehen und hinzuschauen. Er ermutigte alle zu Einfachheit und Schlichtheit, zeigte viele wunderbare Landschaftsbilder und demonstrierte, wie man Schatten zur Bildverbesserung und Spiegelungen zur Vergrösserung des Bildes nutzen kann. 

Yousef setzt seine Fotografie auch dazu ein, Einstellungen und Verhaltensweisen zu verändern. Er ist davon überzeugt, dass man Gesetze nur dann ändern kann, wenn man zuerst die Köpfe und Herzen der Menschen erreicht.

Eines der Projekte, die er vorstellte, war Invisible Eve, eine Fotoserie von Frauen in einem amerikanischen Gefängnis. Das Projekt dauerte fünf Jahre. Ziel war dabei nicht nur, diese Frauen am Rande der Gesellschaft zu vermenschlichen, sondern ihnen auch zu helfen, ihre Einstellung zu sich selbst zu ändern. „Ich versuche, die Risse in der Menschheit zu finden“, sagt er. „Meine Arbeit besteht darin, diese Risse zu heilen.“

Ich versuche, die Risse in der Menschheit zu finden. Meine Arbeit besteht darin, diese Risse zu heilen.

Yousef nahm sich viel Zeit, um Fragen zu seiner Themenwahl und seinen Techniken zu beantworten. Er erklärte, dass er weder Filter noch Photoshop für seine Bilder verwende. Er ziehe es ausserdem mvor, eine normale Kamera statt eines Mobiltelefons zu benutzen.

Für Yousef geht es vor allem darum, zu sehen und sich Zeit zu nehmen, denn, wie er es ausdrückt, man benötige starke Knochen, um eine Geschichte zu erzählen und man müsse ihr eine Stimme und ein Herz geben. „Wir (Fotografen und Fotografinnen) leihen uns einfach von den Göttern!“ 

Wir möchten Yousef für seine wunderbare Arbeit und sein Engagement für Caux danken. Wir hoffen sehr, dass wir ihn dort bald wieder treffen können. 

 

Yousef Khanfar screenshot photography workshop 2021
Yousef Khanfar während des Workshops

 

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Was die Teilnehmenden über die Veranstaltung sagen:

 

Grossartige Sache!

 

Vielen Dank für diese grossartige Veranstaltung! Ihre Fotos sind wirklich inspirierend.

 

Offener Austausch, schöne Bilder und ehrliche Geschichten.

 

Inspirierend!

 

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Yousef Khanfar

Yousef Khanfar ist ein preisgekrönter Autor, der als einer der 35 besten Fotografinnen und Fotografen der Welt gelistet ist. Er hat drei Bücher geschrieben und seine Arbeiten wurden weltweit veröffentlicht, ausgestellt und gesammelt. Er wurde vom Weissen Haus, dem Obersten Gerichtshof der USA, dem britischen Oberhaus und vielen anderen gewürdigt. Das Fulbright Center for Peace in Washington, DC, wählte sein Buch „In Search of Peace“ aus, um das Global Symposium of Peaceful Nations zu feiern. Ausserdem wurde er als Künstler des Jahres ausgewählt, um mit UNICEF die Alphabetisierung zu fördern. Die Vertretung Palästinas bei den Vereinten Nationen ehrte Yousef Khanfar für seinen „aussergewöhnlichen Einsatz zur Förderung von Frieden und Gerechtigkeit in Palästina durch Kunst“. Yousef auf Instagram folgen: Yousef.Khanfar

Folgen Sie Yousef auf Instagram: Yousef.Khanfar oder auf seiner Website

 

 

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Melden Sie sich jetzt für unsere nächste Kunstveranstaltung "Arts for Change" am 12. November 2021 an!

Entdecken Sie alle unsere Veranstaltungen zum 75. Jubliäum

Mehr über 75 Jahre der Begegnungen

 

 

 

Fotos (ausser Screenshot): Yousef Khanfar

 

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‘Wo Trauer beginnt – Brücken schlagen nach der Bombe von Brighton’: Ein Live-Interview mit Patrick Magee

Ein Tools for Changemakers-Event

29/09/2021
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Ein Tools for Changemakers-Event

Von Hajar Bichri

 

Am 25. August 2021 fand im Rahmen der zweiten Veranstaltung der Tools for Changemakers-Reihe „Stories for Changemakers“ ein Interview mit Patrick Magee statt, der 1984 eine Bombe im Grand Hotel in Brighton platzierte, die fünf Menschen tötete. Ziel der Reihe ist es, schwierige Gespräche zu fördern, indem weniger bekannte Geschichten erzählt werden, die beide Seiten eines Konflikts beleuchten.

Fünfundsechzig Menschen aus Afrika, Asien, Europa und Amerika hörten zu, als Patrick Magee mit Neil Oliver über seine Memoiren „Where Grieving Begins: Building Bridges after the Brighton Bomb“ sprach. Im Anschluss an das Interview gab es in kleinen Gesprächsgruppen Gelegenheit zur Diskussion und eine Fragerunde mit dem Referenten.

 

Patrick Magee (links) und Neil Oliver (rechts). Foto: Jeremy Le Fèvre

 

Patrick schloss sich im Alter von 19 Jahren der Provisional Irish Republican Army (IRA) an. 14 Jahre lang sass er wegen seiner Rolle beim Bombenanschlag in Brighton im Gefängnis und wurde 1999 im Rahmen des Karfreitagsabkommens entlassen.

In seinem Buch beschreibt Patrick das Etikett des „Brighton-Bombers“ als „ein Klischee, das jegliches Denken begrenzt“. Weil er in den Mittepunkt gerückt werde, werde den Menschen die Möglichkeit genommen, den Kontext des Bombenanschlags zu verstehen.

Der Titel seines Buches, erklärte Patrick, stamme aus einem Gedicht des chilenischen Schriftstellers und Politikers Pablo Neruda:

 

Der Reisende fragt sich: Wenn er eine Ewigkeit

In der Ferne, diese verdrängend, lebte und

an den Ort zurückkehrt, an dem seine Trauer begann:

Vergeudet er seine Identität erneut,

Verabschiedet sich wieder und geht?

Patrick Magee interview

Mir war nicht bewusst, dass Jo ein ähnliches Bedürfnis hatte, das Gespräch weiterzuführen.

Für Patrick war das Legen der Bombe eine „politische Verpflichtung“. Siebzehn Monate nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis traf er Jo Berry, die Tochter eines der Opfer, und war überwältigt von der Tragweite der Situation. „Du bist kurz davor, den Raum zu betreten und diese Person zu treffen, deren Vater du getötet hast“. Die Erfahrung, jemanden zu treffen, den er verletzt hatte, von dem er aber keine Feindseligkeit verspürte, war ein Wendepunkt. Zwei Wochen später meldete sich Jo erneut bei ihm. „Mir war nicht bewusst, dass Jo ein ähnliches Bedürfnis hatte, das Gespräch weiterzuführen“, sagte Patrick.

