Menschen durch Musik verbinden

Maria de la Paz in Concert im Caux Palace

17/10/2023
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Maria de la Paz in Concert im Caux Palace

 

Fesselnde Lieder in drei Sprachen. Ein aussergewöhnlicher Ort. Und ein internationales Publikum verschiedenster Herkunft. Als Maria de la Paz und ihre talentierten Musiker am 13. September 2023 die Bühne des Theaters im Caux Palace betraten, liess ihr Auftritt niemanden gleichgültig.

Ihre Lieder, die sie vor mehr als 300 Zuhörenden vortrugen - darunter Vertretende des humanitären Sektors, lokaler Kulturvereine und Flüchtlinge - sprachen von Hoffnung, Leidenschaft, gemeinsamen Werten und Menschlichkeit, die über die Unterschiede unserer Herkunft und unseres Hintergrunds hinausgehen. Das Konzert war der Höhepunkt eines von Caux Initiatives of Change organisierten Abends, an dem auch Ansprachen von UNHCR und des Schweizer Vereins PAIRES über das Konzept der Gastfreundschaft für den Wandel und die Unterstützung und Integration von Menschen mit Migrationshintergrund gehalten wurden (mehr über unsere Zusammenarbeit hier).

 

Maria de la Paz 13 Sept 2023

 

Wendepunkte

Wenn man Maria de la Paz's Auftritt auf der Bühne sieht und ihre unbändige Energie und Ausstrahlung betrachtet, ist es schwer zu glauben, dass es ihr nicht in die Wiege gelegt wurde, Musikerin zu sein. Geboren in Argentinien als jüngstes von 7 Geschwistern, ging sie mit zweiundzwanzig Jahren nach Europa. Zu dieser Zeit war sie noch auf der Suche nach sich selbst und versuchte, ihren Platz im Leben zu finden.  Die Schweiz wurde zu einem Ankerpunkt auf ihren Reisen. Sie begann als Strassenmusikerin zu arbeiten, doch sie warr anfangs sogar zu schüchtern, um die Menschen um sie herum anzuschauen. Eines Tages blieb ein Mann stehen und sagte: "Sie singen sehr gut...aber wir können Sie nicht wirklich hören"!

Es war einer der Wendepunkte in ihrem Leben und Maria de la Paz ist überzeugt, dass es bestimmte Momente und Begegnungen mit Menschen gab - einige scheinbar zufällig, andere offensichtlicher -, die einen grossen Einfluss auf sie als Person und als Musikerin hatten:  "Ich spürte, dass das Leben mir Signale schickte, die mir zeigten, dass es eine Aufgabe gab, die ich erfüllen konnte. Dies gab mir eine Richtung, die ich erkunden konnte. Wenn ich singe, sehe ich anerkennende Blicke und höre die Leute sagen 'Danke', und ich antworte mit 'Nein, ich danke IHNEN!' Ich fühle mich wirklich wertvoll in dieser Welt."

 

Maria de la Paz 13 Sept 2023

 

Auf der Suche nach dem Funken

Auch heute noch tritt Maria de la Paz gerne in einem Rahmen auf, der ihr die Nähe zu ihrem Publikum ermöglicht, wie beispielsweise bei einem Unplugged-Konzert oder einem Festival, denn sie empfindet die natürliche Verbindung zu den Menschen um sie herum als eine zutiefst bereichernde Erfahrung. Und es ist diese Suche, Menschen zusammenzubringen, sie durch ihre Musik zu berühren, die heute im Mittelpunkt ihrer Arbeit als Künstlerin steht: "Wenn ich das Gefühl habe, dass ich den Menschen etwas zu geben habe, wird mein Selbstvertrauen gestärkt. Ich spüre Liebe, ein Gefühl, das immer stärker wird, und hier finde ich Freiheit. Wenn man auf der Bühne steht, hat man als Künstlerin das Bedürfnis zu spüren, dass man etwas zu geben hat. Und wenn ich das Gefühl habe, dass es eine Öffnung, einen Funken, eine Reflexion oder einfach ein Gefühl des Wohlbefindens im Publikum geben könnte - dann bin ich sehr dankbar!"

Der Funke sprang bei ihrem Konzert im Theater des Caux Palace auf jeden Fall über, wo sie das Publikum mit den poetischen Melodien und Texten der verstorbenen Künstlerin Lhasa de Sela in ihren Bann zog.