Auf die Frage, was er von Jo gelernt habe, antwortete Patrick, dass es notwendig sei, die Vergangenheit aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, und dass er erkannt habe, dass auch seine Seite diejenigen dämonisiert habe, die sie als Feinde ansahen. Er erinnerte sich daran, was er dachte, als Jo über ihren Vater sprach: „Das Gute und die Werte, die ich bei dieser Frau wahrnehme, gehen bis zu einem gewissen Grad auf den Man zurück, den ich getötet habe. Wenn man das weiterdenkt, dann habe ich einen guten Menschen umgebracht.“

 

Patrick Magee Neil Oliver Jo Berry screenshot

 

Bei der Beantwortung von Fragen aus dem Publikum beklagte er die Unzulänglichkeit des Geschichtsunterrichts an britischen Schulen und das mangelnde Verständnis für die persönlichen Auswirkungen der Teilung Irlands im Jahr 1921.

Er wurde gefragt, ob er, als er die Bombe legte, an die unschuldigen Opfer gedacht habe. „Es wurde an die möglichen Folgen der Bombe gedacht“, antwortete er. „So wurde die Bombe zu einem Zeitpunkt gelegt, zu dem unserer Meinung nach am wenigsten Zivilisten davon betroffen sein würden... Wir hatten es auf diejenigen abgesehen, die unserer Meinung nach am meisten Schuld an dem Konflikt trugen, auf diejenigen, die die Befehle gaben, die den Terrorismus auf unseren Strassen nährten.“

Wäre er bereit, für die Wiedervereinigung Irlands erneut Gewalt anzuwenden? „Nein, abgesehen von der Tatsache, dass ich 70 und vielleicht nicht mehr in der Lage wäre, einen solchen Beitrag zu leisten, glaube ich nicht, dass Gewalt für das Erreichen unseres Ziels nötig ist... Ich unterstütze den Friedensprozess und seine Fortsetzung voll und ganz und ich glaube, dass er sich am Ende durchsetzen wird.“

Jo Berry, die bei einer ähnlichen Veranstaltung von Tools for Changemakers gesprochen hatte, sass bei dieser Veranstaltung im Publikum. Am Ende waren Patrick und sie sich einig, dass Empathie in ihrem Dialog- und Vergebungsprozess eine entscheidende Rolle gespielt habe. „Um Fortschritte zu machen, muss man Empathie schaffen und zumindest versuchen, zu verstehen und zu erklären", sagte Patrick. Jo fügte hinzu: „Für mich ist Einfühlungsvermögen wichtiger als Vergebung.“

Einfühlungsvermögen ist wichtiger als Vergebung.

Jo Berry Patrick Magee
Jo Berry und Patrick Magee im Jahr 2018 in Caux (Foto: Initiativen der Veränderung)

 

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Was die Teilnehmenden sagten

 

Ich stamme aus Cork und habe die meiste Zeit meines Lebens in Irland gelebt. Was Sie zu sagen haben, ist auch für die Republik Irland von grosser Bedeutung. Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch erleben würde, dass jemand wie Sie einen Vortrag hält. Vielen Dank.

Elaine Gordon

Ihre Reise und ihr Mut, diese Reise fortzusetzen, haben mich sehr bewegt. Ich habe so viel gelernt und es inspiriert mich, dass Sie die Welt daran haben teilhaben lassen.

Barbara

Ich habe das Gefühl, dass es einen Bedarf an tiefergehenden Diskussionen zu diesem Thema gibt. Es war für meinen Bereich, in dem ich Schwierigkeiten und Unsicherheiten zu bewältigen habe, eine echte Hilfe.

Olga

 

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Sie können das Event hier im Replay einsehen.

 

 

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Partnerorganisationen

 

Dieses Event wurde im Rahmen des Young Ambassadors Programme als Teil des Caux Forum Online 2021 in Zusammenarbeit mit Movetia, Edventure: Frome und Beyond Boundaries organisiert.

 

Tools for Changemakers entwickelt die Reihe "Stories for Changemakers" weiter, die sich mit verschiedenen Aspekten von Konflikten befasst. Erfahren Sie mehr über die nächsten Events hier.

 

 

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Am Strom des Lebens – Gedanken zum Fresko im Speisesaal von Caux

Ein Kunstevent zum 75. Jubiläum

15/09/2021
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Ein Kunstevent zum 75. Jubiläum

 

Wenn Sie den Speisesaal des Caux Konferenz- und Seminarzentrums betreten, fällt Ihnen vielleicht als erstes die wunderbare Aussicht auf, die man vom Erkerfenster aus hat. Als zweites geht der Blick zu dem farbenfrohen Fresko, das eine ganze Wand bedeckt.

Man gewöhnt sich recht schnell an den Anblick und vergisst seine Präsenz. So war es an der Zeit, daran zu erinnern, was für ein grosses Privileg ist, dieses einzigartige Kunstwerk zu besitzen, das uns der herausragende finnische Künstler Lennart Segestråle hinterlassen hat (lesen Sie mehr über ihn in der Reihe „75 Jahre der Geschichten“).

 

Connection fresco Morenike

 Es hat mich wirklich zum Nachdenken über die endlose Kette gebracht, in der alle auf irgendeine Art und Weise verbunden sind.

- Morenike Onajobi, Grossbritannien -

Die diesjährigen Feierlichkeiten aus Anlass von 75 Jahren der Begegnungen im Konferenzzentrum der Initiativen der Veränderung in Caux waren die perfekte Gelegenheit, dieses wunderschöne symbolträchtige Meisterwerk zu betrachten, das im Laufe der Jahre viele wichtige Mahlzeiten und Diskussionen umrahmt hat.

Segerstråle nannte das Fresko „Am Strom des Lebens“. Es repräsentiert seine Vision des Konferenzzentrums von Caux als einen Ort, zu dem Menschen kommen, um ihren inneren Durst zu stillen, und von dem aus sie hinausgehen, um das Wasser des Lebens in eine dürstende Welt zu tragen.

 

Help fresco Lotty

Wir können uns in der Dunkelheit selbst verurteilen oder wir können zum Licht aufschauen und uns vom lebendigen Wasser finden lassen, das uns durchströmt, uns reinigt und befreit. Wo und was ist meine Quelle des lebendigen Wassers? Bin ich bereit, sie mit anderen zu teilen?

- Lotty Wolvekamp, Niederlande -

Kunst hat schon immer die Kraft besessen, Zustände zu hinterfragen, zu verändern und zu verändern. So haben sich auch Künstler und Künstlerinnen aller Disziplinen an den diesjährigen Feierlichkeiten beteiligt und sich von Segerstråles Fresko und dessen Thema inspirieren lassen.

Zu Beginn des Tages der Dankbarkeit am 1. August 2021 tauschten fünf Personen verschiedener Herkunft  ihre Gedanken zu bestimmten Ausschnitten des Freskos aus. Während jede Person sprach, konnten die Teilnehmenden den entsprechenden Teil des Gemäldes via Zoom auf ihren Bildschirmen sehen.