Für Maria de la Paz lebt Lhasas Vermächtnis in ihren Liedern weiter, die vom Leben, vom Anderen, von sich selbst und von der menschlichen Existenz erzählen: "Die Show existierte bereits, aber es war interessant zu sehen, wie sie zum Anlass des Konzerts in Caux passte. Wir haben nichts verändert, und ich hatte das Gefühl, dass es sehr zum Thema des Abends passte. Im Laufe des Konzerts spürte ich eine Logik in den Reaktionen des Publikums. Das ist schön, denn es macht einem klar, dass wir nicht allein sind und dass es so viel zu tun gibt."

Abschliessend sagt sie: "Die Menschheit war schon immer so, voller Widersprüche und Kontraste. Aber anstatt mich in Frustration und Hilflosigkeit zu ergehen, nutze ich meine Kreativität, um mich mit diesen Themen durch meine Musik auseinanderzusetzen."

 

Maria de la Paz 13 Sept 2023

 

Die Vergangenheit mit der Zukunft verbinden

Für Initiativen der Veränderung haben die Künste schon immer eine wichtige Rolle gespielt, wenn es darum geht, Menschen zu verbinden und Brücken über die Gräben unserer Welt zu schlagen. Unser Konzept der Gastfreundschaft für den Wandel zielt nicht nur darauf ab, den bestmöglichen Empfang und Service im Caux Palace zu bieten, sondern auch darauf, die Kraft des künstlerischen Ausdrucks zur Förderung von Verständnis, Versöhnung und positivem sozialem Wandel anzuerkennen. Die Botschaft von Maria de la Paz's Konzert entsprach genau diesen Werten. Wir freuen uns daher sehr, dass das Theater des Caux Palace weiterhin diesem Zweck dient und freuen uns darauf, weitere inspirierende Veranstaltungen anzubieten.

Wenn man auf der Bühne steht, hat man als Künstlerin das Bedürfnis zu spüren, dass man etwas zu geben hat. Und wenn ich das Gefühl habe, dass es eine Öffnung, einen Funken, eine Reflexion oder einfach ein Gefühl des Wohlbefindens im Publikum geben könnte - dann bin ich sehr dankbar!

Maria de la Paz

 

Von Ulrike Ott Chanu

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Sinn und Harmonie durch Musik und den Caux Palace

Von Tina Clifton

16/10/2023
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Von Tina Clifton

 

In einer Welt voller unterschiedlicher Kulturen und Sprachen ist die Reise der Musikerin Tsvetana Petrushina eine inspirierende Geschichte über die Suche nach der eigenen Bestimmung. Ihre bemerkenswerte Geschichte führte sie zum Caux Palace, wo sie Unterstützung, Inspiration und ein Zugehörigkeitsgefühl empfand, die ihr Leben veränderten.

Tsvetana 13 Sept 2023
Bei einem Auftritt bei den IDG-Workshops im September 2023

Frühe Jahre und eine Leidenschaft für Musik

Tsvetana wuchs in Russland auf und sie wurde schon früh von Musik geprägt. Da sie in einer musikalischen Familie aufwuchs, entwickelte sie ein feines Gehör für Musik und eine Leidenschaft für das Singen in verschiedenen Sprachen.

Tsvetana erhielt ein Stipendium für ein Studium an einem örtlichen Konservatorium. Während dieser Zeit hörte sie zwar die Noten, die sie so gerne singen wollte, doch ihre Stimme weigerte sie zu singen, so dass sie von Selbstzweifeln geplagt wurde, die durch die fehlende Unterstützung von Familie und Lehrenden noch verstärkt wurden.

Als sie das Konservatorium verliess, machte sie drei wichtige Entdeckungen, die zu ihrem Wandel beitragen sollten.

Zunächst vertiefte sie sich in Yoga und erforschte gleichzeitig den mongolisch-tibetischen Gesang. Diese Praktiken lehrten sie, in sich hineinzuhören, die Schwingungen und die Energie in ihrem Inneren zu spüren und schliesslich jene schwer fassbaren Noten zu finden, die sie so gerne singen wollte. Ihre dritte Entdeckung war die Jazzmusik, die ihr das nötige Gefühl von Freiheit gab.

Ihr Leben nahm eine unerwartete Wendung, als sie online einen Freund aus der Ukraine kennenlernte. Sie nutzte die Gelegenheit für Abenteuer und persönliches Wachstum und begab sich mit ihm auf eine Reise per Anhalter durch Russland und Belorus bis in die Ukraine, wo sie schliesslich heirateten. Auch wenn die Ehe scheiterte, war sie doch ein entscheidendes Kapitel in ihrem Leben.

 

Reise zum Caux Palace

Als der Krieg in der Ukraine ausbrach, fand Tsvetana ihren Weg in ein kleines Dorf nahe der ungarischen Grenze, da sie nicht nach Russland zurückkehren konnte, da ihr Leben nun in der in der Ukraine war. Sie suchte Zuflucht in einem Theater, wo sie zusammen mit 30 anderen Menschen lebte, während sie im Dorf ehrenamtlich arbeitete. In dieser Zeit erfuhr sie von einer Frau, die regelmässig Menschen bei der Ausreise in die Schweiz half, und nutzte diese Gelegenheit, ein neues Leben zu beginnen.  

Einige Wochen nach ihrer Ankunft in der Schweiz wurde Tsvetana der Flüchtlingsstatus zuerkannt, und sie beschloss, sich in Montreux niederzulassen. Für eine Musikliebhaberin war dies eine naheliegende Option. Es war eine sehr schwierige Zeit für sie, in der sie weiterhin von Selbstzweifeln über den Sinn ihres Lebens und ihre Zukunft geplagt wurde. 

Es war in einem dieser schlechten Momente auf der Suche nach Harmonie und Ausgeglichenheit, als Tsvetana sich an einem Sommertag im Caux Palace wiederfand. Nachdem sie die Person am Eingang überredet hatte, ihr einen kurzen Aufenthalt auf der Terrasse zu gestatten, konnte sie nicht widerstehen, sich auf dem Rückweg durch den Grossen Saal an den Flügel zu setzen. Sie dachte, sie sei allein und sang eines ihrer Lieder, aber ihre Musik fiel einer Teilnehmerin der Konferenz auf, die in dieser Woche von Hatch, einer Gemeinschaft von Innovierenden, die sich für eine bessere Welt einsetzen, in Caux veranstaltet wurde. Sie lud Tsvetana ein, an der Konferenz teilzunehmen.

 

Tsvetana in Caux summer 2023
Beim Caux Forum 2023

 

Der Caux Palace: Ein Ort der Transformation

Während der Hatch-Konferenz wurde den Teilnehmenden fünfmal die gleiche Frage gestellt: Warum sind Sie hier? Tsvetana erkannte, dass sie in Caux eine Familie gefunden hatte: ein vorurteilsfreies, fürsorgliches Umfeld mit Menschen, die sie ermutigten, sie selbst zu sein, war etwas, wonach sie sich gesehnt hatte.

Ignacio Packer, der Exekutivdirektor von Caux Initiativen der Veränderung, der ebenfalls an dem Treffen teilnahm, war von ihren Ausführungen sehr angetan und lud Tsvetana ein, in der Folgezeit mehrmals in den Caux Palace zurückzukehren, um ihre Musik und ihre Geschichte mit anderen zu teilen.

 

Tsvetana 13 Sept 2023

Eine harmonische Zukunft

Der Caux Palace wurde zur Kulisse für Tsvetanas persönlichen und kreativen Wandel. Hier fand sie einen Raum, in dem ihre Stimme gehört und ihre Ideen geschätzt wurden. Die Unterstützung, der Glaube und das Vertrauen in andere Menschen, die sie im Caux Palace fand, waren für ihre Reise entscheidend. "Es ist sehr seltsam, dass man den Menschen beibringt, an Gott zu glauben, aber nicht an sich selbst", sagt sie abschliessend.

Die Momente in Caux halfen ihr zu erkennen, dass man bei sich selbst beginnen muss, wenn man eine Veränderung in der Gesellschaft bewirken will. Diese tiefe Einsicht spiegelt die Prinzipien von Initiativen der Veränderung wider: Veränderung beginnt bei mir und persönliche Veränderung ist die Grundlage für einen globalen Wandel.

Tsvetana sieht nun einen Weg vor sich, auf dem sie Musik und Psychologie miteinander verbinden kann, um Menschen zu helfen, ihre eigene Stimme zu finden. Sie glaubt, dass wahre Harmonie nur erreicht werden kann, wenn die Seele im Einklang mit der Stimme ist. Ihre Geschichte erinnert uns daran, dass die Suche nach der eigenen Bestimmung und die Bereitschaft zur persönlichen Veränderung der Katalysator für die Schaffung einer besseren Welt sein können.