 

Family fresco Vivek

Die Stärke einer Familie liegt in der Kombination der Verschiedenheit der Menschen innerhalb der Familie.
Der Leim, der jede Familie durch alle Höhen und Tiefen hindurch zusammenhält, ist die Liebe.

- Vivek Asrani, Indien -

Es gab Beiträge von Vivek Asrani aus Indien und Morenike Onajobi aus dem Grossbritannien, die beide dem Stiftungsrat von IofC Schweiz angehören. Wir hörten Beiträge von Lotty Wolverkamp aus den Niederlanden, die dem Rat angehörte und seit vielen Jahren Mitglied des IofC-Netzwerks ist. Ausserdem kamen Liz Weeks aus Australien, die viele Sommer in den Küchen von Caux zugebracht hat, sowie Hamza Ghandour aus dem Libanon, einem Absolventen des Caux Peace and Leadership Programme, der im Speisesaal von Caux gearbeitet hat, zu Wort.

 

Blessing fresco Liz Weeks

Wir alle haben eine Vergangenheit, wir leben in der Gegenwart, und die Zukunft ist dazu da, erforscht, erlebt, entdeckt, erdacht und wiedergeboren zu werden. Und dann ist da noch das grosse spirituelle Unbekannte, vielleicht ein Segen, der auf die Menschheit wartet.

- Liz Weeks, Australien -

Am Ende jedes Vortrags stellten die Rednerinnen und Redner ein oder zwei Fragen und die Teilnehmenden brachten die Botschaft des Freskos mit ihren persönlichen Erfahrungen in Verbindung, während sie der inspirierenden Musik des norwegischen Komponisten Sveinung Nygaard lauschten.

 

Youth fresco Hamsa

Ich glaube, dass jeder Beitrag zur Schaffung einer besseren Welt, zur Schaffung von Frieden (...) ein Stück Unterstützung sein kann, um vorwärts zu kommen.

- Hamza Ghandour, Libanon -

 

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Sehen Sie hier das Replay.

 

 

 

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1989: Michel Orphelin - Theater des Herzens

Von Andrew Stallybrass

13/09/2021
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Von Andrew Stallybrass

 

Als im Frühjahr 1946 die erste kleine Gruppe von Schweizern das verfallene Hotel in Caux besuchte, das zum Konferenzzentrum der Initiativen der Veränderung (IofC) werden sollte, stellten sie fest, dass der Ballsaal als Theater dienen könnte. Schon nach wenigen Jahre waren eine voll ausgestattete Bühne mit Werkstatt und allem, was dazu gehört, sowie eine Tribüne für das Publikum  samt Reihenbestuhlung entstanden. 

 

Michel Orphelin photo: David Channer
Michel Orphelin (Foto: David Channer)

 

Unzählige Stücke wurden im Theater von Caux aufgeführt, und ganze Scharen von Schauspielenden und Bühnenteams haben hier im Laufe der Jahre gearbeitet. Einer der vielen Stars war der französische Schauspieler Michel Orphelin, der 1989 mit seinem Ein-Mann-Stück über den heiligen Franz von Assisi, Poor Man Rich Man (Armer Mann, reicher Mann), von einer Tournee zurück nach Caux kam. Die französische Version, Un Soleil en Pleine Nuit, war 1980 in Caux uraufgeführt worden.

Ich bin nur ein Arbeiter. Ich tue, was ich kann.

Michel ist Mime, Sänger, Kabarettist und Schauspieler und befasst sich mit dem, was sein Sohn François "Theater der Armut" nennt. “Die wahre Avantgarde,” so Orphelin, “liegt in der grossen Einfachheit. Oft verstehen es komplizierte Inszenierungen nicht, das Herz anzusprechen". 

Michel and Marie-José Orphelin, 1972
Michel and Marie-José Orphelin, 1972

Seiner Meinung nach sollte Theater eine Verbindung der Liebe schaffen und vermitteln. Es solle sich mit der Realität befassen und einfach sein, ohne zu vereinfachen. “Ich bin nur ein Arbeiter", sagt er.” Ich tue, was ich kann.” 

Als junger Mensch hatte er sich nie getraut, sich selbst oder seinen Eltern gegenüber zuzugeben, dass er Künstler werden wollte. Also ging er auf eine Hotelfachschule. Dort gründete er mit zwei Freunden die Truppe Les trois Horaces, mit der er schliesslich als Profi auftrat. 12 Jahre lang gingen sie gemeinsam auf Tournee und traten über 70 Mal im Fernsehen auf. Aber er suchte nach wie vor nach Sinn für sein Leben.

Das änderte sich während eines Urlaubs in der Bretagne, als er in einer Zeit des emotionalen Aufruhrs den Sonnenuntergang im Meer beobachtete und ein Gefühl der Gewissheit erhielt. “Gott existiert", sagt er. “Ich bin ihm begegnet. Er war für mich da.”

Er merkte, dass sein neuer Glaube nicht automatisch die seit langem bestehenden Beziehungsprobleme in seiner Arbeit und mit seiner Mutter löste, die er zwar liebte, mit der er aber ständig stritt. 

Erst als er bei seinem ersten Besuch im Konferenzzentrum in Caux ein Theaterstück sah, fand er seinen Lebenssinn. „Es war, als ob ich das Kreuz auf der Bühne sähe. Es war ein Ruf, den Menschen ein leuchtendes Kreuz zu vermitteln.“ Er stellte die Beziehung zu seiner Mutter wieder her und sie fand ebenfalls einen Glauben. 

Dann baten ihn Freunde, in der Musik-Revue Anything to Declare?  (Bitte hinauslehnen) mitzuspielen, die ihn nach Indien führte. Er sagte zu, obwohl es nicht leicht war, so lange von seiner Frau, einer Violinistin, sowie von seinem Sohn und seiner Tochter getrennt zu sein. 

 

Image
Michel Orphelin (centre left) with Georg Hartl, Chris Gill, Jean-Marc Ducker, Peter & Rosemary Thwaites, 1974
Michel Orphelin (Mitte links) bei einem Auftritt in Caux, 1974

 

Von dieser Tournee bleibt ihm in lebhafter Erinnerung, wie ein junger Mann nach einer Aufführung im Gespräch mit einem der Darsteller mitteilte, dass er seinen Plan aufgegeben habe, die Person zu töten, die er für den Tod seines Cousins verantwortlich machte. Er war von einem Sketch bewegt worden, der die Erfahrung der Vergebung von Irène Laure dramatisierte. Nur wenige Schauspielende können wie Orphelin behaupten, sie hätten in einer Produktion mitgewirkt, die ein Leben gerettet hat.

Nur wenige Schauspielende können wie Orphelin behaupten, sie hätten in einer Produktion mitgewirkt, die ein Leben gerettet hat.