Es ist sehr seltsam, dass man den Menschen beibringt, an Gott zu glauben, aber nicht an sich selbst.

Tsvetana Petrushina

 

 

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Unser toter Winkel: Inneres Wachstum

Von Ignacio Packer, Geschâftsführer Caux Initiativen der Veränderung

12/09/2023
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Von Ignacio Packer, Geschâftsführer Caux Initiativen der Veränderung
 

Die Schaffung eines nachhaltigen Friedens ist eine der vier thematischen Prioritäten der Schweiz für die Amtszeit 2023-2024 als Mitglied des UNO-Sicherheitsrats (UNSC). Die Schweiz setzt sich für die Achtung der Menschenrechte und die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an Friedensprozessen ein.

In der Resolution 1325 des UNO-Sicherheitsrats wird bekräftigt, dass Friedens- und Sicherheitsbemühungen nachhaltiger sind, wenn Frauen gleichberechtigte Partnerinnen bei der Prävention von Gewaltkonflikten, bei Hilfs- und Wiederaufbaumassnahmen und bei der Schaffung eines dauerhaften Friedens sind. Bei der Umsetzung der Resolution hat es viele Erfolge, aber auch Rückschläge gegeben.

Um transformative Fortschritte bei der Agenda für Frauen, Frieden und Sicherheit zu erzielen, muss die historische Dominanz von Männern in Entscheidungsprozessen anerkannt und berücksichtigt und die Machtdynamik zwischen den Generationen angegangen werden. Die Neue Agenda für den Frieden, ein wichtiger Beitrag der Vereinten Nationen zur Vorbereitung des Gipfels der Zukunft im Jahr 2024, befasst sich mit diesem Anliegen. Investitionen in die Gleichstellung der Geschlechter und die Beseitigung aller Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen werden auch auf dem SDG-Gipfel der Vereinten Nationen am 18. und 19. September als bereichsübergreifende Initiative zur Beschleunigung der SDGs angekündigt. Es darf jedoch nicht dabei bleiben, diese Initiativen einfach nur zu erneuern.

 

CDES women Leela Channer
(Foto: Leela Channer)


Bedauerlicherweise bleibt die Kontinuität der progressiven Dynamik der WPS-Agenda ungewiss. Eine stärkere Beteiligung von Frauen an Friedenseinsätzen könnte sich als politisch populär erweisen, aber die absichtliche Zurückdrängung und der Mangel an Wissen untergraben die Unterstützung für andere Massnahmen der WPS-Agenda.

Die Caux Forum-Konferenz Vertrauen und Integrität in der Demokratie, die im Juli 2023 von Initiativen der Veränderung organisiert wurde, befasste sich mit dem Widerstand, unter dem demokratische Institutionen in vielen Teilen der Welt leiden. Die Diskussionen drehten sich um die Auswirkungen dieser Rückschlâge auf die Gleichstellung der Geschlechter und einen zukünftigen Frieden sowie um Strategien, um dem zunehmenden Widerstand gegen die Rechte der Frauen wirksam zu begegnen.

Der Klimawandel, die COVID-19-Pandemie und der Krieg in der Ukraine werden als Gründe für den mangelnden Fortschritt bei den SDGs genannt. Was uns aber auch fehlt, ist die innere Fähigkeit, mit unserer zunehmend komplexen Umwelt und den Herausforderungen umzugehen. Die Entwicklung der inneren Fähigkeiten, die wir alle für die Umsetzung brauchen, ist der Ausgangspunkt für die Inner Development Goals Initiative. Vertrauenswürdigkeit, Toleranz und Transparenz sind der Schlüssel zur Veränderung von Strukturen und zur Unterstützung der Wiederbelebung einer guten Regierungsführung und Integrität im öffentlichen Leben. Es ist leicht, diese Ziele zu propagieren. Viel schwieriger ist es, sie in die Praxis umzusetzen.

Wenn es um die Schaffung von Frieden und Sicherheit in der Welt geht, haben wir es mit einem toten Winkel zu tun - unseren kognitiven und emotionalen Fähigkeiten. Persönlicher und globaler Wandel gehen Hand in Hand. Jeder von uns hat die Macht und die Verantwortung, sich selbst zu reflektieren und sein Handeln mit seinen Werten in Einklang zu bringen. Als Mitglied des UNO-Sicherheitsrats wird die Schweiz hoffentlich eine führende Rolle bei der Unterstützung der Entwicklung relevanter Fähigkeiten, Fertigkeiten und Qualitäten für inneres Wachstum übernehmen. Dies ist der grösstmögliche Beschleuniger, um die SDGs, einen globalen Frieden und Sicherheit zu erreichen.