Poor Man, Rich Man war von Hugh Steadman Williams, einem britischen Dramatiker und IofC-Mitarbeiter speziell für Orphelin geschrieben worden. Michel führte das Stück in den 1980er Jahren in einem Dutzend Ländern auf und brachte es in den Sommermonaten öfters nach Caux zurück.

Hugh S Williams
Hugh S. Williams
Michel Orphelin Poor man rich man programme
Faltblatt von Poor Man,
Rich Man

Die Tourneen hatten mit ihren häufigen Reisen und langen Nächten auch ihre heiteren Momente. In einer kleinen Stadt bestellte der musikalische Leiter ein Klavier bei einem Musikgeschäft und musste bei der Lieferung feststellen, dass einige Saiten gerissen waren. “Aber sind Sie absolut sicher, dass Sie diese Noten spielen müssen?" fragte der Lieferant. 

Wo auch immer das Stück aufgeführt wurde, berührte es die Menschen tief. Nach einer Aufführung sagte eine Nonne: "Sie haben mir geholfen, meine Berufung zur Armut wiederzuentdecken." 

In Belgien kam ein Ehepaar mit einem Dilemma zu ihm. Sie hatten drei Kinder adoptiert - sollten sie ein viertes adoptieren? Einige Nächte später waren die beiden in einer anderen, mehrere hundert Kilometer entfernten Stadt wieder da. Sie hatten den Sprung gewagt, sagten sie, aber statt eines Kindes hatte man sie gebeten, einen Bruder und seine Schwester zu adoptieren. Sie wollten sie nach dem heiligen Franziskus und seinem weiblichen Gegenstück, der heiligen Klara, benennen.   

 

Michel Orphelin scene from Poor Man, Rich Man
Szene aus Poor Man, Rich Man

 

Wie der Heilige, den er darstellte, war sich Michel Orphelin immer über den Ursprung seiner Gabe im Klaren. Deshalb sei er nie so töricht gewesen, erklärt er, sich einzubilden, er sei selbst das die Quelle.

“Wer bin ich, dass ich Menschen so berühre?" fragte er sich. “Ich bin nur ein Rohr, durch das das lebendige Wasser des Schöpfers zu einem durstigen Publikum fliesst. Alles, was ich tun kann, ist versuchen, ein sauberes Rohr zu sein. Rohre sind wichtig, aber es sind nur Rohre.” 

 

Lesen Sie das französische Drehbuch von Poor Man, Rich Man

Entdecken Sie das Programm von Poor Man, Rich Man

Lesen Sie einen Artikel über das Stück

 

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Sehen Sie sich ein Video des Stücks an (1985)

 

 

Michel Orphelin beim Theaterspielen in Caux  (6"00')

 

 

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Diese Geschichte ist Teil unserer Serie "75 Jahre der Geschichten" über Einzelpersonen, die durch Caux eine neue Richtung und Inspiration für ihr Leben gefunden haben - eine Geschichte für jedes Jahr von 1946 bis 2021. Wenn Sie eine Geschichte kennen, die sich für diese Serie eignet, leiten Sie Ihre Ideen bitte per E-Mail an John Bond oder Yara Zhgeib. weiter. Wenn Sie mehr über die Anfangsjahre von Initiativen der Veränderung und das Konferenzzentrum in Caux erfahren möchten, klicken Sie bitte hier und besuchen Sie die Plattform For A New World.

 

  • Video Soleil en pleine nuit (Armer Mann, reicher Mann), Westminster Productions,1985: Initiativen der Veränderung
  • Foto Michel oben im Artikel: David Channer
  • Alle anderen Fotos und Faltblatt: Initiativen der Veränderung
  • Film Caux 1980: Initiativen der Veränderung
  • Korrekturlesung: Maya Fiaux

 

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1988: Joe Hakim und Marie Chaftari: "Ich bin kein Opfer”

Von Mary Lean

10/09/2021
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Von Mary Lean

 

Der Sommer 1988 in Caux begann mit einem Mittelmeerdialog, an dem Menschen aus der ganzen Region teilnahmen, gefolgt von einem 10-tägigen Trainingskurs für junge Leute. Eine der grössten Gruppen, die an diesen Veranstaltungen teilnahm, kam aus den christlichen und muslimischen Gemeinschaften des Libanon, die sich seit 1975 im Bürgerkrieg befanden. 

Schon die Anreise zum Flughafen, um in die Schweiz zu fliegen, war mit Gefahren verbunden. “Ich musste mehrere Kontrollpunkte passieren, und einige von ihnen gehörten unseren so genannten 'Feinden'", erinnert sich Joe Hakim, der damals 22 Jahre alt war. “Das war für mich nicht ungefährlich. Aber ich war überzeugt, dass ich dorthin musste, weil Initiativen der Veränderung (IofC) begonnen hatten, mein Leben zu verändern.

 

Joe Hakim (dritter von links) mit libanesischen Studierenden und Ramez Salamé (links) in Caux

 

Für Joe war es die erste Reise ausserhalb des Libanons.  Teilnehmende aus vielen Ländern wurden Teil seines Freundeskreises. “Wenn man aus einer Kriegssituation kommt, hat man das Gefühl, man sei der Mittelpunkt der Welt. Aber ich fing an, die Dinge anders zu sehen. Der Libanon und ich standen nicht mehr im Zentrum. Mir wurde klar, dass ich mich nicht selbst zu bemitleiden brauchte. Ich bin kein Opfer. Vielmehr trage ich selbst Verantwortung.”

Mir wurde klar, dass ich mich nicht selbst zu bemitleiden brauchte. Ich bin kein Opfer. Vielmehr trage ich selbst Verantwortung.

In Caux lernte Joe einen muslimischen Libanesen, Munir Al Khatib, kennen. “Als wir nach Hause kamen, begannen wir mit unserm Freundeskreis Brücken zu bauen. Das war auf vielen Ebenen riskant. Wir brachten Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und aus verschiedenen Gemeinschaften zusammen, um die andere Person zu entdecken, die irgendwann einmal der Feind gewesen war.” 

 

Joe Hakim 1988 Caux Joe in red pullover
Joe (links) in Caux, 1988

 

Für Marie Chaftari fiel der Besuch in Caux in eine dunkle Zeit ihres Lebens. Zehn Jahre lang war sie Kommunikationsbeauftragte der christlichen Miliz gewesen und ihr Mann Assaad hatte als stellvertretender Leiter der Geheimdiensteinheit gewirkt. Dann wurden sie 1985 durch eine Spaltung der christlichen Miliz gezwungen, Beirut mit ihrem kleinen Sohn zu verlassen. “Über Nacht galten wir nicht mehr als Helden, sondern als Verräter,” sagt sie. Sie verloren ihre Wohnung und lebten unter Fremden, in ständiger Angst ermordet zu werden.