Mit Blick auf den 25. Jahrestag der Resolution 1325 im Jahr 2025 sollte die Schweiz diesen Beschleuniger in Betracht ziehen, um der Selbstgefälligkeit entgegenzuwirken, die auf der scheinbaren Popularität der WPS-Agenda beruht, und verstärkte Anstrengungen anregen, um die langfristige Nachhaltigkeit der Umsetzung der WPS-Agenda sicherzustellen.

 
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Ines Mokdadi 2023

Ines Mokdadi ist ausserordentliche Professorin für Englisch an der ISEAH (Fakultät für Englisch) in Tunesien, unabhängige Übersetzerin bei Universal Translation Services und Fulbright Foreign Language Teaching Assistant (FLTA) Alumna an der University of Notre Dame, USA (2020-2021).

Ines Mokdadi

Ines Mokdadi ist außerordentliche Professorin für Englisch an der ISEAH (Fakultät für Englisch) in Tunesien, unabhängige Übersetzerin bei Universal Translation Services und Fulbright Foreign Language Teaching Assistant (FLTA) Alumna an der University of Notre Dame, USA (2020-2021). Sie hat einen MA im Bereich der Angewandten Linguistik.

Ignacio Packer

Ignacio Packer ist seit 1. Mai 2023 Geschäftsführer von Caux Initiativen der Veränderung. Bis März 2023 war er Geschäftsführer von ICVA, einem globales Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen, das sich zum Ziel gesetzt hat, humanitäre Hilfe prinzipiengeleitet und effektiv zu gestalten, indem es gemeinsam und unabhängig arbeitet, um Politik und Praxis zu beeinflussen.

Ein Gefühl von Frieden

Eindrücke von der Emergent Future-Konferenz in Asia Plateau, Indien - Teil 2

25/04/2023
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Eindrücke von der Emergent Future-Konferenz in Asia Plateau, Indien - Teil 2

 

"Letztendlich bin ich Mensch und glaube an Gerechtigkeit für alle, die derzeit an den Rand gedrängt werden." Morenike Onajobi (28) setzt sich leidenschaftlich für den Wandel ein. Sie unterstützt und engagiert sich aktiv für eine Reihe humanitärer Anliegen, wie Frauenrechte, Gefängnisreformen sowie die Förderung und Gleichberechtigung von jungen Menschen mit sozioökonomisch schwachem Hintergrund. Morenike, die in London aufgewachsen ist und nigerianische Wurzeln hat, ist auf Arbeitsrecht spezialisiert und arbeitet für FTI Consulting als Geschäftspartnerin im Personalwesen. Darüber hinaus ist sie Sekretärin von Intermission Youth, jener Organisation, die sie 2012 mit IofC Schweiz in Kontakt brachte.

Morenike ist seit Mai 2020 Mitglied des Stiftungsrats von IofC Schweiz, nachdem sie als Trainerin für das Caux Peace and Leadership Programme tätig war. Im Januar 2023 nahm sie an der Konferenz Emergent Future: Rethinking our World Together im indischen IofC-Zentrum in Asia Plateau teil.

Morenike & Vivek Asia Plateau 2023 Emergent Future (credit: Morenike Onajobi)
Morenike (vorne) und Stiftungsratsmitglied Vivek Asrani in Asia Plateau (Foto: M. Onajobi)

Schade, dass ich Indien erst vor kurzem entdeckt habe, denn es ist wirklich ein wunderschönes Land. Das indische IofC-Zentrum Asia Plateau ist etwas ganz Besonderes. Wenn man an einem solchen Ort ankommt, verspürt man ein echtes Gefühl von Frieden und Ruhe. Man kommt an diesen erstaunlichen Ort, der seit den 1960er Jahren gepflegt und entwickelt wurde, wenn man den Hügel hinauffährt. Ich erinnere mich, dass ich bei meiner Ankunft den Eindruck hatte, einen friedlichen Garten zu betreten.

Ich entschied mich für die Teilnahme an der Konferenz Emergent Future: Rethinking our World together, weil ich ein zukunftsorientierter Mensch bin. Es ist immer interessant zu wissen, was auf uns zukommt, was in der Welt geschieht, wer zu sich selbst findet, wer merkt, dass diese Person ein Juwel, ein Verbündeter oder eine Verbündete, eine Führungspersönlichkeit wird.

Ich denke oft, dass wir als Gemeinschaft dazu neigen, uns mit den Fehlern der Vergangenheit zu beschäftigen und unsere Errungenschaften zu übersehen. Wenn wir aber nach vorne schauen, darauf, wie eine aufstrebende Zukunft aussehen könnte, haben wir Zeit, eine perfekte utopische Welt für uns zu entwerfen.

Für mich war dies einer der Gründe, warum die Organisation einer Konferenz über eine aufstrebende Zukunft so wichtig war. Es handelt sich um ein Thema, das an Dynamik gewonnen hat, mit konkreten Zielen, auf die wir hinarbeiten können. Ich glaube, dass es wichtig ist, etwas in dieser Welt zu haben, auf das wir uns freuen oder auf das wir hinarbeiten können.

Wenn ich an meine Zeit in Asia Plateau zurückdenke, gibt es einige besondere Momente, die einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen haben.

Einer dieser Augenblicke war die 'Familienzeit'. Von Anfang an wurden wir einer Gruppe zugewiesen. Wir trafen uns täglich während der Konferenz, und das war unsere 'Familie'. Die Familiennamen basierten auf den Namen der Bäume, die in Asia Plateau gepflanzt wurden und meine Gruppe hiess 'Subabul'.

Wir waren alle unterschiedlicher Herkunft und Lebenserfahrung und des gab nichts in unserem Alltag, was uns auf natürliche Weise zusammenbringen würde. Ich liebe diese Momente, in denen wir mit Menschen, die sich in den Augen der Welt so sehr von uns unterscheiden und uns doch so ähnlich sind, sprechen, lachen oder (an manchen Tagen) sogar weinen.

Meine Familiengruppe war unglaublich. Wir hatten wirklich ehrliche und interessante Gespräche, wir haben uns in Momenten extremer Verletzlichkeit gegenseitig den Spiegel vorgehalten, aber man verspürte so viel Hoffnung. Wir haben uns gegenseitig Geschichten erzählt und sind auch heute noch miteinander in Kontakt.

 

Asia Plateau 2023 Emergent Future (credit: Morenike Onajobi)
Mit Teilnehmenden der Emergent Future-Konferenz (Foto: M. Onajobi)

 

Eine Begegnung, die mich besonders inspiriert hat, war die Begegnung mit zwei Frauen, die für uns gesungen haben. Mit ihrer Musik erzählten sie Geschichten über die Stärkung der Rolle der Frau - ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt - und sie waren einfach fantastisch.

Indien hat eine lange Geschichte in Bezug auf die Behandlung von Frauen, die oft hervorgehoben und besprochen wird. Oft vergessen wir jedoch jene Frauen, die stark waren und für ihre Rechte gekämpft haben, oder wir versäumen es, sie zu würdigen. Wir müssen diesen Frauen, die die beiden Künstlerinnen besungen haben, unbedingt Tribut zollen. Die Veranstaltung war wirklich inspirierend, weil sie für mich so viele Dinge ins rechte Licht gerückt hat.

 

Bindhu Malini and Pallavi MD, Threshold, Asia Plateau Jan 2023 (credit: IofC India)
Bindu Malini (rechts) und Pallavi MD von Threshold beim Auftritt in Asia Plateau (Foto: IofC Indien)

 

Musik ist ein erstaunliches Medium, um Sprachen und Barrieren zu überwinden. Obwohl die beiden Frauen nicht auf Englisch sangen, hatte ich das Gefühl, dass ich ihre Botschaft durch die Emotionen in ihrer Musik verstehen konnte. Wir konzentrieren uns oft darauf, wie sehr wir uns voneinander unterscheiden, aber es sind Momente wie diese, die uns daran erinnern, wie ähnlich wir uns sind.

Und die Geschichten, die sie uns erzählt haben! Ich fühlte mich sehr klein und war stolz, dies miterleben zu dürfen.