1988 wurde Marie von einem Priester gefragt, wann sie das letzte Mal zur Beichte gegangen sei. “Was habe ich denn zu beichten?" erwiderte sie schnippisch. “Ich bin das Opfer,” und sie erzählte ihm, wie viel sie für die Sache der Christen im Libanon geopfert hatte. Er entgegnete: "Und wie steht es mit der Liebe? Die einzig wichtige 'Sache' ist die Liebe." “Da hat sich etwas in mir verändert, und ich fing an zu weinen.”

Diese Begegnung führte dazu, dass Marie mit ihrem dreijährigen Sohn im Sommer nach Caux kam. “Dort habe ich zu mir selbst zurückgefunden," sagt sie. “Ich fragte mich: Wie kann ich Christin sein und hassen? Ich begann, meine Einstellung zu überdenken.”

Zurück im Libanon wirkte sich die Veränderung von Marie auch auf ihren Mann Assaad aus. Er ging zu einem IofC-Treffen mit einer unter seinem Gürtel versteckten Waffe und zwei Leibwächtern, die draussen warteten. Das Treffen war eine Herausforderung für ihn, auf sein Leben zurückzublicken. “Alles, was ich sah, war ein Weg voller Blut.”

 

Assaad Chaftari Fighters of Peace
Assaad Chaftari im Gespräch mit jungen Menschen bei einer Veranstaltung von Fighters for Peace

Zwei Jahre später nahm Assaad an seinem ersten Dialog mit Musliminnen und Muslimen teil. Bei seiner Ankunft war er mit einer Liste von Anklagen bewaffnet - und stellte mit Verblüffung fest, dass ein Muslim eine noch längere Liste mitgebracht hatte. “Bei diesen Treffen habe ich viele Dinge entdeckt. Ich erfuhr, dass die Musliminnen und Muslime echte Namen trugen, dass sie Familien, Träume und Erwartungen hatten und dass wir uns, auch wenn wir nicht dieselbe politische Meinung vertraten, zumindest gegenseitig respektieren konnten.”

Ich erfuhr, dass die Musliminnen und Muslime echte Namen trugen, dass sie Familien, Träume und Erwartungen hatten und dass wir uns, auch wenn wir nicht dieselbe politische Meinung vertraten, zumindest gegenseitig respektieren konnten.

Im Jahr 2000 schrieb Assaad in den libanesischen Medien einen offenen Brief, in dem er sich für seine Rolle bei den Gräueltaten während des Bürgerkriegs entschuldigte. Die New York Times bezeichnete ihn als den einzigen Hauptbeteiligten des libanesischen Bürgerkriegs, der sich "wirklich entschuldigt" habe. Er und andere ehemalige Kämpfer, sowohl aus dem muslimischen als auch christlichen Lager, gründeten die Organisation Fighters for Peace (Kämpfer für den Frieden), die junge Menschen davon überzeugen will, dass Krieg nicht der richtige Weg ist.

 

Image
Marie Chaftari (centre) with women from Linaltaki (and a visitor)
Marie (Mitte) und Lina Hamade (zweite von links) mit Frauen aus Linaltaki und Mary Lean (zweite von rechts)

 

Vor 1988 war für Marie "anders" ein anderes Wort für "Musliminnen und Muslime". Jetzt ist die schiitische Muslimin Lina Hamade eine ihrer besten Freundinnen. Gemeinsam gründeten sie Linaltaki ("Lass uns zusammenkommen"), eine Organisation, die Frauen zusammenbringt und Sommerlager für Kinder aus verschiedenen Gemeinschaften veranstaltet. 

Auch Joe Hakim hat sein Leben dem Brückenbau gewidmet. Heute ist er Betriebsleiter eines grossen Unternehmens, das sich mit intellektuellem Eigentum befasst, und er sagt, dass er durch seine freiwillige Mitarbeit im Speisesaal von Caux gelernt habe, was dienendes Leadership bedeute.

 

Joe Hakim addressing students in Lebanon in 2019
Joe spricht zu Studierenden im Libanon, 2019

 

“Ich habe gelernt zu unterstützen, zu helfen, zu dienen, zuzuhören, zu verstehen und wertzuschätzen, und habe entdeckt, wie man mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, aus verschiedenen Gemeinschaften,  Altersgruppen und Generationen und mit anderen Meinungen zusammenarbeitet.” Er fühlt sich besonders dazu beauftragt, jungen Menschen zu helfen, ihren Lebenssinn zu finden. “Ich biete meine Freundschaft, meine Kameradschaft an - und das hilft gleichzeitig auch mir.”

In den dunklen Tagen, die der Libanon heute erneut durchmacht, entfachen Flammen wie diese, die in Caux im Laufe der Jahre entzündet wurden, Funken der Wärme, der Hoffnung und des Lichts. 

Ich habe gelernt zu unterstützen, zu helfen, zu dienen, zuzuhören, zu verstehen und wertzuschätzen. Ich biete meine Freundschaft, meine Kameradschaft an - und das hilft gleichzeitig auch mir.

 

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Diese Geschichte ist Teil unserer Serie "75 Jahre der Geschichten" über Menschen, die durch Caux eine neue Richtung und Inspiration für ihr Leben gefunden haben - eine Geschichte für jedes Jahr von 1946 bis 2021. Wenn Sie eine Geschichte kennen, die sich für diese Serie eignet, leiten Sie Ihre Ideen bitte per E-Mail an John Bond oder Yara Zhgeib. weiter. Wenn Sie mehr über die Anfangsjahre von Initiativen der Veränderung und das Konferenzzentrum in Caux erfahren möchten, klicken Sie bitte hier und besuchen Sie die Plattform For A New World.

 

  • Fotos Marie, Linaltaki, Kämpfer für den Frieden: John Bond (Foto oben: Marie Chaftari (rechts) mit Iman Al Ghafari aus Syrien und Lina Hamade).
  • Alle anderen Fotos: Joe Hakim
  • Korrekturlesung: Maya Fiaux

 

 

 

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1987: Mutter Park Chung Soo - "Eine neue Tür begann sich zu öffnen"

Von Mary Lean

09/09/2021
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Von Mary Lean

 

Mother Park with Silvia Zuber in Caux
With Silvia Zuber in Caux

Mutter Park Chung Soo, eine buddhistische Nonne aus Won, wurde als "Mutter Teresa von Südkorea" bezeichnet. Sie war bereits in der humanitären Arbeit in Korea tätig, als sie 1987 nach Caux kam, aber eine Begegnung dort gab ihrer Berufung eine neue Dimension.

35 Jahre lang, von 1910 bis 1945, war Korea von Japan besetzt. Mutter Park wurde 1937 geboren und hatte schmerzhafte Erinnerungen an Japans Versuche, die koreanische Kultur auszulöschen. "Wir durften unsere eigene Sprache nicht benutzen", sagte sie. Wir mussten unseren Familiennamen ändern. Wir arbeiteten hart auf den Feldern, aber es war uns nicht erlaubt, das zu essen, was wir produzierten. Stattdessen mussten wir Tannenzapfen und die Schalen der Bohnen essen."