Musik spielte auch eine wichtige Rolle, als wir die lokale, von IofC inspirierte Organisation Grampari besuchten, die nur einen kurzen Spaziergang von Asia Plateau entfernt ist. Wir sahen, wie sehr das Dorf von Asia Plateau beeinflusst wurde, insbesondere während der Covid-Pandemie und dem Lockdown. Wir erfuhren von einigen der Nachhaltigkeitselemente, die sie entwickeln konnten, wie z. B. Hygieneregeln für Kinder. Es war sehr bewegend, die Geschichten der Menschen zu hören und zu sehen, wie weit das Dorf im Laufe der Jahre gekommen ist.

Ich nehme an, dass ich mich deshalb entschlossen habe, ein Lied dort vorzusingen, da sie mich an meine vergessene Gabe erinnerten und mir Hoffnung gaben. In diesem Moment wurde mir klar, wie wichtig Musik ist, um Frieden, Trost und Hoffnung zu bringen. Also sang ich 'A Change is Going to Come', weil ich so berührt und überwältigt war.

 

Morenike singing at Grampari (photo: S Hasse)
Morenike singt in Grampari, begleitet von Vedanth Bhaaradwaj (Foto: S. Hasse)

 

Wenn ich die beiden IofC-Zentren, den Caux Palace in der Schweiz und Asia Plateau in Indien, miteinander vergleiche, gibt es durchaus Ähnlichkeiten. Erstens erreicht man beide, indem man einen Hügel hinauffährt. Es scheint etwas damit zu tun zu haben, dass IofC-"Häuser" gerne auf Berggipfeln liegen und so eine einzigartige Perspektive auf ihre lokales Umfeld bieten, die es ihnen ermöglicht, dieses zu unterstützen und sich dort einzubringen. Ich finde das wirklich toll. Eine weitere Ähnlichkeit ist der Gemeinschaftsaspekt. Asia Plateau ist ein Ort für die Menschen im Herzen von Panchgani - ähnlich wie Caux, das in der Nähe von Genf liegt.

Als jüngste Person im Stiftungsrat von IofC Schweiz bringe ich eine andere Perspektive mit ein und glaube an neue und innovative Wege, um ein jüngeres Publikum anzusprechen. Ich glaube, dass Jugend die Zukunft ist und dass wir uns mit ihr auseinandersetzen, Raum für sie schaffen und sie mit ins Boot holen müssen. Ich kam 2012 mit 17 Jahren zum ersten Mal nach Caux, wo ich mithalf, indem ich Geschirr abwusch, die Haushälterinnen unterstützte und Neuankömmlinge willkommen hiess. In Asia Plateau ist es ganz ähnlich.

Mir gefällt, wie sehr Asia Plateau Menschen aus Indien anzieht und wie es in der lokalen Gemeinschaft verankert ist. Ich denke, wir können viel von diesem Ort lernen, während wir gleichzeitig unsere starke globale Ausrichtung beibehalten.

Wenn ich meine Zeit in Indien mit fünf Worten zusammenfassen müsste, würde ich sagen: inspirierend, friedlich, chaotisch, lustig und ehrlich. Indien ist, was es ist. Und ich sage euch was: Es wird nicht mein letztes Mal gewesen sein. Ich werde auf jeden Fall wieder hinfahren!

Ich liebe diese Momente, in denen wir mit Menschen, die sich in den Augen der Welt so sehr von uns unterscheiden und uns doch so ähnlich sind, sprechen, lachen oder (an manchen Tagen) sogar weinen.

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Asia Plateau ist das Bildungszentrum von Initiativen der Veränderung Indien. Seit seiner Eröffnung hat das Zentrum mehr als 2.000 Programme auf dem Campus durchgeführt, einen sicheren Rahmen für Transformation und einen Inkubator für inspirierendes, kollektives und integratives Handeln sowie persönlichen und globalen Wandel geboten.

Die Konferenz Emergent Future: Rethinking our World Together richtete sich an Führungspersönlichkeiten aus dem sozialen Bereich sowie an Vordenkerinnen und Vordenker, um unsere immer komplexer werdende Welt besser zu verstehen. Sie bot Podiumsdiskussionen und Ansprachen sowie Raum für Fragen, Reflexion und Inspiration, um Schritte in die Zukunft gehen zu können.

 

Sebastian Hasse Asia Plateau Jan 2023 square DE

Sie möchten weitere Höhepunkte der Emergent Future-Konferenz im Asia Plateau miterleben? Lesen Sie die inspirierende Geschichte von Sebastian Hasse: Wo Veränderung möglich ist

 

 

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