Als sie in Caux ankam, war Mutter Park gerührt von der Sorgfalt, mit der ihre Schweizer Gastgeberin, Sylvia Zuber, ihr Zimmer mit Blumen, Schokolade und Karten gestaltet hatte. "Ich konnte mit meinem ganzen Körper spüren, dass Sylvia dies alles mit ihrer Liebe für uns vorbereitet hatte", schrieb sie später.

Sylvia überredete Mutter Park zu einem Mittagessen mit zwei jungen Japanern, Kiyoshi Nagano und Yuki Miura.“Kiyoshi Nagano versuchte, koreanisch zu sprechen", erinnerte sie sich. "Seine Haltung beseitigte den Hass in meinem Herzen."

„Unter Tränen erzählte sie uns von all dem Leid, das sie während der japanischen Kolonialisierung Koreas durchgemacht hatte", erinnert sich Kiyoshi. "Ich übersetzte für meinen japanischen Freund. Wir fingen alle an zu weinen. 'Diese Tränen haben meine Bitterkeit weggespült', sagte sie zu uns."

Seine Haltung beseitigte den Hass in meinem Herzen.

"Die beiden jungen Japaner baten um Vergebung für die Fehler ihrer Vorfahren, als hätten sie sie selbst begangen", schrieb Mutter Park später. Sie erkannte, dass es sie schmerzte, sie verletzt zu haben. Eine neue Tür begann sich für eine enge Bruder-Schwester-Beziehung zu öffnen

Mutter Park war im Alter von 19 Jahren in den buddhistischen Won-Orden eingetreten: "Als ich neun Jahre alt war, sagte mir meine Mutter immer, dass ich mein ganzes Leben lang Menschen helfen solle", sagte sie. 'Das war meine Berufung. Dieser Weg war schön, wenn auch nicht einfach.'

Im Jahr 2010 wurde sie für den Friedensnobelpreis nominiert und schaffte es unter die ersten zehn von 237 Kandidatinnen und Kandidaten. Über die Relief Foundation, die ihren Namen trägt, leistet sie humanitäre Arbeit in 55 Ländern. 

Als ich neun Jahre alt war, sagte mir meine Mutter immer, dass ich mein ganzes Leben lang Menschen helfen solle. Das war meine Berufung. Der Weg war schön, wenn auch nicht einfach.

Mother Park book launch 2015 in Korea
Mit Kiyoshi Nagano in Korea im Jahr 2015

 

In Korea konzentrierte sich ihre Arbeit auf die Schulung von Blinden, um sie für ein unabhängiges Leben vorzubereiten, auf die Unterstützung von Leprakranken im katholischen Dorf St. Lazarus und die Einrichtung von zwei Internaten - eines für Jugendliche, die von den Regelschulen ausgeschlossen wurden - und das andere für Jugendliche, die aus Nordkorea geflohen waren.

Sie besuchte Nordkorea dreimal, um sich aus erster Hand ein Bild von den dortigen Lebensbedingungen zu machen und sandte Hilfsgüter an Flutopfer und Flüchtlinge. 

 

Mother Park Cambodia Landmine Remove
Mother Park (zweite von links) in Kambodscha bei einer Landminenräumung

 

Als Kambodscha den jahrzehntelangen Krieg hinter sich liess, sammelte sie 100.000 US-Dollar für die Beseitigung von Landminen, schickte viele Containerladungen mit Kleidung und Medikamenten und finanzierte Wasserpumpen und Brunnen. Sie arbeitete mit dem Roten Kreuz zusammen, um den Opfern von Landminen in Afghanistan künstliche Gliedmassen zu verschaffen, und schickte medizinische Hilfsgüter in 15 afrikanische Länder.

 

Mother Park in Ladakh
Bei einer Zeremonie in Ladakh
Mother Park Ladakh
Besuch der Internatsschule in Ladakh

1992 gründete sie in Ladakh in Nordindien ein Internat für Schülerinnen und Schüler, die zuvor Hunderte von Kilometern in den Süden reisen mussten, um dort eine Ausbildung zu erhalten, und daher gezwungen waren, für lange Zeit von ihren Eltern getrennt zu sein. Im Jahr 2017 wurde die Schule von 835 Schülerinnen und Schüler besucht.

Obwohl Ladakh einer der grössten Distrikte Indiens ist, gab es nur ein öffentliches Krankenhaus in der Hauptstadt Leh. Die Patienten wurden oft nach Delhi oder Chandigarh überwiesen - eine lange und teure Reise, die sich nur wenige leisten konnten. Im Jahr 1996 stellte Mother Park die ersten Mittel für ein gemeinnütziges Krankenhaus zur Verfügung, das Patientinnenund Patienten in Leh versorgt und medizinische Hilfe in abgelegenen Dörfern anbietet. 

Ihre Erfahrungen in Caux liessen Mutter Park erkennen, was Japan und Korea gemeinsam der Welt geben könnten. Sie sagte bei der Konferenz von Initiativen der Veränderung 2002 in Japan: "Wenn sowohl Menschen aus Korea als auch aus Japan ihre Herzen öffnen, könnten wir gute Freundinnen und Freunde werden. Es wäre wunderbar, wenn unsere beiden Länder bei der Friedenskonsolidierung in Entwicklungsländern enger zusammenarbeiten könnten." Ihre Rede inspirierte junge Menschen aus Japan und Korean zu einem Projekt zur Förderung des Dialogs zwischen ihren Altersgenossinnen und Altersgenossen.

 

Sehen Sie ein Interview und Videoausschnitte mit Mutter Park (von Arirang auf YouTube)

 

 

Mit Beiträgen von Yeonyuk Jeong und Kiyoshi Nagano

 

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  • Fotos mit freundlicher Genehmigung von Yeonyuk Jeong, Kiyoshi Nagano und der Buddhist Relief Foundation der Ehrwürdigen Mutter Park Chung-Soo Won
  • Korrekturlesung: Tatjana Horbenko-Enomoto
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Die Reise zählt, nicht das Ziel.

CPLP Talks 7 – Innerer Frieden in Zeiten der Krise

06/09/2021
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CPLP Talks 7 – Innerer Frieden in Zeiten der Krise

 

Ein Jahr nach der verheerenden Explosion in Beirut treffen wir Zeinab Dilati (auch bekannt unter dem Namen Zee), die 2017, 2018 und 2019 am Caux Peace and Leadership Programme als Teilnehmerin, Expertin und Dozentin teilgenommen hat. Zee, die aus dem Libanon und von der Elfenbeinküste stammt, spricht mit uns aus Beirut.

 

Erzählen Sie uns etwas über die aktuelle Situation im Libanon.

Um ehrlich zu sein wird die Situation nicht besser. Sie verschlechtert sich immer mehr, da die Grundversorgung mit Strom, Medikamenten, Transportmitteln und lebenswichtigen Produkten nicht gewährleistet ist. Ich vermisse das normale Leben. Wenn man in der Stadt unterwegs ist, sieht man, dass die Menschen deprimiert sind. Die meisten haben die Hoffnung verloren und geben sich mit allem zufrieden. Wir haben uns daran gewöhnt, stundenlang an der Tankstelle oder in der Bäckerei anzustehen. Warum wird das als normal hingenommen? Die Explosion war der Anfang vieler Probleme. Die Dinge sind aus dem Ruder gelaufen, und wir befinden uns seitdem in einer Abwärtsspirale.

 

Das klingt wirklich hart. Wie gehen Sie persönlich mit dieser Krise um?

Ich fühle mich in vielerlei Hinsicht müde. Ich schlafe nicht gut, weil wir während der Hitzewellen Stromausfälle haben. Folglich bin ich bei der Arbeit nicht so produktiv, wie ich sein könnte. Ich fühle mich auch ein wenig isoliert von allem: Früher habe ich jedes Wochenende meine Familie im Südlibanon besucht. In letzter Zeit konnte ich das nicht mehr so oft, weil der Verkehr kaum funktioniert. Geistig fühle ich mich wie in einem schwarzen Loch, als ob ich feststecke. All meine Träume, Pläne und Ambitionen scheinen im Moment unerreichbar zu sein. Wie sollen wir unsere Träume verfolgen, wenn wir uns täglich fragen müssen: „Kann ich heute überhaupt zu meinem Arbeitsplatz kommen?“

 

Gelingt es Ihnen, inmitten dieses Chaos, eine Art inneren Frieden zu finden? Was sind die Dinge, die Ihnen helfen, zur Ruhe zu kommen?

Letzte Woche hatten wir einen 36-stündigen Stromausfall. Wir sassen im Dunkeln, konnten unsere Telefone nicht aufladen und mussten alle Lebensmittel im Kühlschrank wegwerfen. Mein Partner und ich zündeten Kerzen an und betätigten uns künstlerisch, weil wir sonst nichts zu tun hatten. Irgendwann sahen wir uns an und merkten, dass das irgendwie romantisch war! Das war ein schöner Moment, der mich glücklich machte.

Im Alltag helfen mir Meditation und Atemtechniken. Ausserdem versuche ich, so viel Schlaf wie möglich zu bekommen. Ich praktiziere auch Zeiten der Stille. Im letzten Monat hatte ich einige tiefgehende und besondere stille Momente, die mir sehr gut getan haben. Andererseits hilft es mir auch sehr, Sitcoms zu schauen. Sie bringen mich auf andere Gedanken und auch zum Lachen. Es ist sehr wichtig zu lachen!

Ich muss diese Praktiken konsequent anwenden, denn selbst wenn ich zuversichtlich oder motiviert bin, dauert es nicht lange, bis die Realität zurückschlägt. Es ist so schwierig, in dieser Krise positiv zu bleiben und inneren Frieden zu finden. Ich frage mich auch: Können wir überhaupt jemals inneren Frieden erlangen? Ich habe das Gefühl, dass es eher eine Reise ist und kein Ziel, und ich bin auf dieser Reise unterwegs.

 

Gibt es Erfahrungen aus Ihrer Zeit in Caux, die Ihnen helfen, Frieden zu finden?

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit Rainer Gude in Caux. Ich erzählte ihm, dass ich Angst davor habe, Entscheidungen zu treffen, wenn ich nicht weiss, was als nächstes auf mich zukommt. Er sagte etwas, das mir im Gedächtnis geblieben ist. Er erklärte mir, dass die Zee von heute eine Reise durch das Lebens macht. Sie hat ein bestimmtes Ziel. Um dieses Ziel zu erreichen, kann sie einen kurzen, einfachen Weg gehen. Aber manchmal geschehen Dinge, die sie dazu zwingen, einen längeren, schwierigeren Weg zu gehen. Das bedeutet nicht, dass sie das Ziel, das sie am Anfang im Auge hatte, nicht erreichen wird. Heute weiss ich, dass man auf schwierigen Wegen mehr Erfolgserlebnisse haben kann und sich als Person weiterentwickelt.

 

Haben Sie aus Ihren Erfahrungen in Bezug auf den inneren Frieden in schwierigen Zeiten etwas mitnehmen können, das Ihnen auch zukünftig helfen kann?

Ich habe gelernt, mein Bestes zu geben, in der Gegenwart zu leben, gut zu mir selbst zu sein und dafür zu sorgen, dass ich in guter Verfassung bin. Denn nur dann kann ich hinausgehen und anderen helfen. Man kann nicht aus einem leeren Becher schöpfen. Um in dieser Krisensituation inneren Frieden zu finden, müssen wir uns viel mehr Zeit für uns selbst nehmen und diesen Frieden dann auch weitergeben.

 

 

Zeinab Dilati

Zeinab Dilati, alias Zee, ist feministische Aktivistin, Psychosozial-Betreuerin und Mentorin. Sie ist seit zwei Jahren Teil des CPLP-Dozenten-Teams. Sie ist der Meinung, dass Caux einer der besten Orte der Welt ist, um Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund einen sicheren Raum zu bieten, in dem sie sich austauschen, zuhören, einander verstehen und voneinander lernen können. Sie ist davon überzeugt, dass der Schlüssel, eine grosse Führungspersönlichkeit zu werden, darin liegt, empathisch und engagiert aufzutreten, sei es auf persönlicher Ebene oder in unserem Umfeld.

 

 

 

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Wenn Sie jungen Menschen aus der ganzen Welt zuhören und sich mit ihnen über Erfahrungen zum Thema „Innerer Frieden in Zeiten der Krise“ austauschen möchten, dann kommen Sie zu unseren nächsten Caux Peace and Leadership Programme Talks (CPLP Talks) am Samstag, 18. September 2021, um 13 Uhr MEST.

 

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1986 - Arbeitswoche: Ein Facelift für den Caux Palace

06/09/2021
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Als die Planungen für die Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen des Konferenzzentrums von Initiativen der Veränderung in Caux begannen, fing Eliane Stallybrass an zu träumen. Im Jahr 1946 hatten die Pioniere von Caux freiwillig ihre Zeit und Energie zur Verfügung gestellt, um das heruntergekommene Hotel für die ersten Konferenzen herzurichten. Könnte die jüngere Generation diese Erfahrung noch einmal machen, indem sie halfen, das Haus für den Sommer 1986 in Schuss zu bringen?  

Die beiden für den Unterhalt des Hauses verantwortlichen Männer, Werner Fankhauser und Christoph Keller, nahmen diese Idee begeistert auf und über Ostern 1986 trafen 63 Personen in Caux ein, um mit der Arbeit zu beginnen. Die Initiative war so erfolgreich, dass diese sogenannten Arbeitswochen viele Jahre lang mit Teilnehmenden aus ganz Europa fortgesetzt wurden.

 

Work Week 1986
Das Organisationsteam bespricht die Arbeit des nächsten Tages

 

Helene Schäfer (damals Pick) erinnert sich: 

Helene Pick Schäfer 2021

Im Jahr 1986 war der Caux Palace - die vornehme Dame mit dem grossen Herzen - in die Jahre gekommen. Jahrzehntelang hatte sie Geschichte miterlebt. Es gab dort gemütliche Ecken zum Nachdenken und zur Selbstverwirklichung. Sie bot einen offenen Raum für Diskussionen und manchmal lebensverändernde Entscheidungen. Und nun brauchte sie Hilfe, um würdig neue Schritte zu gehen.

Ich befand mich in meinen letzten Jahren im Internat und hatte Zeit und Energie, meine Ferien damit zu verbringen, bei dieser Mission zu helfen. Ich tat mich mit fünf Klassenkameradinnen zusammen und wir machten uns auf den Weg. Wir hatten keinerlei Erfahrung, aber eine Menge Enthusiasmus. Wir kletterten auf Leitern, bohrten und strichen, schliffen und schraubten. Und wir hatten jede Menge Spass. 

Wir unterhielten uns mit Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Meine Eltern hatten über 20 Jahre lang hauptberuflich für die Moralische Aufrüstung (jetzt Initiativen der Veränderung) gearbeitet. Ich wusste also, worauf ich mich einliess. Meine Freundinnen aber führten echte Gespräche in Sprachen, von denen sie niemals gedacht hätten, sie jemals ausserhalb des Klassenzimmers anzuwenden. Der Geist von Caux hat also gewirkt, auch wenn wir nicht auf der Terrasse sassen und an einer Tasse Tee nippten. 

Der Geist von Caux hat also gewirkt, auch wenn wir nicht auf der Terrasse sassen und an einer Tasse Tee nippten.

Work Week 1986 sewing
Fleissige Näherinnen arbeiten an der für die Konferenzen benötigten Wäsche

 

Allerdings waren nicht alle meine Freundinnen von den Ideen der Moralischen Aufrüstung angetan. Aber wenn man in Caux ist, muss man sich mit sich selbst auseinandersetzen, ganz gleich, wohin das führt. Es ist immer gut, dies in einer schönen Umgebung zu tun, in der man seinen Geist beflügeln lassen kann. Wir brauchen diese inspirierenden Orte, an denen man Ruhe findet, um die wichtigen Fragen des Lebens zu stellen, nach Antworten zu suchen und uns offen auszutauschen. Je älter ich werde, desto mehr schätze ich dies. 

 

Annette Overdijking and Andrew Stallybrass Work week 1986
Renovierung der Fassade des Caux Palace

 

Ulrike Chanu (damals Ott) erinnert sich:

Ich bin in Deutschland in einem kleinen Dorf auf dem Land aufgewachsen. Meine Eltern haben nie eine Fremdsprache gelernt und nie das Bedürfnis zu reisen verspürt. Aber ich erinnere mich, wie ich als Kind immer unseren Globus drehte und von all den exotischen Orten und Menschen dort draussen träumte.

Work Week 1986 benches
Vorbereitung der Bänke auf der Promenade

Als ich 18 Jahre alt war, erzählte mir Helene, eine meiner engsten Schulfreundinnen, von einem Tagungszentrum in den Schweizer Bergen, in dem ihre Eltern gearbeitet hatten und wohin wir umsonst gehen konnten, um die Gebäude für den Sommer vorzubereiten. Ausland klang gut, kostenlos klang grossartig, und so fuhren wir im April 1986 los. 

In meiner ersten Nacht lag ich stundenlang wach. Mein Gehirn war völlig überlastet - die erstaunliche Schönheit des Caux Palace, die atemberaubende Aussicht, so viele freundliche Menschen und verschiedene Sprachen. Und ich mittendrin. Es fühlte sich an, als hätte sich eine ganz neue Welt aufgetan.

Die Arbeitswoche war harte Arbeit. Wir haben damals gefühlt Hunderte von Eisenstühlen auf der Terrasse abgeschliffen und gestrichen. Aber es gab auch viele schöne Momente, in denen wir uns unterhielten, während wir die Pinsel schwangen.

Obwohl es eine nette Gruppe von jungen Menschen war und wir viel Spass hatten, war es die Begegnung mit einem älteren Schweizer, die meine Vorstellung von Caux wirklich geprägt hat. 

Von aussen betrachtet hatte er nicht viel mit uns gemeinsam. Er hatte gesundheitliche Probleme und ich glaube, er war nicht einmal Teil des "offiziellen" Arbeitsteams. 

Aber er war immer da, im Hintergrund, und nahm sich Zeit, um mit uns zu sprechen. Wir spürten sein tiefes und aufrichtiges Interesse an dem, was wir zu sagen hatten. Rückblickend wird mir klar, was für ein wertvolles Geschenk er einem Haufen 18-Jähriger gemacht hat. Er schrieb uns noch viele Jahre lang, bis er starb.

 

Work Week 1986
Dreisprachiges Schachspiel nach einem langen Arbeitstag

 

Diese erste Arbeitswoche in Caux war der Beginn vieler verschiedener Kapitel in meinem Leben. Sie hat meinen Horizont erweitert und erstaunliche Freundschaften entstehen lassen. Später übersetzte ich von den Dolmetscherkabinen aus, arbeitete während der Sommerkonferenzen hinter den Kulissen und fühle mich Caux nach wie vor sehr verbunden. Auch fünfunddreissig Jahre später inspiriert mich dieser Ort immer noch jedes Mal, wenn ich den Berg hinauffahre.

Es ist auch der Ort, an dem ich meinen Mann kennengelernt habe! Und ob Sie es glauben oder nicht, die Region in Frankreich, in der wir jetzt leben, heisst 'Pays de Caux'. (Land von Caux).

 

Work Week 1990
Ulrike Ott Chanu (zweite Reihe, erste von links) und ihr (Noch-nicht-)Ehemann Damien (zweite Reihe, zweite von links) auf der Work Week 1990

 

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Diese Geschichte ist Teil unserer Serie "75 Jahre der Geschichten" über Menschen, die durch Caux eine neue Richtung und Inspiration für ihr Leben gefunden haben - eine Geschichte für jedes Jahr von 1946 bis 2021. Wenn Sie eine Geschichte kennen, die sich für diese Serie eignet, leiten Sie Ihre Ideen bitte per E-Mail an John Bond oder Yara Zhgeib. weiter. Wenn Sie mehr über die Anfangsjahre von Initiativen der Veränderung und das Konferenzzentrum in Caux erfahren möchten, klicken Sie bitte hier und besuchen Sie die Plattform For A New World.

 

  • Foto oben, Näherinnen und Bänke: Eliane Stallybrass
  • Foto Porträt Helene: Helene Schäfer
  • Alle anderen Fotos: Ulrike Ott Chanu
  • Korrekturlesung: Tatjana Horbenko-Enomoto

 

 

 

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